In Premium- und Risikosegment
Index-Neuordnung rückt in greifbare Nähe

Dem Neuen Markt und dem Smax könnte schon bald das Ende drohen. Volker Potthoff, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, nennt Meldungen um eine bevorstehende Vorstandsverkleinerung bei der Deutsche Börse indes Spekulation.

scc FRANKFURT/M. In der Frankfurter Finanzwelt wurde bereits seit langem darüber gemunkelt, jetzt scheint die Neusegmentierung an der Deutschen Börse schon bald Realität zu werden. "Wir werden eine Zweiteilung vornehmen und dazu in nächster Zeit eine neue Indexwelt vorstellen", sagte Vorstandsmitglied der Deutschen Börse Volker Potthoff (zuständig für Xetra Divisions) bei der Handelsblatt-Veranstaltung "Die Börse der Zukunft". Einen genauen Zeitpunkt wollte er jedoch nicht nennen. Wie jedoch aus Finanzkreisen zu erfahren war, will die Börse bereits in dieser Woche erste Einzelheiten nennen. Dazu bedurfte es gestern noch der Zustimmung der Gremien.

"Wir wollen die Möglichkeiten nutzen, die uns das 4. Finanzmarkförderungsgesetz gibt", so Potthoff weiter. Das bietet der Börse die Möglichkeit, die Anforderungen, die sie an das Premiumsegment stellt, verbindlich in die Börsenordnung zu schreiben. Nach Informationen des Handelsblatts ist es das Ziel der Börse, möglichst viele Unternehmen in das Premiumsegment aufzunehmen. Dort sollen dann nahezu identische Anforderungen gelten wie sie heute bereits am Neuen Markt herrschen. Das hieße für die gelisteten Unternehmen unter anderem Quartalsberichterstattung, Bilanzierung nach internationalen Standards, zwei Betreuerbanken (designated sponsors) sowie mindestens eine Analystenveranstaltung jährlich.

Wer diese Auflagen nicht erfüllen kann oder will - immerhin werden die Kosten dafür von Experten auf 500 000 bis 1 Mill. Euro pro Jahr geschätzt - wird im Risikosegment gelistet. Im Premiumsegment soll nach Handelsblatt-Informationen vor allem nach Branchen selektiert werden, während das Risiko-Segment als Sammelbecken für all diejenigen Aktien gedacht ist, die den erhöhten Anforderungen nicht genügen. In der Konsequenz wird bereits darüber gerätselt, ob der Neue Markt und das Kleinwertesegment Smax die Umstellung überleben werden. Mit deren Ende in der bisherigen Form wird inzwischen Anfang 2003 gerechnet. Der Neue Markt würde damit seinen sechsten Geburtstag nicht erleben, der Smax würde nicht einmal vier Jahre alt.

Klar stellte Volker Potthoff, dass die Deutsche Börse auch weiterhin keine Qualitätskontrolle der gelisteten Unternehmen durchführen kann. "Das ist nicht unsere Rolle" so Potthoff. Die Kritik, die am Dienstag vor allem von DZ-Bank Vorstand Heinz Hilgert in diesem Zusammenhang an der Deutschen Börse vorgetragen wurde, wies Potthoff zurück. "Das kann ich so nicht teilen".

Thomas Eckert von Dresdner Kleinwort Wasserstein befürwortete indes wegen der unter dem Namen Basel II bekannten künftig zu beachtenden Eigenkapitaldeckungsregeln eine Weiterentwicklung des Geregelten Marktes für den Mittelstand. "Gerade in diesem Umfeld gibt es derzeit für die Banken sehr viel zu tun", so Eckert. Vor allem intensive Beratung seit nötig.

Zu Spekulationen um seine Person wollte Volker Potthoff nicht Stellung nehmen. Am Dienstag hatte das Anlegermagazin "DM Euro" gemeldet, die Deutsche Börse wolle den Vorstand von acht auf fünf Personen verkleinern. Zu den Wackelkandidaten sollten demnach neben Michael Kuhn (Deutsche Börse Systems) und Christoph Lammersdorf (Deutsche Börse Information Products) auch Volker Potthoff gehören, die ins zweite Glied rücken sollen. "Es wäre lächerlich, dazu Stellung zu nehmen", kommentierte er diese Meldung.

Die im MDax notierte Aktie der Deutsche Börse legte gestern in einem freundlichen Gesamtumfeld nach Tagen deutlicher Verlusten um 5,5 % zu. Händlern zufolge hatte die Nachricht einer möglichen Reduzierung des Vorstands jedoch keinerlei Auswirkungen auf den Aktienkurs.

Quelle: Handelsblatt

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