INC will provisorische Regierung ausrufen: Iraks Opposition formiert sich

INC will provisorische Regierung ausrufen
Iraks Opposition formiert sich

Im Wettlauf um die Bildung einer Nachkriegsregierung im Irak scheint der Irakische Nationalkongress (INC) vorne zu liegen. Noch in dieser Woche soll auf einem Oppositionstreffen in Nazyria im Südirak INC-Chef Ahmed Chalabi zum Vorsitzenden eines neuen Beratergremiums bestimmt werden. Dies berichtete gestern die Zeitung "Washington Times". An dem Treffen soll auch der amerikanische Sondergesandte Zalmay Khalilzad teilnehmen.

mzi BERLIN. Das Beratergremium soll bereits Züge einer provisorischen irakischen Regierung tragen, "damit die Iraker den Irak regieren und nicht Ausländer", sagte ein INC-Sprecher. Chalabi gilt als Favorit des Pentagons und war mit Hilfe der US Army erst vor wenigen Tagen aus dem Nordirak in den Süden gereist. Allerdings hatten die USA zuletzt betont, dass die Verwaltung des Iraks zunächst in amerikanischen Händen liegen werde.

Nach Meldungen der Nachrichtenagentur Bloomberg soll sich Chalabi sogar bereits auf dem Weg nach Bagdad befinden, um dort eine provisorische Regierung auszurufen. Bloomberg berief sich dabei auf Aussagen von Nabeel Musawi, einem Sprecher Chalabis.

Die USA haben offenbar gleichzeitig rund 700 Oppositionelle in den Irak gebracht, die dort das "1. Bataillon der Freien Irakischen Streitkräfte" bilden sollen. Die Einheit untersteht US-General Tommy Franks und soll den Kern einer neuen irakischen Armee darstellen. Schon in wenigen Wochen soll die Truppe 3 000 Mann umfassen.

Das Drängen des INC auf eine Führungsrolle dürfte jedoch auf Widerstand bei anderen Oppositionsgruppen treffen. So hatte am Montag eine Liste mit den Namen von 20 Irakern, die nach einem Sturz von Saddam Hussein eine führende Rolle spielen sollen, für Irritationen gesorgt. Aus Kreisen der kurdischen Politiker hieß es, dass die Genannten vor allem irakische Technokraten seien, die nicht im Land selbst lebten. Zudem kämen auf der Liste schiitische Oppositionsgruppen genauso wenig vor wie Kurden. Die beiden irakischen Kurdenparteien KDP und PUK hatten stets betont, bei der Neuordnung des Iraks eine gewichtige Rolle spielen zu wollen. Auf einer Konferenz in London Ende vergangenen Jahres hatten die Gruppierungen ein Konzept für eine Post-Saddam-Ära verabschiedet, das sich auf die Grundzüge eines föderalen Staatsaufbaus festlegt. Zentraler Bestandteil ist darin die Beteiligung sämtlicher ethnischer Gruppen an der Macht.

Die größte ethnische Gruppe stellen die Schiiten mit einem Bevölkerungsanteil von 65 %. Ihr geistliches Oberhaupt, Ayatollah Mohammed Bakr al-Hakim hat angekündigt, nach 23 Jahren des Exils in Iran "so bald wie möglich" wieder in seine Heimat zurückzukehren.

Hakim leitet in Teheran den Hohen Rat für die Islamische Revolution im Irak (Sciri). Der Geistliche aus der den Schiiten heiligen Stadt Najaf war 1980 zu den Glaubensbrüdern nach Teheran geflohen, nachdem er mehrfach von der regierenden irakischen Baath-Partei inhaftiert und nach seinen Angaben auch gefoltert worden war.

Erst kürzlich hatte Hakim die USA vor der Einsetzung einer amerikanischen Militärregierung nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein gewarnt. "Wir haben den Eindruck, dass es den USA in diesem Krieg darum geht, die Kontrolle über den Irak zu gewinnen. Sie (die Iraker) müssen sich gegen diese Hegemoniebestrebungen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen", sagte er in einem Interview mit der ägyptischen Zeitung "Al-Ahram Weekly".

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