Indexzertifikate sind in Aufschwungphasen besser
Fonds laufen der Kurserholung hinterher

Auch wenn der Aufschwung derzeit stockt: Dem Neuen Markt wird bis Ende 2002 ein Anstiegspotenzial um bis zu 60 % prognostiziert - vorausgesetzt, mit der Konjunktur geht es im 2. Halbjahr wieder aufwärts. Anleger, die dieser Argumentation folgen und mittelfristig investieren wollen, sollten bei der Wahl zwischen Fonds und Indexzertifikaten auf letztere setzen.

FRANKFURT/M. Denn in Aufschwungphasen schaffen es Fonds kaum, den Index zu schlagen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: In der Abwärtsphase bauen viele Fondsmanager hohe Cash-Bestände auf, mit denen sie in die Aufschwungphase starten. Auf den bereits fahrenden Zug mit steigenden Kursen springen die meisten erst mit einer Verzögerung auf. Ein Teil der Rendite ist damit verschenkt.

Doch selbst, wenn ein Fonds den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg erwischt, sind den Managern oft die Hände gebunden, erläutert Karl Fickel von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. "Wenn sich eine T-Online-Aktie in kurzer Zeit verdreifacht, können wir nicht mithalten." Denn würde sich der Manager zu stark auf den Wert konzentrieren, müsste er gegen das Gebot der Risikostreuung verstoßen. Viele kleine Werte des Neuen Marktes bergen ein weiteres Problem: Ein Einstieg mit einem für einen Fonds interessanten Volumen zieht den Kurs zu stark hoch, ein Ausstieg ist auf Grund der geringen Liquidität oft nicht gesichert.

Die Konsequenz: Während der Nemax 50 seit seinen Tiefstständen im September um 88 % zugelegt hat, brachten es viele Fonds gerade einmal auf ein Plus zwischen 37 % und 64 %. Seit Jahresanfang betrachtet sieht der Vergleich jedoch anders aus. Denn in einer schwachen Marktphase kommt den Fonds die Möglichkeit, Liquidität vor zu halten, zu Gute. Einen Teil der Kursverluste können sie damit abfedern. Eine Studie der Münchener Fondsconsult zeigt, dass sich viele der Fonds am Neuen Markt in den 12 Monaten bis Ende September 2001 besser entwickelt haben als die Indizes Nemax-All-Share und Nemax 50. Beide büßten in diesem Zeitraum mehr als 80 % ein, die Masse der Fonds deutlich weniger. Noch offensichtlicher wird dies bei einer Betrachtung seit Januar. Seither haben Zertifikate und Fonds im Durchschnitt etwa die gleichen Verluste erlitten. Da die Zertifikate im Aufschwung allerdings stärker zugelegt haben, folgt im Umkehrschluss, dass sie zuvor massiver verloren hatten. Die besten Renditechancen haben also aktive Anleger, die sich im Abschwung früh genug von ihren Zertifikaten trennen, und im Aufschwung wieder zugreifen. Zudem fallen bei Zertifikaten geringere Nebenkosten an. Während für gemanagte Fonds in der Regel ein Ausgabeaufschlag von 5 % und jährliche Managementgebühren von 1 bis 2 % fällig werden, betragen die Kosten für Indexzertifikate in Form der Differenz zwischen Ausgabe und Rücknahme in den meisten Fällen weniger als 1,5 %. Rolf Drees von Union Invest weist jedoch darauf hin, dass viele Zertifikate Kurs- und keine Performance-Zertifikate sind. Das heißt: Dividenden fließen nicht in die Wertentwicklung ein. Außerhalb des Neuen Marktes, an dem Dividendenausschüttung die Ausnahme darstellen, würden diese jedoch einen Großteil der Gebühren wettmachen.

Ein Hindernis stellt sich manchmal beim Kauf von Indexzertifikaten: Viele Banken verlangen die so genannte Termingeschäftsfähigkeit. Diese Hürde ist jedoch mit einem Informationsgespräch und einer Unterschrift zu überwinden. Bei Endloszertifikaten, also Papieren ohne Laufzeit, verzichten die meisten Banken ohnehin darauf.

Außerdem, so Sven Gundermann, Direktor bei UBS Deutschland, müsse den Kunden bewusst sein, dass sie bei Zertifikaten von der Bonität der Bank abhängig sind. Denn sie erwerben keine echten Firmenanteile, sondern eine Schuldverschreibung. Für sie steht der Emittent gerade. Auch Drees sieht darin einen Nachteil: "Es ist ein Unterschied, ob ich eine Beteiligung oder ein Versprechen kaufe." Fonds hätten außerdem ein psychologisches Plus: "Viele haben ein besseres Gefühl, wenn sie in einem Flugzeug sitzen, das von einem Piloten gesteuert wird."

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