Indien gegen US-Patrouillen
Indien legt sich auf Frieden fest

Indien hat sich in der jüngsten Kaschmir-Krise mit Pakistan erstmals eindeutig zur Suche nach einer friedlichen Lösung bekannt. «Indien hat sich sehr darauf festgelegt, den Weg des Friedens zu gehen, denn es gibt keine Alternative zum Frieden», sagte der indische Außenminister Jaswant Singh am Freitag nach einem Treffen mit dem stellvertretenden US-Außenminister Richard Armitage in Neu Delhi.

dpa NEU DELHI. Armitage selbst, der auch den indischen Regierungschef Atal Behari Vajpayee traf, sagte: «Indien will keinen Krieg, und wir teilen diese Auffassung. Die Spannungen haben ein wenig abgenommen.»

Singh forderte erneut, Pakistan müsse das Eindringen von Terroristen über die Grenze in Kaschmir verhindern. Indien werde dann positiv reagieren. Gemeinsame Grenzpatrouillen bezeichnete Singh als mögliche Antwort auf das Problem. Großbritannien erhöhte den diplomatischen Druck auf Indien, indem es Patrouillen britischer und amerikanischer Soldaten in Kaschmir anbot. Indien lehnt seit Jahrzehnten jede ausländische Einmischung in den Kaschmir-Konflikt ab.

Eine Sprecherin des indischen Außenministeriums wies den Vorschlag der USA und Großbritanniens zurück. «Wozu ist eine internationale Überwachung nötig, wenn die beiden Länder bilaterale Mechanismen ausarbeiten können?», fragte sie. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hatte die Pläne für internationale Patrouillen bestätigt und gesagt: «Wir sind bereit, jede Möglichkeit zu prüfen, um Indien und Pakistan einen Grund zu geben, sich nicht gegenseitig anzugreifen.»

Indien hatte mit militärischen Aktionen gedroht, nachdem Moslemextremisten Mitte Mai im indischen Teil Kaschmirs ein Massaker an Frauen und Kindern begangen hatten. Nach indischen Ermittlungen kamen die Täter aus Pakistan. Ein Angriff auf pakistanisches Gebiet würde den vierten Krieg zwischen Indien und Pakistan seit 1947 auslösen und könnte nach Ansicht von Experten rasch zu einem Atomkrieg eskalieren.

Trotz der internationalen Vermittlungsbemühungen gingen die Artilleriegefechte an der Grenze, die Kaschmir teilt, auch am Freitag weiter. In der Nacht zum Freitag kamen im Süden des indischen Bundesstaates Jammu und Kaschmir vier Menschen ums Leben, ein Soldat und drei Zivilisten. Auf pakistanischer Seite starb ein Zivilist. Die Gefechte zwangen erneut Dorfbewohner an der Grenze zur Flucht.

Ungeachtet der angespannten Lage sagte der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf den Separatisten im indischen Teil Kaschmirs moralische, diplomatische und politische Unterstützung zu. Die Formel benutzt Pakistan seit Jahren. Indien wirft Musharraf vor, Moslem-Extremisten auch militärisch zu helfen, indem er Stützpunkte auf pakistanischem Gebiet zulässt. Musharraf sprach von einem Kampf des Volkes von Kaschmir um Selbstbestimmung und bezeichnete Indien als Besatzungsmacht.

Der pakistanische Außenminister Abdul Sattar (70) trat aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sattar hatte bis 1992 als Diplomat gearbeitet und war von Militärmachthaber Pervez Musharraf nach dessen Putsch 1999 zum Außenminister ernannt worden. Bis dahin galt Sattar als Verfechter einer harten Haltung gegenüber Indien. Als Minister vertrat er jedoch Musharrafs Politik der Annäherung.

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