Industriegase- und Anlagen-Spezialist setzt auf internes Wachstum
Für Linde zählt nun der Schuldenabbau

Große Überraschungen wird es beim Mischkonzern Linde in den kommenden Monaten kaum geben. Im Vordergrund steht der Abbau von Schulden. Für Kurssprünge des Dax-Wertes ist das zu wenig.

jkn FRANKFURT/M. Gerhard Full, Vorstandsvorsitzender des Gase- und Anlagenbau-Spezialisten Linde AG, Wiesbaden, bleibt zurückhaltend. Zwar schloss er eine weitere Übernahme prinzipiell nicht aus, "die uns strategisch weiterbringt". Aber der Abbau von Schulden stehe klar im Vordergrund des laufenden Geschäftsjahres.

Linde AG - Drei-Monatsverlauf

Damit steht die Marschrichtung des Traditionsunternehmens fest. Die wichtigen Bilanz-Kennzahlen sollen weiter aufpoliert werden, wachsen will Linde nach der Übernahme des schwedischen Gase-Herstellers Aga vor allem intern. So soll die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) in allen Geschäftsfeldern 20 % erreichen. "Im Anlagenbau und in der Fördertechnik sind wir schon soweit, die Technischen Gase und die Kältetechnik werden die Werte im Jahr 2002 erreichen", gab sich Full optimistisch.

Full ist sich sicher, das bereits vor einigen Wochen publizierte Umsatzplus von 8 % und die überproportionale Ergebnissteigerung im Gesamtjahr erfüllen zu können. In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres legte der Umsatz um 10,3 % auf rund 1,2 Milliarden Euro zu. Der Auftragseingang wuchs um 8 % auf 1,3 Milliarden Euro.

Gleichzeitig will der Linde-Chef die Verschuldung des Unternehmens deutlich reduzieren. Allein in diesem Jahr sollen die Verbindlichkeiten - immerhin 4,2 Milliarden Euro - um 300 Millionen Euro zurückgefahren werden. Die Eigenkapitalquote, die zum Jahresende 2000 bei 35,4 % lag, will Full "gemeinsam mit der Entschuldung in den kommenden Jahren wieder auf 45 Prozent anheben".

Kaum Hoffnung auf stimulierende Nachrichten

Besitzer der im Deutschen Aktienindex gelisteten Linde-Aktie können damit in den kommenden Wochen kaum auf stimulierende Nachrichten hoffen. Die seit längerem geplante und von Analysten erhoffte Umstellung der Rechnungslegung auf amerikanische US-Gaap-Regeln wird offensichtlich erst 2002 kommen. Sie hätte zur Folge, dass die hohen Goodwill-Abschreibungen wegen der Aga-Übernahme wegfielen und Linde somit ein wesentlich besseres Ergebnis ausweisen könnte.

Auch den immer wieder geforderten Verkauf der nach wie vor kriselnden Kältetechnik oder eine Aufteilung des Konzerns lehnt Full nach wie vor ab - wohl wissend, "dass man sich immer wieder fragen muss, ob das eine oder andere zur Disposition steht".

Die Analysten von M. M. Warburg blicken deshalb erwartungsvoll auf den Sommer, wenn Full sein Amt als Vorstandsvorsitzender abgibt. Dann dürfte auch die Kältetechnik auf den Prüfstand kommen, glauben die Experten.

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