In Polen wächst die Unsicherheit über den Ausgang des EU-Referendums im Juni
Regierungskrise schickt Zloty auf Talfahrt

Der Bruch der polnischen Regierungskoalition hat den Zloty im Verhältnis zum Euro auf Talfahrt geschickt. Die Schwäche der polnischen Währung dürfte bis Juni anhalten. Dann stimmen die Polen über den EU-Beitritt ab.

WARSCHAU/DÜSSELDORF. Die politisch instabile Situation in Polen zeigt ihre Auswirkungen auf die Märkte. Der polnische Zloty fiel auf den tiefsten Stand seit 40 Monaten. Gestern mussten bereits 4,37 Zloty je Euro gezahlt werden. Noch Anfang des Jahres hatte ein Euro um die 4,0 Zloty gekostet. Auslöser der Schwäche ist die Regierungskrise. Polens Ministerpräsident Leszek Miller hatte sich entschlossen, das Regierungsbündnis seiner Sozialdemokraten mit der gemäßigten Bauernpartei PSL zu beenden. Vor dem EU-Referendum am 8. Juni wird damit das schwierigste Kandidatenland nun von einer Minderheitsregierung geführt.

Dies hat Befürchtungen über ein "Nein" bei der Volksabstimmung in Polen bestärkt. Und auch "die Unterstützung für den EU-Beitritt innerhalb der Regierung ist nun etwas schwächer", sagt Janis Hübner, Emerging-Markets- Experte der DZ Bank. Gleichwohl ist für ihn das wahrscheinlichste Szenario, dass das EU-Referendum am 8. Juni positiv ausfällt.

Doch die negativen Auswirkungen der politisch instabilen Lage dürften auf den Zloty vorerst anhalten, meint Chefökonom Krzysztof Rybinski von der polnischen Bank BPH: "Drei Monate vor dem Referendum herrscht in der polnischen Politik so ein Durcheinander, dass nicht einmal ein Krieg im Irak das verdecken könnte." In der derzeitigen Konstellation sei die Gefahr groß, dass die dringend notwendige Reform der öffentlichen Finanzen nicht vorankommen werde. Weitere Einbrüche des Zlotys seien zu befürchten, sollte die Opposition versuchen, einzelne Minister aus Millers Minderheitsregierung per Misstrauensvotum zu Fall zu bringen. "Das schlechteste Szenario für den Zloty wäre aber, wenn es zu Neuwahlen kommt", warnt Rybinski. Wenn nicht vorzeitig gewählt wird, läuft die Legislaturperiode noch bis Herbst 2005. Der Ökonom sieht nur eine Chance: Die Märkte werden sich beruhigen, wenn die Regierung Zeichen setzt, dass sie es mit der Budget- Reform ernst meint.

"In den kommenden Monaten wird der Zloty nicht mehr das Niveau erreichen, das er vor der Regierungskrise hatte", sagt auch Arkadiusz Garbarczyk, Analyst der BRE Bank. Allein die Vorbereitung auf den Beitritt zur Europäischen Union (EU) helfen indes, den Zloty trotz politischer Negativ-Schlagzeilen zu stützen. So werde schon bald ein weiterer Zinsschritt der Nationalbank erwartet, und die Nachfrage nach polnischen Bonds bleibe hoch. Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsen Ende Februar überraschend stark gesenkt. Der geldpolitische Ausschuss senkte den Leitzins von 6,50 % auf 6,25 %. den als Leitzins dienenden 28-tägigen Interventionssatz auf 6,25 (6,50) % zurück. Der Diskontsatz wurde auf 6,75 (7,25) %, der Lombardsatz auf 8,0 (8,50) % reduziert.

DZ-Experte Hübner ist etwas zuversichtlicher gestimmt. Er erwartet, dass sich der "Zloty auf dem aktuellen Niveau stabilisieren wird", also bei Kursen von 4,30 bis 4,35 Zloty je Euro. Eine größere Abwertung des Zlotys erwartet Hübner nur dann, "wenn sich größere Probleme beim EU-Referendum abzeichnen sollten". Bleiben diese Probleme aus, rechnet er damit, dass sich der Zloty wieder stabilisiert und etwas erholt. Bis zum Jahresende sieht Hübner die polnische Währung bei rund 4,25 Zloty je Euro.

Insgesamt noch etwas zuversichtlicher ist Alexandra Bechtel. Mit Blick auf die Minderheitsregierung in Polen und die politische Unsicherheit im Zusammenhang mit dem EU-Referendum prognostiziert die Expertin von Commerzbank Securities, dass der Zloty bis Mitte des Jahres "weiter schwach" bleiben wird. Sollte sich allerdings abzeichnen, dass das Referendum gut ausfällt "dürfte der Zloty wieder aufwerten", sagt Bechtel. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf den Beitritt zur Europäischen Union, denn damit werde auch der Rechtsrahmen für Investoren sicherer. Die Commerzbank-Expertin erwartet dann "weitere Kapitalzuflüsse" nach Polen.

Eine "tendenzielle Aufwertungstendenz für den Zloty" bestehe aber bereits in der zweiten Jahreshälfte, fügt Bechtel hinzu. Von zurzeit rund 4,35 Zloty zum Euro sollte die polnische Währung sich wieder in Richtung auf 4,0 Zloty festigen.

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