In Pilotprojekt wird die Technik erprobt
Polizei geht per SMS auf Verbrecherjagd

Die Polizei in Karlsruhe erprobt in einem Pilotprojekt die Verbrecherfahndung mit dem Handy. Per Massenversendung von SMS gibt die Polizei Hinweise an die Bevölkerung und setzt auf deren Mithilfe.

HB/dpa KARLSRUHE. 1000 Handys piepsen. Gleichzeitig. Bei 1000 Karlsruher Bürgern kommt die SMS an: "Banküberfall, 13.00 Uhr, Innenstadt. Zwei Maskierte flüchtig in rotem Polo mit Kennzeichen KA- ABC 000. Wenn Sie die Männer sehen, melden Sie sich bei der Polizei unter Nummer ..." So ähnlich könnte die Verbrecher-Fahndung der Zukunft aussehen - sollte sich ein nun zu Ende gehendes Pilotprojekt des Bundeskriminalamtes (BKA) als erfolgreich herausstellen.

Als eine von neun Städten beteiligt sich Karlsruhe an dem Projekt. "Die Technik klappt hervorragend", urteilt der Leiter des Führungs- und Lagezentrums der Polizei Karlsruhe, Olaf Hary. Allerdings wurde dort die Methode erst mit Privathandys von Polizisten und nicht mit Mobiltelefonen von Bürgern erprobt.

Den Startschuss für das Projekt gab das BKA im vergangenen November. "Bei einem Castor-Transport durch Baden haben wir das System ausprobiert", berichtet Hary. 140 Beamte waren im Einsatz. Ihre Handy-Nummern wurden im Computer erfasst. Die Kollegen im Lagezentrum tippten den aktuellen Stand der Dinge in ein Programm zur Massenversendung von SMS ein. Ein Mausklick - und die Informationen kamen bei den Beamten vor Ort an.

Der nächste große Test folgte in der Vorweihnachtszeit, um Taschendieben in der Innenstadt auf die Schliche zu kommen. Verdeckte Ermittler, Politessen, Kaufhausdetektive und Polizeibeamte erhielten jeweils Kurznachrichten, wenn Diebe unterwegs waren. Fazit: Beide Aktionen waren erfolgreich. "Die Methode wäre eine gute Ergänzung zum Funk und zu Fahndungsaufrufen in den Medien", sagt Hary.

Die Polizeidienststellen in anderen beteiligten Städten wie Rendsburg (Schleswig-Holstein) oder Bochum (Nordrhein-Westfalen) berichten laut Hary ähnlich positiv. Teils seien schon freiwillige Bürger sowie Bus- oder Taxifahrer beteiligt worden. Teils seien auch Beschreibungen von vermissten Menschen per SMS durchgegeben worden. "Wir könnten eigentlich loslegen, doch da gibt es noch die Diskussion um die Kosten", berichtet Hary. Die Kassen der Polizei sind leer, innovative Techniken müssen ihren Nutzen beweisen. Das Problem: "Es gibt keine Studien oder Fallzahlen, mit denen wir belegen könnten, dass wir durch die SMS mehr Verbrecher gefasst hätten", so Hary.

Zu klären sei auch, wer zahlt. Der Bund, das Land oder die Kommunen? Für eine SMS gibt die Karlsruher Polizei 13 Cent aus. "Beim Castor-Transport haben wir zehn SMS an 140 Teilnehmer geschickt und waren schnell knapp 200 Euro los", sagt Hary. Billiger gehe es kaum. "Die Datenübermittlung muss sicher sein. Schließlich sollen in 30 Sekunden bis zu 1000 SMS verschickt sein. Das kostet eben."

Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg, das Projektberichte erhielt, ist noch zurückhaltend: "Wir sind noch in der Entscheidungsphase und wollen erst die Berichte aus dem restlichen Bundesgebiet hören", sagt Horst Haug, Sprecher des LKA in Stuttgart. Eines ist für Hary jedoch klar, sollte die moderne Technik Einzug in die Polizeireviere halten: "Nur Freiwillige werden beteiligt, und niemand sollte sich privilegiert fühlen, wenn er mitmacht." Wer seine Handy-Nummer zur Verfügung stelle, könne sich auf ein sicheres Computer-System verlassen. "Auch Datenschützer haben die Methode geprüft und nichts daran auszusetzen."

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