In Tschechien ist die Mobilfunkdichte höher als in Deutschland
In Osteuropa läuft das Handy dem Festnetz-Telefon den Rang ab

Auch fünfzehn Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks ist die Versorgung mit Festnetztelefonen in den EU-Beitrittsländern noch deutlich schlechter als in den bisherigen Mitgliedstaaten. In der jetzigen EU kommt auf jeden Haushalt oft mehr als ein Festnetzanschluss. In den beitretenden Ländern besitzt aber nur ein gutes Drittel der Haushalte ein Telefon. Die Osteuropäer scheuen die Anschlussgebühren und vor allem die monatlichen Kosten. Die schlechte Abdeckung mit Leitungen ist jedoch eine Chance für die Mobilfunknetzbetreiber: Statt eines festen Telefons legen sich die Einwohner der Beitrittsländer lieber gleich ein Handy zu.

HB DÜSSELDORF. In Tschechien und in Slowenien telefonieren nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner bereits rund 95  % der Bevölkerung mobil - fast so viel wie in Hongkong. Damit ist der Markt fürs erste ausgereizt. In anderen Ländern, wie Ungarn zum Beispiel, hält das Wachstum dagegen an: Die rasche Ausdehnung des Mobilfunks in Tschechien wiederhole sich dort, sagt Jeremy Green, Analyst bei der britischen Marktforschungsfirma Ovum. Die Ausgangslage sei ähnlich: Wie in Tschechien haben die Menschen in Ungarn eher niedrige Einkommen. Ein Mobiltelefon mit Guthabenkarte ist da die billigere Alternative zu einem Festnetzanschluss. Obwohl in Ungarn die Konkurrenz geringer ist als in Tschechien und das Ex-Staatsunternehmen Matav den Markt beherrscht, telefonieren schon 81  % der Bevölkerung mobil - eine ähnliche Rate wie in Deutschland. Bis zum Jahr 2007 rechnet Green für Ungarn mit einer Handy-Dichte von 93  %.

In Polen und in Litauen hingegen ist das Wachstumspotenzial noch deutlich größer, denn dort hat bisher nur rund die Hälfte der Bevölkerung ein Handy. Das wird sich nach Ansicht von Analysten zunächst aber nur langsam ändern. Denn die Einkommen sind geringer, zudem haben laut Green die Mobilfunkfirmen wie PTC, Polkomtel und PTK Centertel erst jüngst im voraus bezahlte Guthabenkarten eingeführt. Der Analyst erwartet daher, dass die Handy-Dichte dort jährlich um weniger als fünf Prozentpunkte ansteigen wird.

In Tschechien dagegen, wo es kaum gelingen wird, noch neue Kunden zu gewinnen, wollen die Marktführer Eurotel Praha, T-Mobile und Cesky Mobil künftig vor allem den Umsatz pro Kunden erhöhen. Dazu wollen sie Internet für das Handy anbieten, sagt Jason Chapman, Marktbeobachter bei Gartner. Nach seiner Einschätzung wollen T-Mobile und Cesky Mobile noch in diesem Jahr die Datenübertragungstechnik EDGE einführen. EDGE macht das mobile Internet schneller und bequemer - ähnlich wie die UMTS-Technik, die jetzt in Westeuropa an den Start geht. Im Gegensatz dazu ist für EDGE aber nicht der Aufbau eines komplett neues Netzes nötig. Die vergleichsweise neuen osteuropäischen Mobilfunk-Antennen lassen sich mit eher geringen Investitionen auf EDGE aufrüsten. Ein Geschäft werden damit am Anfang vor allem die Netzausrüster machen: Firmen wie Siemens, Ericsson und Nokia.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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