Industrie profitiert von der Euroschwäche – Anleger verschmähen die Old-Economy-Titel bisher
Im Maschinenbau steckt Potenzial

Dem deutschen Maschinenbau geht es gut wie lange nicht. An der Börse schlägt sich die glänzende Situation der Branche jedoch noch nicht nieder. Analysten erwarten bei einigen Aktien in den nächsten Monaten zwar keine Kursrally, aber solide Gewinne. Branchenführer MAN und Linde werden empfohlen.

ras DÜSSELDORF. Die Euroschwäche und der Konjunkturaufschwung bescheren dem deutschen Maschinenbau volle Auftragsbücher. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es seit Ende der 80er Jahre eine vergleichbar günstige Entwicklung gegeben hat", sagt Eggert Kuls vom Bankhaus Warburg. "Meines Erachtens ist jetzt ein längerer Aufschwung dran." Das kräftige Wachstum der Branche wird sich nach einhelliger Expertenmeinung im nächsten Jahr fortsetzen. Doch unter Anlegern scheinen sich die guten Aussichten noch nicht herumgesprochen zu haben. Die Maschinenbautitel werden oft als "Old Economy"-Vertreter verschmäht und links liegen gelassen.

Anleger sollten auf größere Werte setzten

"Wir sehen die Lage im Moment sehr rosig", sagt Sylke Becker, Pressesprecherin des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Analysten räumen Aktien der Branche gute Gewinnchancen ein: Steigerungen seien überfällig, nachdem sich die Kurse monatelang kaum bewegt hätten. "Auf dem momentanen Niveau kann man nicht mehr viel verkehrt machen, wobei Anleger auf größere Werte setzen sollten", empfiehlt Rolf Geck, Maschinenbauexperte der WGZ-Bank. Gut positioniert sind nach wie vor die Branchenriesen MAN und Linde. Als Wert aus der zweiten Reihe empfehlen Analysten die Krones AG. Das Unternehmen sei schlank und stark - und außerdem zum Niedrigpreis zu haben. Von IWKA sind viele Analysten hingegen enttäuscht. Da die Branchenaussichten rosig sind, können sich die Experten die schlechte Performance der Aktien nicht so recht erklären. Die Titel zeigten in den vergangenen zwei Jahren keine besondere Kurs-Performance. Mit Blick auf die Kurse kritisieren Analysten wie Michael Riedel von der Bankgesellschaft Berlin die konservative Informationspolitik der Branchenführer und fordern "etwas mehr offensive Kurspflege". Preussag ist seiner Meinung nach ein gutes Beispiel.

Maschinenbau verzeichnet zweistelliges Plus

Die Fundamentaldaten der Branche stimmen: Seit Jahresbeginn ist der Maschinenbau im Aufwind und erreicht Wachstumsraten, die die Anleger im Frühjahr eher der New Economy zugetraut hatten. Abgesehen vom April verzeichnete der Maschinenbau jeden Monat ein zweistelliges Plus gegenüber dem Vorjahresmonat. Im letzten Quartal gab es 35 % mehr Auslandsaufträge. Von den 39 Fachbereichen, die der VDMA getrennt aufweist, erzielten 34 ein Auftragsplus, das bei 28 sogar zweistellig ausfiel. Die immense Nachfragesschub geht zurück auf die weltweite Konjunkturbelebung. Zweifelsohne trägt zur Auftragsflut auch die Unterbewertung des Euro bei, die die Maschinenbauer aus Amerika und Japan benachteiligt. Der VDMA schätzt, dass bis zu 30 % des Auftragszuwachses auf den schwachen Euro zurückzuführen sind. Traditionell kommen wesentliche Impulse für den deutschen Maschinenbau aus dem Ausland.

Aufschwung ist kein Strohfeuer

Der Aufschwung des Maschinenbaus ist indes kein Strohfeuer, auch für 2001 sind die Prognosen optimistisch, sogar über zyklische Konjunkturschwankungen hinweg. Analysten erwarten bis Jahresende ein Produktionsplus von 6 % und einen Anstieg des Branchenumsatzes zwischen 5 und 7 %. Auf Grund ihrer technischen Spitzenstellung und der momentan günstigen Preise könnten die deutschen Hersteller diese Situation voll ausnutzen. Das günstige Geschäftsklima werde auch die Inlandsnachfrage beleben, denn der Aufschwung führe in vielen Bereichen der verarbeitenden Industrie zu Erweiterungsinvestitionen. Für die nächsten Monate erwarten Analysten in der Maschinenbauindustrie daher eine Ausweitung der Produktion. Alle Frühindikatoren, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex, signalisieren, dass sich der Nachfrageanstieg fortsetzen wird. Allerdings könnte der Mangel an Fachpersonal - insbesondere an Ingenieuren - und an Material das Wachstum dämpfen. "Die Kunden werden möglicherweise wieder mehr über die Lieferfristen als über die Preise klagen", prophezeit der VDMA.

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