Indexinvestments werden immer populärer
Anleger lassen Fondsmanager links liegen

Weltweit sind die Aktienkurse in die Tiefe gerauscht. Investoren sind enttäuscht - auch von der Leistung ihrer Fondsmanager. Denn nur wenige Vermögensverwalter schlagen auf lange Sicht ihre Messlatte.

FRANKFURT/M. "Wir machen drei Kreuze, wenn der Fondsmanager seine Index-Messlatte erreicht hat", sagt Sönke Papenhausen. Nicht nur der Vorstand der Gothaer Asset Management ist unzufrieden mit den Leistungen seiner Vermögensverwalter. Eine zunehmende Zahl institutioneller Anleger zieht nach ähnlichen Erfahrungen die Konsequenzen. Sie lassen zumindest Teile ihrer Gelder so investieren, wie ein gewählter Index es vorgibt ("passives Management"). Die Mehrzahl der Fondsmanager dagegen versucht nach wie vor ihre Messlatte zu schlagen ("aktives Management").

Der Anteil der Indexportfolios in Deutschland wird nach Meinung von Experten steigen - von niedrigem Niveau aus. "In USA werden etwa 40 Prozent der institutionellen Gelder passiv verwaltet", sagt Christian Schlenger, Geschäftsführer der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors. In Deutschland hält er eine "Quote von 20 Prozent in wenigen Jahren für realistisch".

Hartmut Leser präsentiert als Ergebnis einer umfassenden Umfrage genaue Zahlen. "Knapp sechs Prozent aller institutionellen deutschen Anleger haben zumindest ein passiv betreutes Depot. Bis Ende des nächsten Jahres soll das den Planungen zufolge auf zwölf Prozent steigen", sagt der Geschäftsführer der Consultingfirma Feri Institutional Management. Er schränkt aber ein: "Wegen der schlechten Börsenlage kann ich eine Verzögerung dieser Pläne nicht ausschließen."

Manager werden vorsichtiger

Resigniert hat wie Papenhausen auch Jürgen Bader, Vorstand bei der Bayer-Pensionskasse und verantwortlich für 6,5 Mrd. . "Erschütternd viele aktiv verwaltete Fonds schneiden deutlich schlechter ab als die Messlatte", sagt der Leverkusener. Ein Problem: "Die aktiven Manager wollen sich in der Fondsstruktur nicht weit vom gewählten Vergleichsindex entfernen, aus Angst, bei schlechten Anlageergebnissen vor die Tür gesetzt zu werden." Schwierige Börsenphasen wie die jetzige steigerten das Problem. "Die Manager werden noch vorsichtiger, lehnen sich noch stärker an den Index an - und das entspricht schon gar nicht den Anforderungen an aktives Management", sagt Bader. Er hat die Konsequenzen gezogen: "80 Prozent unserer in Eurolandaktien investierten Gelder lassen wir passiv verwalten."

Auch Holger Benke ist unzufrieden. "Nach schlechten Erfahrungen mit aktiven Verwaltern lasse ich den Großteil der Gelder auf Indexbasis betreuen", sagt der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der über knapp 0,8 Mrd. disponiert. Nur in Nischensektoren wie Nebenwerten oder Hochzinsanleihen habe er "mit einigen aktiven Managern gute Erfahrungen gemacht". Den Trend zu Indexinvestments sieht Benke trotz andauernder Baisse nicht gefährdet. Aktive Verwalter könnten zwar - zumindest theoretisch - in schwierigen Börsenzeiten mit höheren Bargeldquoten die Risiken abfedern. Aber: "Für längerfristig denkende Anleger ist der passive Ansatz jetzt richtig, denn dann können sie auch sicher sein, den nächsten Kursaufschwung voll mitzumachen."

Zu einem eher ausgewogenen Urteil kommt Rolf Kupitz. "Beide Managergruppen bringen im Schnitt und über längere Zeiträume ähnliche Ergebnisse", sagt der Bereichsleiter Vermögensmanagement bei der Versicherung Provinzial Rheinland. Der Düsseldorfer lässt 3,4 Mrd. extern verwalten. Er wechselte allerdings zwei seiner Spezialfondsmanager nach unterdurchschnittlichen Leistungen aus - gegen andere aktive Manager. Besonders in etablierten Aktiensegmenten wie beispielsweise bei europäischen Standardwerten hat der Versuch, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, nur geringe Erfolgsaussichten. Fachleuten zufolge bestehen in diesen stark analysierten Märkten kaum Chancen, gewinnbringende Informationsvorsprünge zu erarbeiten - ganz im Gegensatz zu weniger stark beobachteten Segmenten wie kleinen Börsen oder Nebenwerten. Dazu kommen beim aktiven Management die Kosten unter anderem für Research und Wertpapierhandel, die auf die Anlegerrendite drücken. Beim passiven Management entfallen diese Aufwendungen.

Als Ausweg sehen viele Institutionelle den so genannten "Basis/Satelliten-Ansatz". Dabei strukturieren sie ihre wichtigsten Investments für europäische Standardwerte beispielsweise nach Vorgabe des Euro Stoxx 50. Und um dieses passive Basisdepot herum kreist wie ein Satellit ein aktiv verwaltetes Portfolio für Nebenwerte. "Das ist der richtige Weg", sagt Benke.

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