In schweren Zeiten setzt die HVB auf Erfahrung
Portrait: Der neue HVB-Chef Dieter Rampl

Hypo-Vereinsbank-Urgestein Dieter Rampl soll Deutschlands zweitgrößte Bank aus der Krise führen.

Reuters MÜNCHEN. Der geborene Münchener setzte sich erwartungsgemäß gegen seine jüngeren Vorstandskollegen Stefan Jentzsch (41) und Stephan Bub (44) durch, denn für den 55-Jährigen sprachen vor allem seine Erfahrung und die sicheren Seilschaften in der Bank.

Rampl - im Vorstand bislang zuständig für Deutschland und das Firmenkunden- sowie Handelsgeschäft (Corporates & Markets) - kennt die HVB genauso gut wie sein Vorgänger, der künftige Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt (64). Seine Banklehre machte Rampl 1968 bei der Vereinsbank, die 1998 mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank zur HVB fusionierte. Doch ein "Provinzler" ist er deshalb nicht: Internationale Erfahrung im Investmentbanking und Firmenkundengeschäft sammelte er vor allem während eines Abstechers zur BHF-Bank in Frankfurt, für die er von 1983 bis 1994 auch in New York tätig war.

Nach seiner Rückkehr nach München nahm Rampl das Firmenkundengeschäft der HVB unter seine Fittiche und führte diesen Bereich, ab 1998 als Vorstand, wieder in die schwarzen Zahlen. Rampl gilt als umgänglich und offen - auch im Gespräch mit Journalisten. Über seine Fachkenntnisse lassen auch Konkurrenten keinen Zweifel aufkommen: "In die Bankenverhandlungen seit dem Kirch-Zusammenbruch hat Rampl seine ganze Erfahrung und Sachkenntnis eingebracht", urteilt ein Frankfurter Banker.

Rampl wird Sparkurs vorantreiben

Kritisches ist über Rampl kaum zu hören oder wird sehr vorsichtig formuliert: "Vielleicht hat er in den vergangenen eineinhalb Jahren etwas zu viel gemacht", hieß es in der Bank mit Blick auf Rampls Doppelzuständigkeit für Deutschland und Corporates & Markets. Das wird sich aber ändern, denn diese Bereiche sollen sich künftig die Vorstände Jentzsch und Bub teilen. Mit seinen zwei Kronprinzen dürfte Rampl gut auskommen, Bub kennt er schon seit gemeinsamen BHF-Tagen. Neben starken Vorstandskollegen wird Rampl mit Schmidt einen Aufsichtsratschef haben, der auch in seiner neuen Funktion nicht auf klare Worte verzichten wird.

Rampl wird den Sparkurs seines Vorgängers forcieren und das hohe Kreditengagement der Bank verringern. Denn die HVB hat mit knapp 450 Milliarden Euro das größte Kreditbuch in Europa - sie leidet unter dem Pleitenrekord und dem schwachen Immobilienmarkt stärker als ihre Konkurrenz. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Rampl mittelfristig auf eine Fusion mit der Commerzbank hinarbeitet. Dabei muss er aber vor allem die mächtige Münchener Rück mit ins Boot holen. Der weltgrößte Rückversicherer hält gut 25 Prozent an der HVB und ist mit mehr als zehn Prozent an der Commerzbank beteiligt.

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