In Rostock auf der Bank
Huub Stevens für zwei Spiele gesperrt

Huub Stevens kann seine Fußballspieler im Pokalspiel gegen Hansa Rostock von der Bank aus betreuen. Darauf einigte sich das DFB-Sportgericht am Montag. Allerdings der Trainer von Hertha BSC Berlin eine Sperre von zwei Bundesligaspielen und 7 500 Euro Geldstrafe wegen unsportlichen Verhaltens. Der Hertha-Coach Stevens hatte sich später bei dem Ex-Torjäger entschuldigt.

HB BERLIN/FRANKFURT. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte erst am Donnerstag gegen Stevens ein Innenraum-Verbot für zwei Pflichtspiele und eine Geldstrafe von 15 000 Euro verhängt und war damit dem Antrag des Kontrollausschuss gefolgt. Doch wegen des Hertha-Ultimatums für Stevens, der die Begegnungen gegen Hansa Rostock in der Bundesliga am vergangenen Samstag (1:0) und im Pokal gewinnen muss, kam das Gremium unter Vorsitz von Rainer Koch dem Trainer entgegen. "Das Sportgericht will nichts mit einer möglichen Entlassung zu tun haben", sagte Koch nach der mündlichen Verhandlung in Frankfurt/Main.

"Wenn ich in Rostock nicht hätte dabei sein können, dann wäre das sehr schlimm gewesen", sagte Stevens, der unmittelbar nach der Urteilsverkündung zu seiner Mannschaft nach Rostock reiste. Sein Anwalt Christoph Schickhardt hatte in der Verhandlung für eine Sperre von einem Bundesligaspiel plädiert.

Nachdem Hertha BSC am Donnerstag sofort Einspruch gegen das erste Urteil eingelegt hatte, war die Strafe bis zur Berufungsverhandlung am Montag ausgesetzt worden. So durfte Stevens am Samstag im Bundesligaspiel in Rostock sein erstes "Schicksalsspiel" von der Bank aus verfolgen. Sollte der Niederländer nach dem Pokalspiel weiter im Amt bleiben, muss er nun am kommenden Samstag im Punktspiel beim VfL Wolfsburg und eine Woche später gegen Borussia Mönchengladbach auf der Tribüne Platz nehmen

.

Zunächst muss Stevens aber erst die Partie bei Hansa überstehen. Das zweite "K.o.-Spiel" innerhalb von drei Tagen an gleicher Stelle wird für ihn noch dramatischer als das erste. Nur ein weiterer Sieg zählt, damit er seine bisher 16-monatige Arbeit in der Hauptstadt fortsetzen kann. Stevens-Befürworter Dieter Hoeneß hatte versucht, die Tränen des sonst so bärbeißigen Bergmann- Sohnes nach dem 1:0 am Samstag bei Hansa zu nutzen, um das gestellte Ultimatum aufzuweichen. "Ich spüre schon, dass der eine oder andere anders darüber denkt, auch durch die emotionalen Bilder", sagte der Manager.

Am vereinbarten Verfahren hat sich nichts geändert

Doch am Montag schaltete sich der Aufsichtsrat in die Diskussionen offiziell ein. Das Ultimatum für Stevens bleibe so bestehen, teilte der Vorsitzende Rupert Scholz mit. Am vereinbarten Verfahren bezüglich der beiden Spiele gegen Hansa Rostock "hat sich nichts geändert", hieß es in einer Presseerklärung. Allerdings führte Scholz auch aus: "Aufsichtsrat und Beteiligungsausschuss stehen auch in der Trainerfrage uneingeschränkt hinter Dieter Hoeneß." Doch gerade der Manager hatte ja die "weiche" Variante ins Spiel gebracht.

Der Malocher Stevens zeigt sich in den schwersten Stunden seiner bisherigen Trainer-Laufbahn gespalten. Einerseits sprach er von "purer Freude", die er nach dem ersten Sieg in Rostock empfunden habe. Andererseits wehrte er sich gegen Geschenke. "Wir haben eine Vereinbarung", kommentierte der Wahl-Berliner die von Hoeneß angedeutete vage Chance, auch bei einem unglücklichen Pokal-Aus im Amt bleiben zu können. Möglicherweise verzichtet Stevens auf diesen Weg durch die Hintertür sogar von sich aus. "Ich bin auch ein Mensch mit Gefühlen", hatte er in den vergangenen Stunden mehrmals gesagt.

Die Reaktionen aus dem eigenen Lager nach dem ersten "Endspiel- Sieg" machten nochmals deutlich, dass einige führende Herthaner nicht zur Kategorie Stevens-Freunde gehören - trotz des offiziell einstimmigen Votums des Beteiligungsausschusses als dem wichtigsten Kontrollgremium der Kommandit-Gesellschaft auf Aktien (KGaA) für die um zwei Spiele verlängerte Chance. Zudem geht es einem Mann wie Ex- Verteidigungsminister Scholz um die Glaubwürdigkeit des Vereins. Alle Vermutungen über Meinungsunterschiede in der Trainerfrage zwischen Hoeneß und Mitgliedern der Gremien seien unrichtig, erklärte Scholz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%