Indikatoren deuten auf einen Ausverkauf hin
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Wie Butter schmelzen seit den vergangenen Wochen alle Unterstützungslinien in den Börsenindizes dahin. Ist eine Marke nach unten durchbrochen, hoffen Anleger auf die nächste, die aber sogleich wieder fällt.

DÜSSELDORF. Abgesehen vom Freitag, lassen sich nicht einmal kurzfristige technische Gegenreaktionen ausmachen, wie sie bislang in jeder Abwärtsbewegung vorkamen. Der einzige Lichtblick: Charttechniker erkennen auf dem Weg nach unten immer neue Unterstützungslinien. So hat beim Dow-Jones-Index die Begrenzung bei 10 300 Punkten, die sich aus der Seitwärtsbewegung seit April 1999 ergibt, nicht gehalten. Die nächste Unterstützung liegt im Bereich zwischen 9 500 und 10 000 Zählern. Beim Dax hielt die 6 800-Marke nicht. Sie bot seit dem Frühjahr einen festen Boden. Kurz darauf war der nächste wichtige Bereich um die 6 500 Zähler für die Bären an der Börse keine Hürde mehr. Nun liegt die nächste Marke bei 6 350.

Keinen Halt bietet der Neue Markt: Wie ein Strich nach unten erscheint auf dem Bildschirm der Chart des Nemax-50-Indexes. Im März notierte das Börsenbarometer noch über 9 000 Punkten - heute sind es weniger als die Hälfte. Charttechniker sind sich ohnehin nicht einig, ob das junge Segment für die mit Lineal und Bleistift operierende Zunft tauglich ist. Spannender sieht es beim Technologie-Index Nasdaq aus: Der Widerstand zwischen 3 000 und 3 050 wurde getestet - noch hält er. Wenn er gebrochen wird, bietet erst die 2 600-Punkte-Marke die nächste Unterstützung.

Die Indizes sausten auch deshalb in die Tiefe, weil es sehr wenig Unterstützungszonen gab. Grund dafür war die rasante Aufwärtsbewegung im Frühjahr, die jetzt zunichte gemacht wurde. Inzwischen erreichen wir aber ein Börsenniveau, auf dem sich immer mehr Markierungen finden lassen, die den Abwärtstrend beenden könnten. Aus Sicht der Charttechnik wird sich die Geschwindigkeit nach unten zumindest verlangsamen.

Doch es gibt noch mehr Hoffnung. Die Volatilität, also die Schwankungen beim Auf und Ab an den Börsen, nimmt ebenso zu wie das Handelsvolumen. Beide Indikatoren deuten auf einen Ausverkauf hin. Dafür spricht auch, dass inzwischen fast alle Aktien in den Abwärtssog geraten sind. Waren es erst nur die Werte der wenigen Firmen, die am Rande der Insolvenz stehen oder aber ihre Ergebnisprognosen nach unten korrigieren mussten, so sind nun vor allem wachstumsstarke Schwergewichte wie eine EMC an der Nasdaq oder eine Aixtron am Neuen Markt betroffen. Zuletzt wurden alle Aktien verkauft, die zuvor stark gestiegen waren - egal ob zu Recht oder zu Unrecht.

Doch diese Ausverkaufstimmung, die phasenweise panikartige Züge annahm, sollte aus charttechnischer Sicht den defensiven Anleger nicht dazu verleiten, jetzt antizyklisch in den Markt einzusteigen. Die Abwärtstendenz in den vier erwähnten Indizes ist nach wie vor intakt. Solange sich daran nichts ändert, gibt es keinen Grund, das fallende Messer aufzufangen. Erst wenn sich die Aufwärtsbewegung vom Freitag fortsetzt, Unterstützungslinien halten und sich somit ein Boden gebildet hat, ist der negative Trend gestoppt. Sollten anschließend technische Signale auf eine Umkehr deuten, bieten sich Einstiegschancen. Diese defensive Vorgehensweise hat den Nachteil, die niedrigsten Kurse zu verpassen. Doch sie bietet den Schutz, nicht zu früh auf den Zug aufzuspringen.

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