Industrie gibt Preisdruck kaum weiter
Tourismusbranche steht vor deutlichen Preiserhöhungen

Die Kosten für Rohstoffe und Energie sind hoch. Doch nur wenigen Branchen, wie etwa den Reiseveranstaltern, gelingt es, dies über höhere Preise an die Kunden weiterzugeben. Der Druck auf die Gewinnspannen hält an. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts.

DÜSSELDORF. Auf die deutschen Urlauber kommt eine weitere Teuerungswelle zu. Bereits in der kommenden Wintersaison sollen Interkontinentalreisen des Branchenführers TUI teilweise um einen zweistelligen Prozentsatz teurer werden, bestätigte ein Unternehmenssprecher. Mittelstreckenziele legen dann um knapp 5 % zu. Preistreiber in der Touristikbranche sind die gestiegenen Kerosinpreise sowie der schwache Euro. Denn Fernreisen nach Nordamerika, in die Karibik und nach Asien werden in Dollar abgerechnet.

Die Preistendenz in der Branche gehe eindeutig nach oben, sagte ein Sprecher des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DER). Auch die Nahverkehrspassagiere der Deutschen Bahn müssen bald tiefer in die Tasche greifen: Um 3,8 Prozent werden die Fahrkarten ab 1. Januar nächsten Jahres teurer.

Im verarbeitenden Gewerbe dagegen verhindern starker Wettbewerb und Konjunkturflaute, dass die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie sich auch im Geldbeutel der Kunden niederschlagen. Weite Teile der deutschen Industrie rechnen auch für die kommenden Monate nicht mehr mit hohen Preissteigerungen, nachdem der Preisauftrieb in Deutschland seinen Höhepunkt im Juni offenbar bereits überschritten hat.

Dies gilt etwa für weite Teile der Chemie- und Autoindustrie sowie des Maschinenbaus. Bei ihnen drücken die höheren Kosten deswegen weiter auf die Gewinnspannen. So setzte der Autohersteller Opel Preissteigerungen durch, die mit 1,2 % weit unter der Inflationsrate liegen. Höhere Preise seien auf dem gesättigten Markt derzeit nicht drin, heißt es bei Opel. Der Druck auf die Automobilindustrie wird immer größer, durch effizientere Produktion Kosten zu sparen. Die Autozulieferer schaffen es meist ebenso wenig, ihre zusätzliche Belastung an die Hersteller weitergeben, oder aber es gelingen - wie bei Bosch - nur teilweise Zugeständnisse bei der diesjährigen Preisrunde mit den Automobilherstellern.

Hoher Ölpreis belastet Gewinne der Chemieunternehmen

Die angespannte Marktlage und die starke Konkurrenz verhindern auch in der Chemie die nach Ansicht der Firmen "ausreichende" Weitergabe der hohen Rohstoffkosten über Preiserhöhungen. Die war auch ein Grund dafür, dass die Ludwigshafener BASF AG vergangene Woche eine Gewinnwarnung ausgeben musste. Der hohe Ölpreis drückt bei vielen Chemieunternehmen auf die Gewinnspanne. BASF reagiert darauf mit der Stilllegung einzelner Standorte. Insgesamt rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in diesem Jahr mit einem moderaten Preisanstieg von 2 bis 3 %. Unternehmen aus allen Branchen versuchen weiter, die Preise zu erhöhen. Jüngst kündigte Bayer-Vorstandsmitglied Werner Spinner entsprechende Pläne für das Arbeitsgebiet Polymere an. Auch der Präsident des Bundesverbandes Gesamttextil, Josef A. Beckmann, erwartet wegen des Kostendrucks einen "moderaten" Preisanstieg. Doch wegen der konjunkturellen Lage dürfte es schwierig bleiben, stärkere Preiserhöhungen durchzusetzen.

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau geht davon aus, dass die gestiegenen Kosten weiter zu Lasten der Gewinnmargen der Hersteller gehen. Preiserhöhungen bei den Kunden seien wegen der überwiegend mittelständischen Struktur der Branche und des hohen Wettbewerbs kaum durchzusetzen.

Nur in Ausnahmefällen gelingt es der Branche, die Kosten zu kompensieren. So hat die Heidelberger Druckmaschinen AG Preisauftrieb und Lohnerhöhungen an ihre Kunden weitergegeben. Der Mischkonzern Buderus sieht dagegen auf Grund der desolaten Verfassung der Bauindustrie nur begrenzten Spielraum für Preiserhöhungen.

Preise in Papier- und Ernährungsbranche bleiben stabil

Branchen wie Papier und Ernährung, die stärkere Preiserhöhungen durchsetzen konnten, gehen für die nächste Zeit von einem konstanten Preisniveau aus. So waren zum Beispiel im Nahrungsmittelbereich im Zuge der BSE-Krise Geflügel- und Schweinefleisch zuletzt deutlich teurer geworden. Laut Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie haben Käufer von Schweinefleisch zeitweise Preissteigerungen von 20 bis 40 % akzeptiert. Die Geflügelpreise haben nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle seit Beginn der BSE-Krise um 15 % zugelegt. Derzeit sind die Preise stabil oder wie beim Schweinefleisch wieder rückläufig.

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