Industrie- und Handelskammern verhalten optimistisch
Export stützt Konjunktur

Die Ausfuhren bleiben auch in diesem Jahr der Wachstumsmotor für Deutschland. Ein Beleg dafür ist der überraschende Anstieg der Auslandsnachfrage nach Industrieprodukten.

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Die deutsche Wirtschaft bleibt mit Blick auf ihre Exportchancen verhalten optimistisch. Dies ist das Ergebnis der Auslandsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Eine Handelsblatt-Umfrage zeigt allerdings ein gemischtes Bild. So beklagte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes der Mittelständischen Industrie, vom schwächeren Exportwachstum seien vor allem die mittelständischen Unternehmen betroffen, die Zulieferer für exportorientierte Konzerne seien.

Laut DIHK wird der Export auch in diesem Jahr Stütze der deutschen Wirtschaft bleiben. Allerdings würden die rasanten zweistelligen Wachstumsraten des Jahres 2000 nicht mehr erreicht. Bei den Aus- und Einfuhren erwartet der DIHK für 2001 einen nominalen Anstieg von 7 %. Im vergangenen Jahr waren die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen nominal um 16,2 % und die entsprechenden Importe in die Bundesrepublik um 18,7 % gestiegen. Allein die Ausfuhr von Waren hatte um 22,3 % gesteigert werden können und erstmals die Grenze von einer Bill. DM überschritten.

Zusätzliche Nachfrage erwarten die Firmen nach der DIHK-Umfrage vor allem aus dem Euro-Raum und hier besonders aus Frankreich, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser gestern in Berlin. Es gebe immer noch die Chance, in Deutschland 2001 ein Wachstum von knapp 2 % zu erreichen. Deshalb halte er nichts davon, diese Zahl als Zielgröße aufzugeben. Schoser erwartet außerdem, dass in Deutschland 100 000 Jobs zusätzlich geschaffen werden.

Ein positives Konjunktursignal lieferten gestern die Auftragseingänge aus dem Ausland bei der deutschen Industrie. Sie kletterten von April auf Mai um 9 %. Die Inlandsnachfrage legte um 1 % zu. Die gesamte Nachfrage zog erstmals in diesem Jahr an und zwar um 4,4 % in Monatsfrist. Der jüngste Anstieg der Auslandsorders war allerdings durch Großaufträge überzeichnet. Analysten stufen die positive Entwicklung im Mai deshalb nicht als konjunkturelle Trendwende ein.

Bauindustrie erwartet gutes Auslandsgeschäft

Die am deutschen Markt krisengeschüttelte Bauindustrie beurteilt die Aussichten für das Auslandsgeschäft im laufenden Jahr weiterhin als günstig. Nach dem Rekordjahr 2000, das der Branche ein Auftragsvolumen von knapp 20 Mrd. Euro bescherte, rechnet man für 2001 mit einem ähnlich hohen Auftragsvolumen. Dagegen musste die deutsche Automobilindustrie im Mai erstmals in diesem Jahr einen leichten Rückgang der Pkw-Exporte um 5 % hinnehmen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält derweil an ihrem grundsätzlich undramatischen Konjunkturbild für den Euro-Raum fest. EZB-Präsident Wim Duisenberg betonte in Frankfurt, die zuletzt schwache inländische Nachfrage sollte sich im weiteren Verlauf des Jahres erholen.

Die EZB erwartet unverändert ein reales Wirtschaftswachstum von 2 bis 2,5 % in diesem und im kommenden Jahr. Der EZB-Rat hielt die Leitzinsen auf der gestrigen Ratssitzung konstant. Duisenberg unterstrich, primäre Aufgabe der EZB sei die Wahrung der Preisniveaustabilität. Der Euro hatte schon im Vorfeld der EZB-Entscheidung spürbar an Wert eingebüßt. Am späten Nachmittag fiel der Kurs auf ein Acht-Monats-Tief von 83,66 US-Cent.

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