Indexrückgang "besorgniserregend"
Klima in der Wirtschaft hat sich weiter verschlechtert

Die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland hat sich im März weiter eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Westdeutschland ging auf 93,9 (Februar: 94,9) Punkte zurück, wie das Münchner Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag mitteilte. Das Klima im Osten fiel auf 104,6 (106,5) Punkte.

rtr/afp MÜNCHEN. Analysten hatten für Westdeutschland im Durchschnitt einen Rückgang auf 94,4 Punkte prognostiziert. Damit lag der Ifo-Index wie bereits im Vormonat auf dem tiefsten Stand seit Juli 1999. Der Euro gab nach der Veröffentlichung der Zahlen zunächst leicht nach.

In beiden Teilen des Untersuchungsgebietes beurteilten die befragten Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe, dem Groß- und Einzelhandel ihre aktuelle Situation negativer und zeigten sich auch für die Erwartungen pessimistischer. In den alten Bundesländern fiel der Index für die Erwartungen auf 97,1 (98,5) und erreichte damit den niedrigsten Stand der zurückliegenden zwölf Monate. In den neuen Bundesländern ging der entsprechende Wert auf 85,5 (86,8) zurück.

Der Saldo der negativen und positiven Urteile war für das Geschäftsklima in Westdeutschland im März auf-7,2 (-5,1) weiter rückläufig und erreichte ebenfalls den niedrigsten Stand seit März 2000. In der Beurteilung des laufenden Geschäfts überwogen mit-3,7 (-2,2) die negativen Stimmen. Der Saldo der Erwartungen lag bei-10,7 (-8,0). Im Osten verschlechterte sich das Geschäftsklima per Saldo auf-13,3 (-10,0), die Geschäftslage auf-13 (-9,2) und die Geschäftserwartungen auf-13,5 (-10,9).

Ifo-Volkswirt spricht von "besorgniserregendem Indexrückgang"

Nach Einschätzung von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb signalisieren die Zahlen zum Ifo-Index für März weitere Rückgänge in den kommenden Monaten. "Die Erwartungskomponente ist ein Signal, dass der Index in den nächsten Monaten weiter zurück gehen wird", sagte Nerb und nannte den Indexrückgang "besorgniserregend". Zwar habe sich der Rückgang beim Geschäftsklima-Index verlangsamt. Doch der Erwartungsindex, der normalerweise eine Verbesserung des Klimas in den kommenden Monaten signalisierte, habe sich nicht gedreht. "Die Situation hat sich nicht sehr geändert, wir denken immer noch, dass es fundamentale Gründe für die EZB gibt, die Zinsen zu senken", fügte er hinzu. Weiter sagte Nerb, die Geschäftserwartungen müssten steigen, damit die deutsche Wirtschaft - wie von den führenden deutschen Wirtschaftsinstituten prognostiziert - in diesem Jahr um 2,1 % wachsen könne.

Analysten rechnen nicht unbedingt mit Zinssenkung der EZB

Die schwächeren Ifo-Zahlen zeigen nach Einschätzung von Ulrike Kastens, Volkswirtin von HSBC Trinkaus & Burckhardt, dass die deutsche Wirtschaft auf die die verschlechterte Lage der Weltkonjunktur reagiert. Sie rechnet ebenfalls mit einem weiteren Rückgang des Index in den kommenden Monaten. Die Zahlen würden zwar den Druck auf die EZB verstärken, die Zinsen in der Euro-Zone zu senken. Am Donnerstag werde die Zentralbank jedoch noch nicht reagieren. "Wir rechnen mit einer Zinssenkung im Mai, eher Ende des Monats", sagte die Volkswirtin. "Wenn die Zahlen zur Geldmengenentwicklung positiv ausfallen, kann sich die EZB später auf dieses Argument zurück ziehen.

Für schwer ausrechenbar hält Jörg Lüschow von der WestLB derzeit die Handlungen der EZB. Dies liege unter anderem daran, dass sich die Zentralbank unabhängiger von äußerem Druck zeige, als die US-Notenbank Fed. Diese hatte in der vergangenen Woche ihren Schlüsselzins noch einmal deutlich um 50 Basispunkte auf 4,50 Prozent zurückgenommen. In der Euro-Zone beträgt der Schlüsselzins dagegen weiter 4,75 Prozent. Lüschow erwartet für die Euro-Zone jedoch bis zum Sommer eine Zinssenkung in zwei Schritten um jeweils 25 Basispunkte.

Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist ein vielbeachteter Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Jeden Monat befragt das ifo Institut über 7 000 Unternehmen zu ihrer Einschätzung der konjunkturellen Lage und ihrer kurzfristigen Planung. Aus diesen Meldungen wird die "Stimmungsvariable" Ifo-Geschäftsklima abgeleitet.

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