In Verruf geratene Branche ist wieder salonfähig geworden
Terminsache für Privatanleger

Die Öffnung der Hedge-Fonds für kleine Anlagesummen hat sich bisher aus Sicht des Investors kaum gelohnt. Aber in Zukunft kann mehr daraus werden.

Mancher Stand auf der Anlegermesse "Invest 2002" fiel in diesem Jahr etwas nüchterner aus. Statt kostspieliger Video-Installationen gab es bei einigen Ausstellern nur ein paar Broschüren in die Papiertüte plus einem Beutel Gummibärchen als Wegzehrung. Im Gegensatz dazu drehte die österreichische Quadriga-Investmentgruppe mächtig auf. Zwei Formel-1-Rennwagen sollten dem Publikum in Stuttgart deutlich machen, womit man im vergangenen Jahr trotz der Baisse an der Börse richtig Kasse machen konnte, nämlich mit Hedge-Fonds.

Die nach dem Zusammenbruch der Fondsgesellschaft Long Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998 in Verruf geratene Branche ist wieder salonfähig geworden. Nach institutionellen Investoren und sehr vermögenden Privatkunden rücken vermehrt die Kleinanleger ins Visier der Marketingstrategen. Schon mit Mindestanlagen von wenigen tausend Euro kann man an der globalen Spekulation auf Ineffizienzen an den Märkten teilnehmen.

Die Frage ist aber, ob die Privatanleger in dieser laut Eigenwerbung "Königsklasse" des Investierens auch richtig aufgehoben sind, oder ob sie nicht Gefahr laufen, aus der Kurve zu fliegen. "Es handelt sich um relativ schwankungsanfällige Produkte für sehr risikofreudige Anleger", erklärt Dirk Söhnholz, Managing Partner bei der Feri Alternative Assets GmbH in Bad Homburg. Dabei seien die Interessenten gut beraten, wenn sie sich bei Dachfonds-Lösungen und Direktbeteiligungen - nicht zuletzt wegen drohender "Strafsteuern" von bis zu 90 Prozent im Rahmen des Auslandsinvestment-Gesetzes - zurückhielten und stattdessen auf strukturierte Produkte setzten. "Zertifikate sind derzeit die einzig vernünftige Alternative, um risikogestreut in diese Anlageklasse zu investieren", sagt Söhnholz, dessen Unternehmen noch 2002 die Eintrittsbarriere auf 1 000 Euro absenken will.

Der Wiederaufstieg der Hedge- Fonds steht natürlich in engem Zusammenhang mit der Talfahrt der Aktienkurse. Denn nach dem Platzen der Kursblase bei den Technologie- und Medientiteln wurde es immer schwieriger, mit Käufen von Wertpapieren noch Gewinn zu machen.

Dagegen können Hedge-Fonds auch so genannte "Short-Positionen" eingehen und bei fallenden Kursen über Leerverkäufe (Verkauf von Wertpapieren, die man "heute" noch gar nicht besitzt) profitieren. Dabei bedienen sie sich der Hebelwirkung von Derivaten wie Optionen und Terminkontrakten (zu den Anlagestrategien siehe Erklärkasten unten links). "Dadurch gibt es nur eine geringe Korrelation zwischen der Performance von Hedge-Fonds zu Anleihen und Aktien, außerdem wird über Long- und Shortstrategien in jeder Börsenlage ein hoher Gewinn erzielt", sagt Christian Baha, Geschäftsführer der Quadriga-Gruppe. Der von der Quadriga Beteiligungs- und Vermögens AG aufgelegte Genussschein weist in der Tat eine beeindruckende Performance auf. Seit Handelsbeginn 1996 kam laut eigener Berechnung ein Plus von durchschnittlich 21,80 Prozent p.a. zusammen. Dabei setzt das Management auf ein computerisiertes Trendfolgesystem, dass auf 100 Terminmärkten nach Einstiegs- und Ausstiegssignalen lauert. Im vergangenen September, als die Finanzmärkte nach den Terroranschlägen in die Knie gingen, erwirtschaftete der Computer ein Plus von 15,41 Prozent. Menschliche Gefühle sind bei diesem Vorgehen eben ausgeschlossen.

Trotz dieser Performance muss man aber auch bedenken, dass die Gesellschaft in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Außerdem funktioniert die Trendfolge besonders gut bei eindeutigen Marktrichtungen. Den eher unentschlossenen Monat Februar beendete der Genussschein denn auch mit einem Minus von 1,28 Prozent.

Neben der Sonderform des Genussscheins bleiben den privaten Anlegern vor allem Zertifikate zur Auswahl, wobei das Angebot immer mehr zunimmt. Nach Schätzungen von Feri sind mittlerweile rund vier Milliarden Euro von deutschen Anlegern in Zertifikaten angelegt. Insgesamt haben sie zusammen mit institutionellen Anlegern rund zwölf bis 15 Milliarden Euro in Hedge-Fonds investiert.

Problematisch ist, dass die Privatanleger relativ hohe Kosten tragen müssen. Beim Quadriga-Genussschein fallen pro Jahr 4,8 Prozent Managementgebühr und ein Ausgabeaufschlag von bis zu sieben Prozent an, die Gewinnbeteiligung beträgt 20 Prozent. Geschäftsführer Baha verweist auf das qualifizierte Personal, dass bei niedrigeren Gebühren nicht zur Verfügung stünde. Auch die Zertifikate haben ihren Preis, das Comas Plus der Commerzbank zum Beispiel ist mit einem Ausgabeaufschlag von 5,0 Prozent und einer Managementgebühr von 1,50 Prozent versehen, hinzu kommt die Gewinnbeteiligung von zehn Prozent.

Zertifikate haben den Vorteil, dass sie die Risiken etwa via Dachfonds auf viele verschiedene Einzelfonds verteilen. Allerdings heben sich die einzelnen Anlagestrategien der zu Grunde liegenden Hedge-Fonds offenbar auf. Beim HedgeSelect-Zertifikat der Deutschen Bank rutschten zum Beispiel im Januar die Biotechnologie-Hedge-Fonds tief ins Minus, während Equity-Hedge-Fonds deutlich zulegten. Die Performancespanne reichte von minus 14,9 Prozent bis plus 7,1 Prozent.

Insgesamt konnten die Versprechen der Anbieter bisher nicht eingelöst werden. Vielfach verspekulierten sich die Hedge-Fonds, etwa im Bereich "Merger Arbitrage", wo viele Übernahmen und Fusionen platzten, wie der Deal zwischen Honeywell und General Electric.

"Viele Produkte haben bisher in etwa plus/minus Null abgeschnitten. Das ist zwar angesichts der Verluste an den Aktienbörsen nicht schlecht, aber auch nicht das, was mittelfristig in Aussicht gestellt worden war", kritisiert Söhnholz. Und Florian Brechtel vom "X-Markets-Team" der Deutschen Bank räumt ein, dass zwar Wertstabilität erreicht wurde, die Renditeziele von zehn bis 15 Prozent aber bisher Wunschdenken blieben. Insider der Branche halten auf mittlere Sicht Renditen von acht bis zwölf Prozent - nach Abzug aller Kosten - für realistisch.

Das wäre vielleicht mehr, als es zukünftig an der Börse zu verdienen gibt. Auch muss man einräumen, dass die Produkte noch nicht sehr lange am Markt sind. Institutionelle Anleger hätten in den zurückliegenden drei Jahren eine Rendite von 17 Prozent p.a. erreicht. Nach wie vor sollten zehn Prozent eines Depots für Hedge-Fonds reserviert bleiben, meint daher Werner Humpert von UBS Warburg.

Vorläufige Zwischenbilanz: Hedge-Fonds haben sich als "Airbag" erwiesen, der das Gesamtrisiko eines Depots senken kann. Den Beweis der überlegenen Performance für den Kleinanleger müssen sie erst noch erbringen. Nicht zu übersehen auch: Der Markt wird durch keine Behörde beaufsichtigt, zudem sind die Produkte selbst für Profis schwer zu durchschauen.

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