Indexneugewichtung lässt vieles von den alten Strukturen erkennen
Die Marke Neuer Markt verschwindet

Schneller als erwartet präsentierte die Deutsche Börse gestern ihre Vorschläge über die neue Aktiensegmentierung. Prime Standard und Domestic Standard sollen ab 2003 die einzigen Börsenzulassungssegmente sein. Investoren begrüßen die Neuordnung, aber es gibt auch Kritik.

HB FRANKFURT/M. Spekuliert wurde in der Finanzwelt schon lange über eine Neugewichtung der Aktiensegmente an der Deutschen Börse. Seit gestern ist es Gewissheit. Ab dem kommenden Jahr entstehen für Aktien zwei neue Zulassungssysteme: Der Domestic Standard und der Prime Standard. Ersterer mit geringen Standards für Unternehmen mit nationaler Ausrichtung, der zweite für die Positionierung bei internationalen Investoren.

Als Konsequenz daraus sollen nach eine Übergangsfrist vermutlich Ende 2003 die Segmente Neuer Markt und Smax entfallen. Erhalten bleiben jedoch die Auswahlindizes Dax, MDax, SDax und Nemax 50. Ob deren Namen erhalten werden oder entfallen, ist allerdings noch offen. Ebenfalls steht zur Diskussion, den MDax von bisher 70 auf 50 Unternehmen zu reduzieren.

Diese Vorschläge der Deutschen Börse freilich bedürfen noch eines Grundsatzbeschlusses im Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse. Damit wird auf dessen Sitzung am 16. Oktober gerechnet. Läuft alles nach Plan, könnte die neue Börsenordnung Anfang 2003 in Kraft treten. Die Unternehmen können dann durch einen einfachen Antrag ihre Zugehörigkeit zum Prime oder Domestic Standard selbst bestimmen. Genau dieser Punkt sorgte bereits gestern für Diskussionen. "Wenn ein Unternehmen durch Zahlung einer bestimmten Summe selbst bestimmt, ob es zum Premiumsegment gehört, dann hat das wenig Aussagekraft hinsichtlich der Qualität des Unternehmen", so August-Wilhelm Scheer, Gründer und Vorstandschef von IDS Scheer.

Die Deutsche Börse begründete die Umstellung damit, künftig gezielter auf die Bedürfnisse der Marktteilnehmer eingehen zu können. Durch das 4. Finanzmarktförderungsgesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist, hat die Börse nun die Möglichkeit, ihre Anforderungen verbindlich in die Börsenordnung zu schreiben. Dadurch, dass die Standards nun im öffentlichen Recht verankert sind, werde ihre Durchsetzbarkeit verbessert, hieß es gestern von der Deutschen Börse.

Im Prime Standard gelten damit weitgehend die Anforderungen, die bereits am Neuen Markt Vorschrift waren. Ein Kuriosum stellt dabei die Tatsache dar, dass sich Dax-Unternehmen nun den Regeln des Neuen Markte anpassen müssen. Unter den Top 30 ist beispielsweise die Rechnungslegung nach internationalen Vorschriften laut Börsenordnung noch nicht Pflicht, wird aber von allen Unternehmen praktiziert.

Einzige Ausnahme von den bisherigen Regeln des Neuen Marktes ist, dass die Unternehmen nicht mehr zwei Betreuerbanken (Designated Sponsors) zur Aufrechterhaltung des Handels brauchen. "Unternehmen mit hohen Handelsumsätzen brauchen keine Betreuerbanken für einen fortlaufenden Handel", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. Für Gesellschaften mit geringeren Handelsumsätzen gibt es Liquiditätsklassen, nach denen sie sich Betreuerbanken suchen müssen. In der Vergangenheit hatten Unternehmen stets über die Pflicht zu zwei Designated Sponsors geklagt, die jährlich pro Bank etwa 50 000 Euro kosten. Noch günstiger fährt, wer sich künftig im Domestic Standard listen lässt. Wegen der wesentlich geringeren Anforderungen spart ein Unternehmen dort zwischen 500 000 und 1 Mill. Euro.

Positiv wurden die Vorschläge von den institutionellen Investoren auf genommen. "Das ist gut so", sagte Jochen Mathée von der Fondsgesellschaft Invesco. Allerdings versteht er die Aufregung um das neue Modell nicht. Die guten Werte des Neuen Marktes werden weiter im Techniksegment des Prime Standard notiert, die aus dem MDax und Smax im klassischen Segment.

Quelle: Handelsblatt

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