In unsicheren Börsenzeiten gesucht
Blick hinter die Kulissen der Dividendenkönige

Auch in schlechten Aktienjahren muss eine Flucht ins Sparbuch nicht die beste Wahl sein. Denn sechs, acht oder gar zehn Prozent an jährlichen "Zinsen" lässt sich mit einer Reihe gut verdienender Unternehmen einheimsen. So hoch ist die Dividendenrendite (Dividende mal 100 geteilt durch den Kurs einer Aktie) vieler börsennotierter Unternehmen.

HB DÜSSELDORF. Adig-Fondsmanagerin Heidrun Heutzenröder setzt auf eine Fortsetzung des "Runs" auf sichere Werte, der vor einem Jahr begann. "Zyklische Aktien, die zum Teil viel Dividende zahlen, laufen jetzt gut im Vorgriff auf die erwartete Konjunkturerholung." Zu ihren Favoriten zählt die auf Europa spezialisierte Expertin für den Dax den Bereich Chemie (Bayer und BASF) und für die kleineren Börsensegmente die Baubranche. Auch die WGZ-Bank favorisiert defensive Sektoren, solange sich die konjunkturellen Risiken nicht verringern und die Ertragssituation der Unternehmen unklar bleibt.

"Seit einem Jahr laufen defensive Aktien mit einer teils hohen Dividendenrendite sehr gut. Doch die Dynamik lässt nach. Das deutet darauf hin, dass wir den Gipfel bereits hinter uns haben", warnt Gertrud Traud von der Bankgesellschaft. Es rechne sich nicht, auf den "Modezug" der Value-Aktien - defensive Substanzwerte - aufzuspringen. "Alle reden von Value. Gerade deshalb erwarte ich von diesen Aktien nicht mehr viel. Die Luft ist raus".

Jetzt, wo die Zeit der Hauptversammlungen beginnt und damit auch die der Ausschüttungen, lohnt sich ein genauerer Blick auf den vermeintlich warmen Geldregen. Denn nicht immer spiegeln hohe Dividenden die Gesundheit des Unternehmens wider - und: Wer einmal zahlt, garantiert damit noch keine Wiederholung für die Zukunft.

Norddeutsche Affinerie : Die Kupferhütte legt beim Umsatz und Gewinn kontinuierlich zu. Vor allem die Branchen Elektronik und Telekommunikation brauchen immer mehr Kupfer. Doch auch für die Produktion von Brennstoff- und Solarzellen liefert die Affinerie den Rohstoff. Selbst unter einer sich abschwächenden Konjunktur leide der europäische Marktführer nicht, meint das Bankhaus Lampe und empfiehlt den S-Dax-Wert zum "Kauf". Die hohe Dividendenrendite von knapp 6 % ist für viele Anleger (nur) ein "Sahnehäubchen".

Daimler-Chrysler : Bei den Stuttgartern ist die Ausschüttung mehr als ein "Bonbon". Hohe Verluste bei Chrysler bringen den Autobauer in Turbulenzen. Der Aktienkurs halbierte sich. Erst als Vorstandschef Jürgen Schrempp eine unveränderte Dividende versprach, stoppte die Talfahrt. Analysten sind sich einig, dass die Dividendenrendite maßgeblich hilft, der Aktie in schweren Zeiten Stabilität zu verleihen.

Agiv: Die Dividendenrendite ergibt sich aus den Erlösen der Beteiligungsverkäufe, die an die Aktionäre weitergegeben wurden. Doch 2001 wird der Immobilienkonzern möglicherweise nichts ausschütten.

IKB : Die Aktie eignet sich für vorsichtige Anleger. Der Kurs schwankt kaum, die Mittelstandsbank wächst solide. Aktionäre kassieren eine hohe Dividende. Dies gilt auch künftig als relativ sicher.

Schnigge: Die Aktie ist so tief gefallen, dass sich derzeit eine 19,5-prozentige Rendite ergibt. Doch die Düsseldorfer verknüpften eine Gewinnwarnung mit der Reduzierung der Dividende auf "voraussichtlich" 40 Cent je Aktie. Das ergäbe immer noch eine Rendite von knapp 9 %. Dennoch raten Analysten zur Vorsicht, denn die Talfahrt an den Börsen macht den Maklerfirmen mit ihren Geschäftsfeldern wie Neuemissionen, Venture Capital oder Vermögenberatung schwer zu schaffen. Sollten sich die Aktien nicht bald auf breiter Front erholen, drohen weitere Umsatz- und Gewinneinbußen - und damit neue Dividendenkürzungen. Wer aber auf die Trendwende an den Börsen setzt, darf bei Schnigge, Baader, MWB und Kling Jelko auf den "Kurs-Turnaround" hoffen.

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