In USA steckten Venture-Capital-Unternehmen ihr Geld lieber in Internet-Firmen
Björn Magnusson: Unternehmer mit starkem Antrieb

Mit großen Plänen für kleine Motoren zog der promovierte Elektrotechniker nach Kalifornien - und sah ein, dass Deutschland der bessere Standort war.

Der amerikanische Traum währte nicht lange: Nach eineinhalb Jahren Projektentwicklung von Piezo-Kleinmotoren in Berkeley sah Björn Magnussen, Vorstandsvorsitzender der vor gut einem Vierteljahr gegründeten Elliptec AG, keine Chancen, in Übersee weiterzumachen. Der Standort Deutschland hatte dagegen viele Vorteile.

Denn hier gibt es Fachpersonal, das sich seit Jahrzehnten auf das so genannte Piezo-Material versteht: Keramik ist ein möglicher Grundstoff für diese Mini-Motoren, die präzise ihre Feinarbeit verrichten. In Mikroskopen oder als geräuscharme Alternative zu störend surrenden Kamera-Zooms werden sie als Edelausgabe der herkömmlichen Elektromotoren bereits eingebaut.

Magnussens Revolution der traditionellen Bauart: Seine Konstruktion braucht kein Getriebe und ist so kostengünstig wie ein lauter, unpräziserer Elektromotor. Für die USA zu neu.

Venture-Capital-Gesellschaften investierten lieber in Internetunternehmen

"Piezo? Never heard!" Unzählige Male hat Magnussen diesen Satz in den vergangenen zwei Jahren gehört: Die amerikanischen Wagniskapitalgeber pumpten ihr Geld lieber in schillernde Internet-Unternehmen. Und selbst die, die sich interessierten, agierten - so Magnussen - mit zu wenig Sachverstand: "Ein amerikanischer Investor, den ich zu einem ersten Gespräch überreden konnte, sagte mir: Wissen Sie, mit Piezo habe ich schon mal ein Paar Millionen in den Sand gesetzt." Die Materialien für den Piezo-Effekt müssten sowieso aus Europa importiert werden, beschied er Magnussen.

"Sorry", dachte der promovierte Elektrotechniker, der nach Kalifornien als Sieger des "Make-it-happen"-Businessplanwettbewerbs des Siemens Technology-To-Business (TTB) Center gekommen war, und ging ein letztes Mal zu dem "wirklich gut sortierten" Schrottplatz vor den Toren von Berkeley.

Hier hatte sich der 33-jährige Jungunternehmer immer mit ausrangierten Eisenteilen für seine Prototypen eingedeckt, "weil ein Startup ja preisgünstig wirtschaften muss". Seine Piezo-Kleinmotoren verpackte er in Kisten, warf noch einen keinesfalls wehmütigen Blick Richtung Silicon Valley und zog mit seinem mittlerweile fünfköpfigen Team ins oberfränkische Redwitz, wo Siemens Ceramics sitzt.

Magnussens Modell spart Kosten

Bei Siemens hatte Magnussen seine Geschäftsidee als Mitarbeiter der Zentralforschung entwickelt. "Ich hörte damals, dass es einen Durchbruch gegeben habe, der die Piezo-Materialien grundsätzlich billiger macht", erinnert er sich. "Die Idee lag nahe: Ich habe die neue Piezo-Technik mit einer neuen Konstruktionsweise für einen billigen, massentauglichen Motor kombiniert."

Die meisten Piezo-Motoren sind klassische Wanderzellenmotoren und so teuer, weil bei ihnen der Piezo besonders geschliffen und bearbeitet sein muss. Oder es sind Systeme mit gleich mehreren Piezos. Magnussens Modell dagegen benötigt nur einen kleinen Piezo, der nicht so präzise sein muss - und das spart Kosten.

"Mit einem Verkaufspreis von einem bis fünf Dollar kommt Magnussen in Marktbereiche, in denen bisherige Piezo-Motoren keine Chance haben", schwärmt Wilfried Frohnhofen, Geschäftsführer der Kölner Intelligent Venture Capital. Der Investor gab Elliptec 1,5 Millionen Euro Startkapital. Die Bonner Technologiebeteiligungsgesellschaft spendierte nochmal die gleiche Summe. Frohnhofen: "Wir erwarten einen hohen Absatz dieser Motoren und neue Anwendungsfelder." Denkbar sind alle Kleinteile, die eine Bewegung brauchen: Computerperipherie, Haushaltsgeräte, Spielzeuge.

Erst als profitables Unternehmen an die Börse

Standing Ovations für einen Piezo-Pionier? Keineswegs: Beim Verband der Keramischen Industrie im bayerischen Selb und bei der Düsseldorfer Gesellschaft Werkzeugtechnik im Verband Deutscher Ingenieure ist die neue Entwicklung noch unbekannt. Eine mögliche Erklärung liefert Dr. Hsu Arding, Präsident des Siemens TTB: "Das ist eine einzigartige Innovation."

Als Magnussen am 12. Januar 2001 zur AG-Gründung schritt, wollten denn auch die Projektsponsoren des Berkeley-Aufenthalts nicht abseits stehen: Siemens hält 24,9 Prozent Anteile der Elliptec AG. Nun spekuliert Magnussen noch auf eine Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen: Offiziell hat das Unternehmen seinen Sitz in Dortmund. Redwitz ist nur ein Provisorium auf dem Weg in den Ruhrpott.

An die Börse will die Elliptec AG erst, wenn sie schwarze Zahlen schreibt. "Ich gehe mit einer klassischen Technologie den konservativen Weg", sagt Magnussen. "Aus den Fehlern anderer Startups haben wir gelernt." Also immer hübsch der Reihe nach: serienreife Prototypen, Kunden, Produktion, Umsatz, Börse, Internationalisierung. Der Markt für seine günstigen Piezo-Motoren ist groß und ein Gemischtwarenladen: Ein führender amerikanischer Spielwarenhersteller hat bereits Interesse signalisiert.

Schwindelerregende Hochrechnungen

Vielleicht fahren in fünf Jahren schon Autos, in die Bauteile mit solchen Piezo-Antrieben eingebaut sind, auf Deutschlands Straßen. In Japan sind viele Bilderbücher heute schon mit kleinen Motoren zur Animation ausgestattet, die - noch zu laut und ruckartig - den Spielspaß trüben.

Genauere Angaben will Magnussen nicht machen: "Ist alles noch top secret." Was schon geht, sind schwindelerregende Hochrechnungen: "Wissen Sie, wie viele traditionelle Elektromotoren produziert werden?", fragt er mit leuchtenden Augen. "Der Hersteller Mabucchi allein verkauft bis zu sechs Millionen Motoren pro Tag." In zehn Zentimeter kleine Spielzeug-Autos eingebaut, würden diese Kleinstmotoren aneinandergereiht die Autobahn-Strecke Berlin - Nürnberg in eine Spielzeugmeile verwandeln.

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