Industriebeteiligungen
Drei Wege, wie sich Allianz von Nivea trennt

Die Weltmarke Nivea und der Hamburger Beiersdorf-Konzern stehen seit Monaten im Mittelpunkt von Übernahmegerüchten und Börsenspekulationen. Die Allianz-Versicherung in München, die seit Jahrzehnten bei Beiersdorf engagiert ist und rund 44 Prozent der Anteile hält, will sich von ihren Industriebeteiligungen trennen.

dpa HAMBURG. Allianz-Finanzchef Paul Achleitner hält sich bislang bedeckt, wenn er nach seinen konkreten Plänen mit dem Beiersdorf-Paket gefragt wird, das etwa sechs Milliarden Euro wert ist. Doch so viel ist aus München zu hören: Es gibt keinen Zeitdruck, weil Beiersdorf ein kerngesundes Unternehmen ist.

Wenn die Allianz sich tatsächlich von ihrem Paket trennt, gibt es drei mögliche Szenarien für die Zukunft. Der Tchibo-Konzern und damit die Unternehmerfamilie Herz könnte ihren Beiersdorf-Anteil von gegenwärtig 30 auf mehr als 50 Prozent aufstocken. Nachdem sich die zerstrittene Familie von Reemtsma getrennt hat, liegt für einen solchen Kauf genug Geld in der Kasse. Tchibo ist ebenfalls seit Jahrzehnten bei Beiersdorf an Bord und sieht im Geschäft mit Markenartikeln eine zukunftssichere Investition.

Die Allianz könnte allerdings - zweites Szenario - eventuell einen höheren Preis erzielen, wenn sie das Unternehmen an einen Konkurrenten verkauft. Insbesondere die stetig wachsende Marke Nivea weckt die Begehrlichkeit anderer Kosmetik-Konzerne. An erster Stelle wird seit Monaten das französische Unternehmen L'Oréal genannt, aber auch Unilever und Procter & Gamble tauchen gelegentlich in Zeitungs- oder Analystenberichten auf. Die Firma Henkel, die bis vor kurzem auch auf dem Spekulationskarussell mitgefahren ist, hat schon abgewunken: Ihr ist Beiersdorf zu teuer.

Doch der Verkauf an einen Konkurrenten hat seine Pferdefüße. "Ich erwarte nicht, dass Beiersdorf an einen Wettbewerber veräußert wird", sagt Aktienanalyst Michael Winkler von der WestLB Panmure. Denn ein neuer Großaktionär müsste sich mit der Familie Herz arrangieren, die ihre Beteiligung auf jeden Fall behalten will. Tchibo könnte jede wichtige Entscheidung blockieren, zum Beispiel den Verkauf von Unternehmensteilen. Dann aber wären auch die erhofften Synergie-Effekte nicht erreichbar, was wieder den Preis drücken würde.

Bei L'Oréal kämen kartellrechtliche Probleme dazu: In vielen Märkten, in denen Beiersdorf die Nummer eins ist, behauptet sich L'Oréal als Nummer zwei oder umgekehrt.

Ohnehin soll es zwischen Allianz und L'Oréal keine ernsthaften Verhandlungen geben, sondern nur "Branchengeplauder". Bei Beiersdorf selbst setzt der Vorstand wohl eher auf Tchibo und kommentiert die Marktgerüchte zurückhaltend. "Das L'Oréal ein Interesse an Beiersdorf hat, kann ich nicht beurteilen, es ist aber nicht unwahrscheinlich", sagt Unternehmenssprecher Peter Nebel.

Analysten wie Winkler favorisieren eine dritte Variante, die allen Interessen am ehesten gerecht werden könnte. Danach verkauft die Allianz einen Teil ihrer Aktien an Tchibo, einen Teil bringt sie an die Börse und einen weiteren Teil behält sie selbst. Der Streubesitz an Beiersdorf würde damit steigen, und die Aktie wäre ein ernst zu nehmender Kandidat für den Aktienindex Dax. Damit wären weitere Kurssteigerungen möglich. Für die freien Aktionäre ist die brodelnde Gerüchteküche ohnehin ein steter Quell der Freude: Während weltweit die Aktienmärkte eingebrochen sind, hat sich der Kurs der Beiersdorf-Aktie in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt.

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