Index gab neues Verkaufssignal
Dax-Ausblick: Sorgen um knappen Wahlausgang

Der Deutschen Aktienindex (Dax) könnte Marktteilnehmern zufolge in der kommenden Woche auf neue Tiefstände fallen, wenn die bevorstehende Bundestagswahl keine klaren Mehrheitsverhältnisse hervorbringt. Die Anleger fürchteten zudem weitere Indizien für eine konjunkturelle Abschwächung.

Reuters/vwd FRANKFURT. "Eine spekulative Position in diesem Umfeld hat mit überlegtem Handeln wenig zu tun, sondern gleicht eher dem Einsatz am Roulettetisch", erläuterten die technischen Analysten der Deutschen Bank mit Blick auf den unsicheren Wahlausgang am Sonntag. Den jüngsten Umfragen zufolge wird es zwischen den möglichen Koalitionen aus den Sozialdemokraten und den Grünen einerseits und der Union mit der FDP andererseits ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben, dessen Ausgang nicht zuletzt davon abhängt, ob die PDS erneut in den Bundestag einzieht. Börsianern zufolge würde ein unklarer Ausgang der Wahl die Unsicherheit der Anleger noch verstärken und zu weiteren Kursverlusten am Aktienmarkt führen.

In der nun zu Ende gehenden Woche hat der Dax seine Talfahrt der Vorwochen fortgesetzt und zeitweise zwölf Prozent verloren. Dabei rutschte der Dax am Freitag bis auf 2 956 Zähler, den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren. Am Neuen Markt büßte der Auswahlindex Nemax 50 in der Spitze acht Prozent auf 388 Punkte ein und markierte mehrere Tage hintereinander Rekordtiefs.

Schmerzlich sind nicht nur die hohen Kursverluste. Sorgen bereitet auch, dass die Hoffnung auf eine Bodenbildung zumindest teilweise enttäuscht worden ist. Dies gilt vor allem für den Dax, der zur Wochenmitte hin wichtige Unterstützungsmarken durchbrach und nun auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren notiert. Achim Matzke von Commerzbank Securities sieht den DAX derzeit charttechnisch im Niemandsland.

Die nächste massive Unterstützungszone unterhalb von 3 000 Punkten liege bei 2 650 Punkten. Seiner Ansicht nach hat der Index den vorherigen, zwanzigjährigen Aufwärtstrend (gültig von 1982 bis 2002; Anstieg von 476 auf 8 135 Stellen) beendet. Der Kursrutsch auf bzw in die seit dem Jahr 1997 bestehende Support-Zone um 3 500 Zähler sei deshalb keine Überraschung gewesen. Mit einem neuen Verkaufssignal ist der Dax nun im charttechnischen Niemandsland, da auf Grund des ungebrochenen Kursanstiegs im zweiten Halbjahr 1996 und im Jahr 1997 neben der psychologischen Marke von 3 000 Punkten erst im Bereich um 2 650 eine neue massive Support-Zone auftaucht.

Bundestagswahl könnte Unsicherheit verstärken

Sollte die Wahl keinen eindeutigen Sieger hervorbringen, könnte dies nach Einschätzung von Marktteilnehmern die Wirtschaft und damit auch die Aktienmärkte vorübergehend verunsichern. "Unsicherheit ist immer Gift für die Wirtschaft", sagte ein Volkswirt. Ähnlich sieht es Analyst Victor Nossek von der Commerzbank in London. "Das wäre das Worst-Case-Szenario. Wenn es keinen klaren Sieger gibt, wird es so aussehen, dass die Chance auf durchgreifende Reformen wegen politischer Konflikte der beiden großen Parteien gering ist."

Bei klaren Mehrheitsverhältnissen sei der Einfluss der Wahl auf die Börse hingegen begrenzt. "Nur kurzfristig könnte es zu Portfolioverschiebungen kommen", sagte Analyst Klaus Kränzle von der Bremer Sparkasse. Dann werde das Schicksal des Dax schnell wieder von der internationalen Börsentendenz bestimmt.

Kurzfristig positive Kursimpulse könnte eine Bestätigung der rot-grünen Koalition auf die Aktien der Wind- und Solarfirmen am Neuen Markt haben, sagte LB BW-Analyst Patrick Hummel. "Insgesamt wird die Branche aber nicht nur von politischen Entscheidungen bestimmt. Wichtig ist vielmehr die internationale und allgemein die konjunkturelle Marktentwicklung."

Ifo-Index im Blickpunkt

Am Mittwoch werden die Anleger gespannt auf den Ifo-Geschäftsklimaindex für September schauen. Börsianern zufolge würden viele Anleger einen Rückfall der Konjunktur in die Rezession für immer wahrscheinlicher erachten, falls der Ifo-Index auch den vierten Monat in Folge fallen sollte. Das würde besonders die schwankungsanfälligen Aktien der deutschen Technologiewerte treffen, sagten Aktienhändler. Aber auch Banken und Versicherer könnten unter Druck stehen.

In den USA sollen zudem neue Daten zur konjunkturellen Entwicklung veröffentlicht werden. Zu den wichtigsten dürften die Frühindikatoren sowie die Indizes des Verbrauchervertrauens gehören. Zudem wird die US-Notenbank Fed am Dienstag über eine Veränderung des Leitzinsniveaus beraten. Geschäftszahlen werden vom Minicomputer-Hersteller Palm sowie den Investmentbanken Lehman Brothers und Goldman Sachs erwartet.

Gerry Weber legt Geschäftszahlen vor

Der im MDax gelistete Bekleidungskonzern Gerry Weber wird voraussichtlich am kommenden Freitag Neunmonats-Zahlen vorlegen. "Gerry Weber wird es vermutlich gelingen, gegen den schwachen Trend in der Textilbranche Umsatz und Gewinn zu steigern", sagte HSBC-Analyst Nils Lesser. Allerdings werde der Konzern wohl rückläufige Aufträge hinnehmen müssen, sich aber besser als der Sektor insgesamt entwickeln.

Am Montag treten zudem die Index-Änderungen der Deutschen Börse in Kraft. Dabei steigt der Pharmakonzern Altana in den Dax auf und ersetzt Degussa. In den europäischen Dow Jones Stoxx50-Index rückt BASF auf. Börsianer sagten, größere Portfolioverschiebungen seien nicht mehr zu erwarten. Die Index-Veränderungen seien bereits eingepreist.

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