Industrie hofft auf Auftrag im Dezember
Transrapid soll schon 2002 in China fahren

Nach dem Willen der Chinesen soll die deutsche Magnetbahn Transrapid bereits im übernächsten Jahr in Schanghai den Betrieb aufnehmen. Die Ergebnisse der technischen Vorprüfung werden am Montag vorgestellt. Premierminister Zhu gilt als einer der entschiedensten Förderer des Projektes.

PEKING/FRANKFURT/M. Der Transrapid-Strecke von der chinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai zum Flughafen Pudong steht praktisch nichts mehr im Weg. Bereits am kommenden Montag wird die Machbarkeits-Studie für das Projekt vorgestellt. Der Untersuchung hatte Chinas Premierminister Zhu Rongji während seines Deutschland-Besuches im Juli nach einer Probefahrt auf der Teststrecke im Emsland zugestimmt. Industriekreise im Umfeld des Projektes bestätigten, dass die Studie fertig ist. "Die Finanzierung des zwei Milliarden DM teuren Projektes spielt keine übergeordnete Rolle, es wird bestimmt gebaut", heißt es jetzt.

Parallel zur technischen Vorprüfung des Projektes haben Mitglieder des Transrapid-Konsortiums - die Siemens AG, Thyssen-Krupp und Adtranz - über den Auftrag für die Strecke verhandelt. Im August hatte die staatliche chinesische Planungskommission die vorläufige Zustimmung für das Projekt gegeben. Das ist unüblich in solchen Fällen. Die Chinesen wollen die 35 km lange Strecke vom Flughafen Pudong in die City von Schanghai selbst bauen und zwei Drittel zur Finanzierung beisteuern. Zuverlässigen Quellen zufolge werden die Verträge für das Transrapid-Projekt am 15. Dezember in Peking unterzeichnet.

Von deutscher Seite kommen die Waggons, die Signaltechnik, die Antriebe und die Magnete für die bis zu 500 km/h schnellen Schwebezüge. Eine Delegation der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) war bereits zu Gesprächen in Peking und Schanghai. Finanzierungsverhandlungen habe es noch nicht gegeben, heißt es bei der KfW und auch bei der an den Gesprächen beteiligten Dresdner Bank. Die seien erst möglich, wenn die Studie vorliege.

Peter Klaus, das für Exportfinanzierung zuständige KfW-Vorstandsmitglied, bezeichnete den Vertrag vorsichtig als "Letter of Intent" ( Absichtserklärung). Er soll am 15. Dezember unterzeichnet werden. Denn hierin würden der deutsche Finanzierungsbeitrag und das deutsche Bankenengagement noch nicht geregelt. "Grundsätzlich" sei die KfW bereit, sich an der Finanzierung des deutschen Beitrages in Höhe von etwa einem Drittel der Gesamtinvestition mit Krediten zu Marktsätzen zu beteiligen, versicherte Klaus.

Diese Aussage bedeutet, dass die Frankfurter Förderbank und die Bundesregierung das Projekt nicht als Entwicklungshilfe-Maßnahme einstufen. Ansonsten müsste es - ähnlich den U-Bahnen in Schanghai und Guangzhou - zu Lasten des Bundeshaushalts mit günstigen Konditionen ausgestattet werden. Damit deutet sich in diesem Punkt ein Problem an: Denn die Chinesen sollen solche vergünstigten Kredite verlangt haben. Das deutsche Lieferkonsortium wird gemeinsam mit den begleitenden Banken für die Finanzierung einen Antrag auf Hermes-Deckung stellen. Chinesische Stellen müssten sich zu einer Gegengarantie bereitfinden. Die KfW will "wie üblich" die großen Banken und die Spitzeninstitute des Sparkassen- und des Genossenschaftssektors zur Bildung eines Bankenkonsortiums einladen.

Auftragsvergabe vor Weihnachten erforderlich

Die größte Herausforderung bei dem mit Hochdruck betriebenen Projekt ist jedoch die geforderte schnelle Umsetzung. Günter Weckerlein, Chef bei Siemens Transportsysteme in der Region Ost- und Zentralasien, hält die Fertigstellung bis Ende 2002 für die entscheidende Schwierigkeit. "Bis Weihnachten 2000 müssen die Aufträge vergeben sein, damit rechtzeitig ausgeliefert werden kann," sagt Weckerlein.

Ministerpräsident Zhu ist entschlossen, der deutschen Technologie den Zuschlag zu erteilen. Zhu will unbedingt auf der Strecke in Schanghai fahren, bevor im März 2003 sein Nachfolger bestimmt wird. In Industriekreisen erklärt man die Entschiedenheit der Chinesen so: Erstens wolle China die Technik, zweitens müsse die schlechte Anbindung des Schanghaier Flughafens schnell gelöst werden. Der Transrapid kann die Strecke, für die Autos fast eine Stunde brauchen, in sieben Minuten zurücklegen.

Berater Zhus sagen, die Stadtregierung in Schanghai wolle - falls die Strecke gut funktioniere - das Projekt ausweiten. Von Schanghai aus soll der Transrapid danach einmal bis in die 180 km entfernte Provinzhauptstadt Hangzhou fahren. Schanghais Stadtväter seien auch fest entschlossen, die Transrapid-Strecke nach erfolgreicher Einführung bis Nanjing zu verlängern. Die Hauptstadt der Provinz Jiangsu entwickelt sich nicht nur zu einem führenden Industriezentrum. Sie liegt auch an der 1 300 km langen Schnellstrecke Peking - Schanghai, die mit einem Investitionsvolumen von etwa 15 Mrd. $ als lukrativstes Infrastrukturprojekt Chinas in diesem Jahrzehnt gilt. Eingeweihte Chinesen sagen es so: Fahre der Transrapid erst zwischen Schanghai und Nanjing, bekomme die deutsche Technik auch den Zuschlag für den Rest der Strecke bis Peking.

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