Indien zu abhängig vom Out-Sourcing-Boom
IT-Branche schafft zu wenig Jobs

Indien lebt vom Dienstleistungssektor. IT-Dienstleistungen und Kommunikation profitieren vom Out-Sourcing-Boom. Doch das Land kann sich nicht allein auf die Export-Erfolge beim IT-Outsourcing verlassen.

Indien exportiert erfolgreich IT-Dienstleistungen - hat aber Nachholbedarf bei der Ausfuhr von Industriegütern. Insgesamt machen Dienstleistungen mit 49 % einen weitaus größeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus als in anderen Entwicklungsländern. Indiens Industrie macht dagegen nur 27 % der Wirtschaftsleistung aus.

Während der schwach regulierte und wenig kapitalintensive Servicesektor in den 90er-Jahren um 7,5 % wuchs, legte der Industriezweig nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um weniger als 6 % zu. In China waren es 13,6 %. Damit ist Indien das einzige Schwellenland, in dem der Service-Sektor schneller wächst als der Industriesektor.

"Indien zeigt damit Merkmale eines entwickelten Landes," sagt der Leiter der IWF-Vertretung in Neu Delhi, Michael Wattleworth. Den größten Zuwachs verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren die Untergruppen IT-Dienstleistungen (20 %) und Kommunikation (14 %), die vom Out-Sourcing-Boom profitierten. Wattleworth sieht die Gefahr, dass sich das Land auf seinen IT-Lorbeeren ausruht und überfällige Reformen im Industriebereich schleifen lässt. Das kann es sich nicht leisten. Denn obwohl sie die Hälfte der Wirtschaftskraft ausmachen, entfallen auf Dienstleistungen nur ein Viertel aller Arbeitsplätze.

"Solange der Industriebereich nicht vorankommt, kann Indien sein Wachstum nicht merklich beschleunigen," meint UBS Asien-Chefvolkswirt Jonathan Anderson. Zumal sich Indien nicht auf Export-Erfolge beim IT-Outsourcing verlassen kann. Der Bereich macht erst 1,5 % des BIP aus und kann UBS zufolge über die kommenden Jahre maximal 15 % zum Wirtschaftswachstum beitragen. Zwar bietet die Branche der kleinen, gut ausgebildeten Oberschicht hervorragende Karrierechancen, "Aber der daraus resultierende Job-Zugewinn ist für Indien ein Tropfen auf den heißen Stein," meint Wattleworth. Derzeit beschäftigt die Branche 700.000 Mitarbeiter, in fünf Jahren sollen es 3 Millionen sein.

Handelsblatt Nr. 227 vom 25.11.03 Seite 8

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