Index-Investment verliert in der Baisse an Überzeugungskraft – Stock Picking groß in Mode
Strikte Auslese begrenzt zumindest Verluste

Beim "Stock Picking ist der Blick konsequent auf einzelne Titel statt auf ganze Branchen oder die Breite des Marktes gerichtet. Ted Weisberg, Präsident des New Yorker Börsenmaklers Seaport Securities, stellt nüchtern fest: "Man muss jetzt nach einzelnen Gelegenheiten suchen; die Chancen für den Markt insgesamt sind nicht so gut." Auch bei Aktienstrategen in London ist Stock Picking groß in Mode.

DÜSSELDORF. Doch diese Auswahl ist schwierig: Immer wieder haben Statistiken gezeigt, dass auf längere Sicht nur wenige aktiv gemanagte Fonds den Index schlagen. Und wie sieht es auf kurze Sicht aus? Wenn jetzt die Stunde der Stock-Picker wäre, müssten ja nun mehr aktive Fondsmanager den Index schlagen können.

Hier eine kleine Fallstudie. Ein Blick in die Tabellen des Fondsverbands BVI (www.bvi.de) ergibt folgendes Bild: Sieben Indexfonds, die sich auf den Deutschen Aktienindex (Dax) konzentrierten, verloren seit Jahresanfang zwischen 23,1 und 26,4 %. Vergleicht man alle "normalen" 82 Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland, dann liegen 36 innerhalb dieser Spanne, 30 hingegen besser und 16 schlechter. Die Statistik zeigt also, dass man mit aktiven Management mehr erreichen kann - in diesem Fall Verluste dämpfen.

Zweite Frage: Wie wird die Verbesserung erreicht? Und hier zeigt sich, dass mit besonders guten Ergebnissen häufig Fonds herausstechen, die gar nicht mit den anderen vergleichbar sind. Beim Deka Deutsche Aktien DS etwa, der im laufenden Jahr beinahe die Nulllinie hielt, fällt sofort auf, dass er zeitweise zu weniger als 60 % in Aktien investiert war - der Rest des Vermögens steckt jeweils ungefähr zur Hälfte in Rentenpapieren und Bargeld. Vor allem aber handelt es sich um ein Garantieprodukt: Der Fonds sichert sich gegen Kursrückgänge auf dem Terminmarkt ab, was natürlich Geld kostet. Viel Bargeld findet sich auch beim Daxtrend-Fonds von Warburg Invest. Dieser Fonds verfolgt eine Spezialstrategie: Bei fallenden Kursen steigt er aus, bei steigenden wieder ein. Dabei wird ein "Trendfolgemodell" benutzt. Basis sind also statistische Daten der Vergangenheit, kein Stock Picking.

Der DWS Select-Invest setzt dagegen auf "konsequentes Stock Picking", wie Susan Levermann vom Fondsmanagement erklärt. Zum Beispiel ist BMW mit 7 Prozent gegenüber dem Dax deutlich übergewichtet, die Deutsche Telekom dagegen gar nicht vertreten. Der Fonds investiert allerdings auch in Werte aus dem M-Dax und dem Neuen Markt - die Zugehörigkeit zum Index spielt eine untergeordnete Rolle. Und Levermann betont: "Wir managen auch die Bargeldquote aktiv".

Das Beispiel des DWS-Fonds zeigt: Es ist schwer auseinander zu halten, inwieweit die Abweichung vom Index auf der besseren Gewichtung innerhalb des Indexes, der Einbeziehung von kleineren Titeln und der Veränderung der Bargeldquote beruht. Auch andere Fonds wie Hansasecur, Dit Spezial 2 und HSBC Trinkaus Spezial Inka, die sich positiv abheben, setzen teilweise oder sogar ganz auf Nebenwerte - ein Segment, das in diesem Jahr besser lief als der Dax.

Fazit: Der aktive Ansatz scheint seit Jahresanfang hier und da Verluste gedämpft zu haben. Interessant ist das natürlich nur, wenn das aktive Management auch auf lange Sicht funktioniert. Der DWS Interselect hat dies zum Beispiel gezeigt: Über fünf Jahre zeigt er noch eine positive Bilanz, über zehn Jahre ein Plus von mehr als 200 %. Sehr viele aktive Fonds liefern aber, wenn sie überhaupt vergleichbar sind, nach wie vor nicht mehr ab als passive Indexfonds.

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