In Zeiten schwieriger Aktienmärkte zählen Firmenbonds zu den wenigen Anlagealternativen
Bei hoch verzinsten Firmenbonds wird die Luft dünner

Seit den Bilanzskandalen bei den zwei amerikanischen Firmen Enron und Worldcom ist rund ein Jahr vergangen. Doch die beiden Pleiten, die Aktionäre und Anleiheinvestoren deutlich mehr als 100 Mrd. US-Dollar kosteten, wirken bis heute nach - vor allem bei den hoch verzinsten Unternehmensanleihen.

HB DÜSSELDORF. In den USA ist der Markt für Unternehmenspapiere weit entwickelt. Beinahe traditionell deckt "Corporate America" seinen Finanzbedarf an den heimischen Kapitalmärkten durch die Ausgabe von - zum Teil - sehr hoch verzinsten Schuldverschreibungen. Lag das Volumen der amerikanischen Firmenbonds im Jahr 1986 noch bei gut 100 Mrd. $, so hatte es sich Ende vergangenen Jahres auf rund 900 Mrd. $ fast verneunfacht. Europa hinkte lange Zeit hinterher. 1996 hatten die ausstehenden Firmenanleihen einen Gegenwert von erst rund 150 Mrd. . In den Jahren danach schwoll das Volumen enorm an, zuletzt bis auf 865 Mrd. im April.

Trotz der Ahold-Verwerfungen liefen die ersten vier Monate des Jahres nach Aussage von Marion Khüny, Managerin des Investmentfonds DWS Euro-Corp Bonds (Tabelle), "extrem gut". Die Strategin der Deutsche-Bank-Investmentgesellschaft erläutert: "Gemessen am Merrill-Lynch-Master-Index haben europäische Hochzinstitel aus dem Unternehmensbereich rund zwölf Prozent zugelegt. Beim Schwesterindex in den USA waren es auf Dollarbasis sogar plus 12,8 Prozent." Khüny sieht einen Grund für diese Entwicklung in den hohen Mittelzuflüssen, die entsprechende Investmentfonds seit Jahresbeginn verzeichnen. Allein in den USA waren das bis Ende April rund 10 Mrd. $, beinahe so viel wie im ganzen vergangenen Jahr.

Die Vorliebe für solche nicht gerade risikolosen Investments hat unterschiedliche Ursachen. Zum einen halten Privatanleger Staatsanleihen nach dem rasanten Renditerückgang und den starken Kursgewinnen für weitgehend ausgereizt. "Speziell institutionelle Investoren wie Versicherer und Pensionsfonds sind auf hohe Zinskupons aus, um ihren Leistungsverpflichtungen nachzukommen", meint ParvestStratege Auvity. Zum anderen setzen die Märkte offenbar auf eine langsame, aber letztlich spürbare Erholung der Weltwirtschaft.

"Mit ihr sollte ein Rückgang der Kreditausfall-Quote einhergehen", sagt Khüny. Diese betrug im vergangenen Jahr noch 9 %, erwartet werden in diesem Jahr 7 %. Folge: Die Risikoprämien für hoch verzinste Firmenanleihen sind seit Herbst 2002 stark gefallen. Deutlich wird dies am Renditevorsprung solcher Papiere im Vergleich zu erstklassigen Staatsanleihen mit bester Schuldnerbewertung. Dieser "Spread" lag laut Khüny am 15. Oktober vergangenen Jahres, nachdem die High Yield Corporates einen weiteren Rücksetzer gemacht hatten, bei rund zehn Prozentpunkten in den USA. Der Abstand ist inzwischen auf 6,5 Prozentpunkte geschmolzen. Dies bedeutet: Die Firmenpapiere haben relativ weit besser abgeschnitten als Staatsanleihen und auch absolut ansehnliche Renditen erwirtschaftet, die erst recht die Ergebnisse an den internationalen Aktienmärkten in den Schatten stellen.

Ein wenig paradox ist dies schon, sind doch Unternehmensanleihen in ihrer Kursentwicklung per se vergleichsweise stark an die Aktienmarktentwicklung gekoppelt. Was nicht weiter verwundert. Denn steigen Unternehmensumsätze und-gewinne, beflügelt das nicht nur den Kurs der Aktien, sondern es gibt Bond-Anlegern auch mehr Sicherheit, dass regelmäßig Zinsen gezahlt und am Ende der Anleihelaufzeit die Schulden getilgt werden. Bei näherem Hinsehen indes ist die über Wochen gegenläufige Tendenz bei Aktien und Firmenbonds erklärlich. "Die Unternehmen forcieren ihre Bilanzbereinigung und den Schuldenabbau. Davon profitiert eine Anleihe zunächst einmal weitaus mehr als die Aktie", sagt Khüny.

Es gibt noch Potenzial

Bestes Beispiel sind die Schuldverschreibungen großer Telekomfirmen speziell in Europa. Deren Anleihekurse haben in den vergangenen Monaten spürbar zugelegt. Aber: "Sowohl in Europa als auch in den USA dürfte bei High-Yield-Anleihen aus der Telekombranche vorläufig die Luft raus sein", glaubt die DWS-Strategin. Eine ähnliche Meinung hat sie bei der Konkurrenz aus dem Medien- und Chemiesektor. Bei amerikanischen Versorgern gebe es noch Potenzial, weil dieser Sektor vergangenes Jahr nach der Enron-Pleite sehr stark unter Druck gekommen war. "Einige dieser Unternehmer verschaffen sich durch Firmenverkäufe Liquidität. Banken scheinen auch wieder gewillt zu sein, Kredite zu gewähren oder zu verlängern", hat Khüny beobachtet. Insgesamt sei dieser Bereich weiterhin ein hoch spekulatives Investment, das aber noch interessante Renditen aufweise.

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Momentan haben Anleger nicht gerade besonders viele attraktive Investmentmöglichkeiten. "Selektiv zugreifen" würde Khüny bei Neuemissionen, die "zum Teil sehr interessant sind". Auch Firmentitel aus dem Sektor Investitionsgüter hält sie für recht attraktiv, weil diese Unternehmen in der Regel einen "stabilen Cash-Flow haben". Als Beispiele nennt sie Verpackungshersteller wie Crown Cork Europa und Klöckner Pentaplast. Aus Gründen der Risikostreuung rät die DWS-Strategin Privatanlegern jedoch von Direktinvestments ab und empfiehlt den Kauf eines Fonds.

Wie sensibel hoch verzinste Unternehmensanleihen auf die Konjunktur reagieren, zeigt eine Analyse des amerikanischen Investmenthauses T. Rowe Price. Deren Strategen, die den Parvest US High Yield Bond verwalten, haben nämlich herausgefunden, dass Hochzinsanleihen in den ersten zwölf Monaten nach dem Ende einer Rezession enorm zulegen. Im Schnitt waren es, bezogen auf den amerikanischen Markt, 14,2 % im jeweiligen Jahr nach den zehn Konjunkturabtauchern seit Oktober 1949. Staatsanleihen legten in besagten zwölf Monaten durchschnittlich nur um 2,5 % zu. Wie dynamisch die Hausse sein kann, zeigt die Zeit von März 1991 bis März 1992. Amerikanische Firmenbonds sprangen damals um gut 30 %, US-Staatsanleihen um 12,7 %.

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