Index soll 2002 weniger deutlich steigen als die anderen Börsenindizes
Experten erwarten MDax hinter Dax und Nemax

Der Börsenindex MDax für die mittelstark kapitalisierten deutschen Firmen wird 2002 nach Einschätzung von Marktteilnehmern zwar moderat zulegen, mit der Entwicklung des Deutschen Aktienindex (Dax) und des Neuen Marktes aber nicht mithalten können.

Reuters FRANKFURT. Nachdem der MDax 2001 nur rund 10 % verloren hat und damit deutlich besser als die anderen deutschen Börsensegmente tendierte, rechnen Experten für 2002 mit einem Plus von rund 10 %. Dagegen erwarten verschiedene Analysten einen Dax-Anstieg um rund 20 % auf etwa 6 000 Zähler. Am Neuen Markt werde bis Ende 2002 ein Zuwachs von rund 25 % prognostiziert. Bei den Prognosen wird allerdings vorausgesetzt, dass sich die Weltwirtschaft zur Jahresmitte 2002 erholt.

"2002 wird das Jahr der Technologie. Die muss man haben", sagte Guiseppe Amato, Aktienstratege beim Handelshaus Lang & Schwarz. "Die Nebenwerte dürften im Vergleich zu den Standardwerten und den Wachstumswerten eher vernachlässigt werden", fügte Peter Ott hinzu, der bei UBS Invest 15 Fonds mit einem Volumen von 1,4 Mrd. Euro betreut. Dennoch bleibe das Segment MDax für konservative Anleger hochinteressant.

Im auslaufenden Jahr hat der MDax rund 10 % seines Wertes auf aktuell 4 177 Punkte eingebüßt. Im gleichen Zeitraum verloren die deutschen Blue Chips im Dax fast 21 %. Am Neuen Markt gab der Auswahlindex Nemax50 rund 58 % nach. Es habe sich gezeigt, dass der MDax besonders in Zeiten des Kursverfalls eine sichere Bank sei. "Das Segment ist halt sehr defensiv", sagte Aktienexperte Amato.

Noch immer unter dem ehemaligen Kursniveau

Allerdings hat sich der MDax seit dem 21. September, dem Tag der Tiefstände an allen wichtigen Börsensegmenten, nur unterdurchschnittlich von dem Schock der Anschläge in New York und Washington erholen können. Im Gegensatz zum Dax und Nemax50 tendieren die deutschen Nebenwerte noch immer unterhalb ihres Kursniveaus vor dem 11. September. "In der Hausse läuft immer Technologie am besten", sagte UBS-Aktienhändler Ingo Nix. "Die Leute fragen sich dann: Wie kann ich am meisten Geld verdienen? Und die Antwort lautet: Techs und nicht Nebenwerte!"

"Die Technologie- und Telekommunikations-Titel, die den Dax dominieren, sind der realen Wirtschaftsentwicklung jedoch enorm vorausgelaufen", warnte Helmut Seidenstücker, Leiter Anlagestrategie bei M.M. Warburg. Bei einer Korrektur der Aktienmärkte könnte der MDax im Verhältnis zu den anderen Segmenten wieder profitieren. Außerdem sei nicht mit einer schnellen Wirtschaftserholung im nächsten Jahr zu rechnen. Seidenstücker erwartet 2002 einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt von 0,8 %. Das sei weniger als die Märkte zuletzt bereits antizipiert hätten.

Aber auch bei stark steigenden Kursen an den Wachstumsmärkten sei in einzelnen MDax-Werten ein sehr gutes Ergebnis erzielbar. "In einigen Werten kann man gut agieren. Über die gesamte Breite des Segmentes funktioniert dies aber nicht", sagte Fondsmanager Ott. Interessant seien 2002 besonders mögliche Fusionen und Übernahmen. "Einige Titel sind auf Grund ihrer starken Unterbewertung prädestiniert für eine Übernahme." Das könne zu einer starken Kursfantasie führen. Nach den Worten des Analysten Seidenstücker ist der MDax momentan deutlich günstiger als der Dax und viel günstiger als der Neue Markt bewertet. In der Regel habe die Bewertung des MDax stets zehn bis 15 % unter dem Dax gelegen, sagte Ott. Derzeit sei die Bewertung jedoch 15 bis 20 % günstiger.

"Große Titel" besonders attraktiv

Ab Anfang 2002 wird der Verkauf von Unternehmensanteilen steuerfrei. "Das könnte die Bereitschaft zur Veräußerung von Anteilen deutlich steigern", sagte Aktienhändler Nix. Unternehmensberatern zufolge zahlen Käufer dabei in der Regel einen Aufschlag von 30 % auf den Marktpreis, da sie damit rechnen über die Jahre die Gewinne entsprechend zu steigern.

Für Fonds seien besonders die großen Titel im Segment wegen ihrer verhältnismäßig hohen Börsenumsätze attraktiv, sagte Ott. Dazu zählten unter anderem Merck, Altana, Beiersdorf und Fresenius. "Hier ist die Liquidität ausreichend." Bei kleineren Papieren sei es dagegen schwierig. Solche Titel werden Marktteilnehmern zufolge auch im kommenden Jahr ein Schattendasein führen - mit niedrigem Umsatz und nur geringer Analystenbeachtung. "Der MDax hat zwar sehr dividendenstarke Papiere und viel Substanz, er wird aber auch 2002 nur der kleine Bruder des Dax bleiben", sagte ein Börsianer.

Auf Grund ihrer günstigen Bewertung empfehlen die Analysten von M.M. Warburg die Titel von Karstadt, Heidelberger Druckmaschinen, Krones, Stinnes und Koenig & Bauer zum Kauf. Ott wird unter anderem auf Fraport, Krones und GfK setzen. Prinzipiell werde 2002 aber das Jahr der zyklischen Werte, so der Fondsmanager.

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