Industrie wirbt in Berlin für Steuerbefreiung
Produktionskosten gefährden Erfolg von Biogas

Biogas klingt wie Biodiesel. Doch bei der Vermarktung des aus Biomasse gewonnenes Methangases hakt es im Vergleich zum Sprit aus Ackerpflanzen noch immer.

HB HAMBURG. "Die Biogastechnologie steht in ihrer Wirtschaftlichkeit dort, wo die Windkraft vor zehn Jahren stand, sagt Peter Schrum, Vorstandschef des Biokraftwerkbauers Farmatic Biotech Energy AG, Nortorf.

Dabei hat das grüne Gas durchaus Potenzial. In Deutschland fallen jährlich 40 Mill. Tonnen organischer Resten aus Landwirtschaft, Kommunen und der Ernährungsindustrie an. Diese Menge sei so groß, dass bis zum Jahr 2012 bis zu 10 % des gesamten deutschen Erdgasverbrauchs regenerativ ersetzt werden könne, meint Schrum.

Teurer Kubikmeter Biogas

Der Haken: Die Entschwefelung des Biogases, die Trennung vom darin enthaltenen Kohlendioxid und die Anreicherung zum reinen Methan machen den Kubikmeter Biogas teuer. Die Kosten liegen um das Zwei- bis Dreifache über dem Bezugspreis für Erdgas, schätzt Peter Uhl von der Hein Gas-Tochter Hamburg Gas Consult (HGC).

In Schreiben an Bundeskanzler Gerhard Schröder, an die Umweltminister von Bund und Ländern hat sich der Farmatic-Vorstandschef Schrum nun für eine Förderung des Biogas-Einsatzes stark gemacht. Biogas in Erdgasqualität, so Schrum in seinen Briefen, werde ab 2003 serienreif herzustellen sein. Nun möchte er staatliche Hilfen für die Förderung des Biogas-Einsatzes erhalten. Dem Farmatic-Chef schwebt analog zum Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) ein Gaseinspeisegesetz mit einer Abnahmepflicht für Biogas vor. Auch die Steuerbefreiung von Biogas an Tankstellen könnte - wie beim Biodiesel - weiterhelfen.

Angebot an Bundesumweltministerium

Die Chancen des grünen Treibstoffs will Farmatic in der Praxis dokumentieren. Dem Bundesumweltministerium hat Schrum angeboten, aus zwei bestehenden Biokraftwerken ab 2004 jährlich 7,5 Mill. cbm Biogas für den öffentlichen Nahverkehr von Berlin bereitzustellen.

Nach Angaben von Farmatic sind bis 2007 etwa 100 Biokraftwerke in Planung. Sie könnten mehr als 200 Mill. Kubikmeter "Green Gas" erzeugen. Doch ob sie wirklich gebaut werden? Am Ende entscheidet der Preis darüber, ob Biogas verkauft wird. Wenig spricht derzeit aber dafür, dass die Politik hier fördernd eingreift. "Wir stehen Biokraftwerken wohlwollend gegenüber," heißt es aus dem Bundesumweltministerium. Doch seien Hoffnungen auf steuerliche Erleichterungen in dieser Legislaturperiode nicht realistisch, heißt es im Hause Trittin.

Vorzeigeprojekt hapert

Mit den hohen Kosten des Biogases lässt sich auch erklären, dass es beim Farmatic-Vorzeigeprojekt in Schleswig hapert. Der Betreiber, die Biokraft Schleswig GmbH& Co KG, will ab Ende des Jahres jährlich aus 120 000 t Kartoffelabfälle der Alkoholbrennerei bis zu 2,5 Mill. cbm Biogas gewinnen. Etwa die Hälfte davon sollte die Stadt Schleswig zum Betrieb ihrer Busse übernehmen. Bis jetzt konnte aber weder mit dem Energieversorger Schleswag noch mit der Stadt Einigkeit über den Gaspreis erzielt werden.

Der im Bereich Windkraft und Biomasse arbeitende Wettbewerbe, Umweltkontor Renewable Energy AG, Hückelhoven, hat bereits Konsequenzen aus derlei Schwierigkeiten gezogen. Der Geschäftsbereich Biomasse, der rund 20 % des Gesamtumsatzes von Umweltkontor ausmacht, wird nach den Worten von Vorstand Heinrich Lohmann vermutlich ausgegliedert und als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Damit werde sichergestellt, dass die Risiken aus dem Biomasse-Engagement Umweltkontor nicht infizieren. Die Unsicherheit widerspiegelt sich auch im Aktienkurs von Farmatic. Dieser hat seit April kontinuierlich von 15,50 Euro auf 12,70 Euro nachgegeben.

Einen Hoffnungsschimmer jedoch gibt es. 19 deutsche Gasgesellschaften haben die Erdgas Mobil GmbH gegründet. Deren Ziel ist der Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes für Erdgas in Deutschland. Dazu sollen bis 2006 in einer ersten Stufe 1 000 Erdgastankanlagen eingerichtet werden, die auch mit Biogas befüllt werden könnten. Marktpartner sind Aral, BP, Esso und Totalfina-Elf.

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