Industrie kann dem Optimismus nicht ganz folgen
Eröffnung der Hannover Messe unter unsicheren Vorzeichen

Die Hannover Messe steht in diesem Jahr unter unsicheren Vorzeichen. Knapp 7 000 Aussteller aus 69 Ländern zeigen von Montag an ihre Produkte. Die Industrie tut sich unterdessen schwer mit dem Konjunkturoptimismus der Regierung.

stw HANNOVER. Die Industrie tut sich schwer mit dem Konjunkturoptimismus der Regierung. Die Stimmung bessere sich zwar, sagte BDI-Präsident Michael Rogowski laut Redetext zur Eröffnung der Hannover Messe, aber "die Lage ist nach wie vor bescheiden". Bundeskanzler Gerhard Schröder rechnet dagegen fest mit einem massiven Aufschwung in den nächsten Monaten. Er sprach von "deutlichen Zeichen des Aufbruchs", Beschäftigungsdynamik und einem Anziehen der Exporte. Er versprach, nach einer Wiederwahl keine Steuer zu erhöhen - außer der bereits beschlossenen Ökosteuer.

Rogowski listete Versäumnisse ebenso wie Erfolge der Regierungskoalition auf und wehrte sich gegen deren Wunsch an den BDI, mehr Zuversicht zu verbreiten: "Das, Herr Bundeskanzler, wurde vor vier Jahren auch schon von uns erwartet - nur: von einer anderen Regierung." Er warnte davor, sich nur darauf zu verlassen, dass die Konjunktur wieder anzieht. "Mehr Dynamik müssen wir aus eigener Kraft entwickeln", sagte Rogowski.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer nahm auch die Unternehmen in die Pflicht und kritisierte scharf den Fall des US-Energiehändlers Enron. "Wir brauchen eine verbesserte Transparenz der Finanzpublizität", sagte von Pierer. Es sei "unerträglich", wenn wie bei Enron einzelne Manager riesige Summen aus den Unternehmen zögen und die Mitarbeiter dabei ihre Ersparnisse verlören.

Als Konsequenz forderte der Siemens-Chef eine "aussagekräftigere Segmentberichterstattung". Der Übergang auf den - auch von Siemens benutzten - Bilanzstandard US-Gaap sei kein Allheilmittel, vor einer Pflicht zur IAS-Bilanzierung sollten sich die Europäer ebenfalls hüten. Das "gute alte HGB" habe auch seine Vorzüge. Im Übrigen blieb er allerdings vage.

Ebenso wie Rogowski und Schröder hob von Pierer die Bedeutung der Ausbildung für den Wirtschaftsstandort Deutschland hervor. Von Schröder, der die Messe eröffnete, forderte er "kraftvolle politische Führung an dieser Stelle", auch wenn das Bildungswesen Ländersache sei.

Die Hannover Messe steht in diesem Jahr unter unsicheren Vorzeichen. Knapp 7 000 Aussteller aus 69 Ländern zeigen von Montag an ihre Produkte. Kern der Messe ist die Automationstechnik. Weitere Fachausstellungen widmen sich der Mikrosystemtechnik, der Logistik, der Oberflächentechnik, der Energiewirtschaft, der Zulieferung und den Innovationen. Die Veranstalter rechnen für die sechs Ausstellungstage mit deutlich mehr als 200 000 Besuchern. Das würde einen spürbaren Rückgang gegenüber den 260 000 Gästen des vergangenen Jahres bedeuten.

Quelle: Handelsblatt

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