Index-Auswahl entscheidet über zukünftige Risikobereitschaft
Falsche Benchmark raubt Rendite

Mancher Vermögensberater oder Fondsmanager schlägt zwar seinen Vergleichsindex, bleibt dabei aber trotzdem hinter dem Markt zurück. Der Anleger sollte sich deshalb erklären lassen, warum eine bestimmte Benchmark gewählt wurde, und dann entscheiden, ob diese zu seinen Zielen passt.

FRANKFURT/M. "Small is beautiful" lautet derzeit die Parole an den Aktienbörsen. Nebenwerte, die von den Analysten mit "small and mid caps" auch sprachlich aufgemöbelt wurden - sind stark in Mode gekommen. Wer vor einem Jahr auf diese Werte in den USA gesetzt hat, konnte 21,96 % gut machen. Oder waren es 13,98 %? Die Antwort lautet: beides stimmt, denn der S & P Smallcap 600 hat klar besser abgeschnitten als der Russell 2000.

Wer hier bei der Indexwahl auf?s falsche Pferd gesetzt hat, dem entgingen wertvolle Performancepunkte. Obwohl beide Marktbarometer in die gleiche Richtung zielen, sind die Ergebnisse höchst unterschiedlich. Der auf Indizes spezialisierte Internetdienst Indexfunds.com hat die Diskrepanz zum Anlass genommen, um nach den Ursachen zu forschen. Resultat: Abweichende Konzepte bei der zeitlichen Anpassung und bei den Aufnahmekriterien ließen die Indizes auseinander laufen.

Das Beispiel illustriert recht gut, dass es für einen Anleger nicht ausreicht, ein spezielles Marktsegment im Auge zu haben. Er sollte sich auch über die sie abdeckenden Indizes informieren. In der Anlagepraxis spielt das vor allem dann eine Rolle, wenn es an die Auswahl eines Fonds geht. Denn die Fondsmanager wählen einen bestimmten Index aus, an dem sie sich messen lassen. Somit gibt diese "Benchmark" schon einen großen Teil der Chancen und Risiken vor. Der Vorteil: die Zusammensetzung und die Schwergewichte des Index können unter Umständen mehr Aufschluss darüber geben, welche Schwerpunkte der Fonds hat, als das Label. Das gilt vor allem, wenn sein Name mit vagen Bezeichnungen wie "Opportunities" oder "Leaders" schwammig ist.

Aber auch für die stark aufkommenden börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds - ETF) ist die Index-Auswahl entscheidend. Denn die Index-Tracker sind zwar ein passives Investment, sie setzen aber eine "aktive" Auswahl voraus, das heißt, der Anleger muss sich entscheiden, ob er beispielsweise dem Deutschen Aktienindex (Dax) oder das Nasdaq größere Chancen zutraut.

Außerdem sind auch Marktbarometer dem Wandel unterworfen. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum sind von 1988 bis heute 44 % der ursprünglich im Dax gestarteten Unternehmen ausgeschieden beziehungsweise verkauft oder integriert worden. So war der Dax 1992 - damals noch mit Metallgesellschaft, Hoechst und Deutsche Babcock - in der heutigen Terminologie eher ein Value-Index. Mit Aufnahme der Deutschen Telekom, SAP und Epcos sowie Infineon wurde seine Technologiekomponente und damit die Schwankungsanfälligkeit viel höher.

Schwammige Renten-Indizes

Sehr wenig Gedanken machen sich die Anleger bei der Wahl des Vergleichsmaßstabs für Rententitel. Der oft verwendete RexP beispielsweise ist bei Profis nicht erste Wahl. Ralf Welge, Index-Experte bei der Commerzbank, rechnet den RexP zum "alten Eisen", weil er sich nicht auf reale Anleihen beziehe, sondern als synthetischer Index konzipiert sei. "Sinnvoller sind Indizes, die handelbare Papiere widerspiegeln", meint Welge. Bei zu breit gefassten Indizes bestehe ferner die Gefahr, dass zu viele illiquide Papiere berücksichtigt werden. Da müsse man sich fragen, ob die Marktentwicklung bei Renten überhaupt noch wiedergegeben wird.

Von zentraler Bedeutung bei der Auswahl einer geeigneten Benchmark ist die Risikoeinschätzung. Intern verwenden die Benchmark-Experten oft das Riskomaß "Value at Risk", erklärt Heike Möhlmann von der Anlagegesellschaft Invesco. Es gibt zum Beispiel an, dass man mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent keinen höheren Verlust als zehn Prozent erleiden wird. Der Kleinanleger kann diese Zahl zwar nicht berechnen, aber sie sich nennen lassen.

Fazit: Fondsmanager, Anlageberater und Vermögensverwalter sollten die Wahl der Benchmark erklären können, denn meistens sind zwei oder drei weitere Alternativen verfügbar. Und sie sollten die Zusammensetzung zeigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%