Industriegasehersteller will zu den profitabelsten Konzernen der Branche aufsteigen
Messer Griesheim putzt sich für neue Besitzer heraus

Messer-Griesheim-Chef Klaus-Jürgen Schmieder trimmt den Industriegasehersteller auf Rendite: Statt weltweiter Expansion konzentriert sich der Konzern auf USA und Europa, wo Messer auch zukaufen will. Er will Messer damit fit machen für den Eigentümerwechsel, der in ein paar Jahren anstehen könnte.

KREFELD. Der zweitgrößte deutsche Industriegasehersteller Messer Griesheim kommt bei seinen ambitionierten Plänen zum Schuldenabbau und zu Kostensenkungen voran. "Wir planen, im Jahr 2005 mit einer Ebitda-Rendite von 30 % zu einem der profitabelsten Unternehmen der Branche aufzusteigen", sagte Klaus Jürgen Schmieder, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messer Griesheim GmbH dem Handelsblatt. Im vorigen Jahr lag die Rendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ohne Sondereinflüsse bei 23 %. Der Umsatz betrug 1,62 (1,7) Mrd. ?.

Der Krefelder Gasekonzern steckt mitten im Umbau. Anfang 2000 hatten die Finanzinvestoren Goldman Sachs Funds und Allianz Capital Partners vom Pharmakonzern Aventis je ein Drittel der Anteile übernommen. Den Rest hält die Familie Messer. Mit dem Umbau putzt sich der Konzern nun für einen möglichen Eigentümerwechsel in ein paar Jahren heraus - falls die Finanzinvestoren aussteigen wollen. Von Verkauf bis Börsengang sind alle Optionen offen.

Schmieder hat den Konzern in den vorigen Monaten gestutzt, indem er die Geschäfte etwa in Ägypten, Trinidad und Tobago verkaufte. Messer habe sich mit früheren Expansionsplänen nach Lateinamerika und Asien verzettelt, begründete er das Umlenken. Die Expansion war teuer, denn Industriegase gelten als kapitalintensives Geschäft.

Die Hersteller beliefern etwa Stahlkonzerne über Rohrleitungen mit Gasen, die zur Veredlung eingesetzt werden. Oder sie verkaufen Gase in Tanks und Flaschen an die Nahrungsmittelindustrie, die ihre Produkte damit haltbarer macht.

Folge des globalen Messer-Ausbaus waren rote Zahlen und ein Schuldenberg von 1,8 Mrd. ?. Jetzt will sich der Konzern auf Nordamerika und Europa fokussieren - und folgt damit dem Trend. "Die gesamte Industriegasebranche konzentriert sich auf bestimmte Kunden und Regionen, um profitabler zu werden", erläutert Analyst Jürgen Reck von der Bank Sal. Oppenheim. Die Verkäufe von Messer-Teilen an Konkurrenten wie Air Products haben die Schulden bereits auf 1,3 Mrd. ? gesenkt. Weitere Veräußerungen in Asien und Lateinamerika sind geplant.

Bei der Umsetzung des Sparprogramms kommt der Konzern nach Angaben Schmieders gut voran: das Ergebnis im Konzern soll dem Plan zufolge um jährlich 100 Mill. ? verbessert werden. Doch trotz der Fortschritte macht Messer unterm Strich noch einen Verlust, räumte Schmieder ein. Er begründete dies mit Einmalaufwendungen für die Restrukturierung. Ende 2003 will er den Umbau abgeschlossen haben und "eine gesunde Bilanzstruktur" vorweisen. Das Geschäft, auf das sich Messer bis 2004 konzentrieren will, habe einen Umsatz von 1,54 Mrd. ?.

Auf Schmieders Plan stehen nicht nur Verkäufe und Kostensenkung - er schaut sich auch nach kleineren Zukäufen um, mit denen er das Geschäft abrunden will. "Wir werden weiter mitspielen", sagte Schmieder und ergänzte, dass der Konzern bei Akquisitionen einen speziellen Fokus auf Mittel- und Osteuropa habe.

Zu möglichen Besitzverhältnissen bei Messer in mehreren Jahren wollte Schmieder keine Aussagen machen. "Wir werden uns so aufstellen, dass wir auf alles vorbereitet sind", sagte er. Als möglicher Interessenten an Messer werden in Branchenkreisen US-Konkurrent Praxair und die britische BOC-Gruppe genannt.

Schmieder hält Fusionen in der stark konzentrierten Industriegasebranche noch für möglich, da sich die Konzerne auf unterschiedliche Regionen konzentrierten. Fusionen waren mehrmals am Einspruch der Kartellbehörden gescheitert. In der Branche beherrschen sieben Unternehmen drei Viertel des Weltmarktes. Zu ihnen gehört neben Marktführer Air Liquide auch die Linde AG.

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