INA überrollt FAG Kugelfischer – Bosch heizt Buderus ein
Kommentar: Familienunternehmen greifen nach Börsenverlierern

HB DÜSSELDORF. Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Ein in der Öffentlichkeit kaum bekanntes Familienunternehmen schickt sich an, eine traditionsreiche, börsennotierte Aktiengesellschaft gegen deren Willen zu schlucken. Die INA-Holding Scheffler KG hat mit ihrem feindlichen Übernahmeangebot an die Aktionäre der FAG Kugelfischer AG ein Tabu gebrochen. Der attackierte Wälzlagerhersteller war so überrascht, dass er dem Angreifer bisher nicht viel entgegenzusetzen wusste.

Mit Appellen an die Aktionäre, abzuwarten und auf ein höheres Angebot zu hoffen, versucht der FAG-Vorstand, den Angriff des Automobilzulieferers INA abzuwehren. Gleichzeitig bemühen sich die von FAG beauftragten Banken offenbar, Finanzinvestoren zu Gegenangeboten zu bewegen. Doch INA hält nach offiziellen Angaben schon knapp ein Fünftel aller FAG-Aktien, und Experten spekulieren, dass das Familienunternehmen über verschiedene Kanäle längst weitere Aktien gekauft hat. In diesem Stadium ist für einen Finanzinvestor ein Gegenangebot nicht mehr attraktiv - zumal sich jetzt auch noch die Dresdner Bank als Hausbank von Kugelfischer auf die Seite von INA geschlagen hat.

Doch FAG Kugelfischer ist nicht das einzige M-Dax-Unternehmen, das sich einem Angriff von außen gegenübersieht. Offenbar versucht das Stiftungsunternehmen Robert Bosch GmbH derzeit, den Heizungstechnikhersteller Buderus AG zu übernehmen. Buderus hat sich gestern an die Öffentlichkeit gewandt und erklärt, Verhandlungen mit Bosch über einen Zusammenschluss ergebnislos beendet zu haben. Mit diesem ungewöhnlichen Schritt will das Wetzlarer Unternehmen wohl demonstrieren, dass weitere Bemühungen des weitaus größeren Stuttgarter Konzerns feindlich wären. Bosch will sich davon aber nicht abhalten lassen, wie aus Konzernkreisen verlautete.

Beide Fälle haben eines gemeinsam: Ein in Privatbesitz befindliches Unternehmen versucht mit allen Mitteln, ein seit langem börsennotiertes Unternehmen zu schlucken. Es steht zu erwarten, dass es weitere solche Anläufe geben wird. Und das liegt nicht daran, dass die an sich als konservativ und verschlossen geltenden Familienunternehmen plötzlich ihre Liebe für raue angelsächsische Sitten entdeckt hätten. Vielmehr sind die Aktienkurse auch vieler grundsolider Unternehmen inzwischen so weit gesunken, dass sie zu echten Schnäppchen geworden sind. Ebenfalls börsennotierte Konkurrenten müssen passen, weil es ihnen ähnlich ergeht.

Nun schlägt die Stunde des von Kursschwankungen unabhängigen privaten Kapitals. Neben nicht börsennotierten Unternehmen machen sich Kapitalbeteiligungsgesellschaften Hoffnungen, von dem Verfall der Börsenwerte zu profitieren. Diese Finanzinvestoren können heute Übernahmen im Volumen einiger Milliarden DM stemmen - ihnen bieten sich also bis in den Dax hinauf attraktive Chancen.

Wie mager in der gegenwärtigen Lage die Abwehrchancen der Firmenvorstände gegen feindliche Übernahmen sind, zeigt der Fall FAG. Offensichtlich verkaufen viele Aktionäre ihre FAG-Papiere über die Börse, obwohl der Kurs knapp unter den von INA offiziell angebotenen elf Euro liegt. Die Anleger nutzen die Gelegenheit zum Ausstieg, weil sie nicht mehr an eine Kurserholung aus eigener Kraft glauben.

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