Indexzertifikate deutlich preiswerter als aktiv gemanagte Fonds
Im Irrgarten der Angebote

Rund 1 000 verschiedene Zertifikate sind an der Börse gelistet. Vor einer Investition sollten Anleger sich genau anschauen, wie das Produkt arbeitet.

DÜSSELDORF. Wenn das mal keine schlüssige Begründung für ein Anlageprodukt ist: "Die ganze Welt liebt den kleinen Zauberer. Wir auch. Darum bringen wir das Zauberwelt-Zertifikat", frohlockte die BNP-Paribas im November 2001 in einer Anzeige. Käufer des Papiers wünschen sich wohl mittlerweile einen Rückgängigmachungszauber. Denn die fünf Aktien, die angeblich vom Boom rund um den Harry-Potter-Film profitieren sollten, erwiesen sich als Giftmischung: Gut zwei Monate nach seiner Auflegung hat das Zertifikat schon 28 Prozent an Wert verloren. Eine Veränderung des Papiers ist freilich nicht vorgesehen. Dafür behält die Bank dann auch noch die Dividenden und nimmt eine Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) von einem Prozent.

Das Beispiel zeigt: In der großen bunten Welt der Zertifikate tummeln sich Produkte, von denen der Anleger besser die Finger lassen sollte. Bei der Größe des Marktes wundert das nicht: Rund 1 000 Produkte sind gelistet. Immerhin wurden selbst im Krisenjahr 2001 Papiere im Wert von rund 7,7 Milliarden Euro an deutschen Börsen gehandelt (Vorjahr: 5 Milliarden Euro). Um dabei die guten Produkte herauszufischen, müssen Anleger einen genauen Blick auf die Zusammensetzung und Kostenstruktur werfen.

Die größte Transparenz bietet sich Anlegern auf dem Markt der Indexzertifikate. Das liegt an ihrer einfachen Konstruktion: Die Käufer solcher Produkte werden von der herausgebenden Bank so gestellt, als hätten sie ihr Geld gemäß der Indexgewichtung gleichmäßig auf alle zugehörigen Werte verteilt. Das ist positiv unter Diversifikationsgesichtspunkten und obendrein noch praktisch: Eine eigene Nachbildung des Kursbarometers ist viel zu aufwendig und verursacht zu große Transaktionskosten. Der Wettbewerbsdruck unter den Emittenten hat zudem dazu geführt, dass Indexpapiere sehr preiswert zu haben sind. Eine jährliche Verwaltungsgebühr ist so gut wie nie zu finden, und die Spreads bei den führenden Anbietern sind gering. Manche verzichten sogar auf die Differenz bei ihren Handelskursen. Bei Kursbarometern, die wie der Dax als Performance-Index konzipiert sind, erhält der Anleger zudem die ausgeschütteten Dividenden automatisch dazu. Bei den meisten ausländischen Kursbarometern gehen dagegen die Ausschüttungen den Zertifikatekäufern verloren: Dow Jones & Co. sind Preis-Indizes, die nur die reine Kursentwicklung der Indexwerte nachbilden. Beim Euro Stoxx 50 gibt es für die Performance-Variante aber ein Zertifikat der Hypo-Vereinsbank. Dafür verlangt das Haus allerdings einen Spread in Höhe von einem Prozent. Dabei sollten Anleger aber bedenken, dass Dividenden jedes Jahr anfallen, der Spread nur bei Kauf und Verkauf zu zahlen ist.

Bei S&P 500- und Nasdaq-Index bietet die Dresdner Bank Papiere an, die gegen Kursschwankungen des Dollars gesichert sind. So wird verhindert, dass eine eventuelle Aufwertung des Euros Kursgewinne des Papiers schmälert. Auch dieser Service kostet den Anleger einen etwas höheren Spread.

Generell gilt aber, dass Indexzertifikate deutlich preiswerter sind als aktiv gemanagte Investmentfonds, dafür bieten sie naturgemäß auch nicht die Chance, besser als der Index abzuschneiden. Da dies aber die Mehrzahl der Fonds regelmäßig auch nicht schafft, gehen Freunde dieser Anlageform immer stärker in die Offensive. "Bis die breite Masse erkannt hat, dass nicht Fonds, sondern Zertifikate das Instrument zur langfristigen Vermögensbildung und Altersvorsorge sind, dürfte trotzdem noch einige Zeit ins Land gehen", schreiben die Branchenbeobachter Christian Röhl und Werner Heussinger in der neuesten Ausgabe des Zertifikatejournals. Ruben Markus Wollmann vom Produktmanagement der Deutschen Bank ist da moderater - allerdings hat sein Institut auch in beiden Segmenten eine führende Stellung: "Beide Anlageformen haben ihre Berechtigung. Letztlich hängt es vom Geschmack des Investors ab, für welches Produkt er sich entscheidet." Viel wichtiger sei die Aufteilung der Investition auf verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen (Asset-Allocation).

Lediglich als Depot-Beimischung empfehlen Experten dabei den Einsatz von Strategiezertifikaten. Diese Papiere sind in der Regel teurer als Indexzertifikate. Sie wählen nach einem bestimmten System Aktien aus und versuchen so, besser als der zu Grunde liegende Index abzuschneiden. Eine beliebte Strategie ist beispielsweise die Auswahl der Zertifikatetitel nach der Höhe der Dividendenrendite. Die regelmäßige Anpassung der ausgewählten Papiere gehört mittlerweile zum Standard, ebenso wie die fortlaufende Information der Kunden über die enthaltenen Aktien. Anleger sollten darauf achten, dass sie den Auswahlmechanismus verstehen. Das gilt auch für die Kostenstruktur. So machen etwa Papiere wenig Sinn, die zwar eine Dividendenstrategie verfolgen, die Ausschüttungen aber nicht an die Investoren weitergeben.

Vor einer Investition sollten Anleger sich den Prospekt zuschicken lassen. Informationsquellen im Internet sind: www.zertifikateweb.de und www.onvista.de. Unter www.zertifikatejournal.de können sich Interessenten einen kostenlosen Informationsdienst bestellen. nac

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