In Zilina, der Industriestadt im Nordwesten der Slowakei, ist die Globalisierung zu besichtigen
Das Karpaten-Wunder

In Zilina, der Industriestadt im Nordwesten der Slowakei, ist die Globalisierung zu besichtigen. Eine Handelsblatt-Reportage.

ZILINA. Michael De Vaan steht mittig auf dem Feld am Fuß der Karpaten, aufrecht wie eine Säule. Er kommt aus Deutschland, ist groß und blond, trägt Jeans und Winterjacke. Die Berge sind noch weiß, doch der Frühling ist schon nahe. De Vaan wacht im Auftrag der deutschen Eventagentur Maxsense über slowakische Arbeiter, die im Auftrag des südkoreanischen Konzerns Hyundai für den japanischen Baukonzern Takenaka arbeiten. Wir befinden uns im Nordwesten der Slowakei, es ist später Nachmittag, die Stadt Zilina bereitet sich auf ein großes Ereignis vor. Man planiert.

Wäre nicht De Vaan, die Unruhe auf dem Kartoffelacker wäre ansteckend. Hinter den Baucontainern ebnet ein John-Deere-Lader letzte Buckel ein. Gleich an der Einfahrt stehen drei Scania-LKWs des holländischen Konzerns De Boer mit dem Festzelt. Gleich kommt noch die Beleuchtungstechnik aus Belgien. "Hier ist alles international", sagt Michael De Vaan und steckt sich eine Marlboro an. Globalisierung live, hinter den kleinen Karpaten.

Oben an der Straße steht das Schild, das den Wirbel erklärt: "Welcome to Slova-Kia" steht in schwarzen und dann roten Buchstaben darauf. In der Ferne die schneebedeckten Gipfel der kleinen Fatra. In wenigen Stunden steigt auf dem Feld eine Party mit 500 geladenen Ehrengästen aus Zilina und der weiten Welt, der Festredner kommt aus Seoul: Chung Mong-Koo, Präsident der Hyundai-Tochter Kia. Schon in zwei Jahren will der koreanische Autohersteller hier Autos bauen, 2008 sollen bereits 200 000 Kias vom Band laufen und 2 800 Leute Arbeit finden. Investitionsvolumen: insgesamt mehr als eine Milliarde Euro.

Zilina, den Namen sollte man sich merken. Die Stadt hat heute fast 100 000 Einwohner, sie liegt an der Kreuzung zweier paneuropäischer Verkehrsachsen. Zilina hat Universität, Theater, Sinfonieorchester, dazu diverse Oberschulen und jede Menge internationaler Unternehmen; aber kaum noch Spuren des Sozialismus. Früher war die Gegend ein Zentrum der Waffenindustrie, der Durchschnittslohn beträgt jetzt 300 Euro im Monat, brutto.

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