Industrieministerin: Gerüchte sind "definitiv falsch"
Regierung bekräftigt Ablehnung von FT-Verstaatlichung

Die französische Regierung ist den kurstreibenden Spekulationen um eine mögliche Wiederverstaatlichung von France Telecom am Dienstag erneut entgegengetreten und hat sich hinter Konzernchef Michel Bon gestellt.

Reuters PARIS. Industrieministerin Nicole Fontaine sagte am Dienstag in einem Radiointerview, Gerüchte über eine beabsichtigte Wiederverstaatlichung des hoch verschuldeten Telekom-Konzerns seien "definitiv falsch". Bereits am Vortag hatte das Finanzministerium Pläne der Regierung zu einem Auskauf der Privatinvestoren des mit 61 Milliarden Euro verschuldeten Konzerns dementiert.

Zunächst hatte eine Sprecherin des Finanzessorts jedoch entsprechende Absichten der neuen konservativen französischen Regierung bestätigt, was bei den zuletzt unter Druck stehenden Aktien einen kräftigen Kurssprung ausgelöst hatte. Trotz des Dementis behaupteten die Aktien von France Telecom einen guten Teil ihres Gewinns vom Wochenbeginn, als sie 25 Prozent zugelegt hatten. Am Nachmittag betrug das Minus in einem insgesamt schwachen Markt 5,3 Prozent auf 11,20 Euro.

Auslöser der Spekulationen an der Börse über eine mögliche Wiederverstaatlichung von France Telecom war ein Bericht der "Financial Times". Unter Berufung auf Regierungskreise hieß es, eine Wiederverstaatlichung könne die Vertrauenskrise der Kapitalmärkte gegenüber dem Unternehmen lösen. Die Regierung wolle angesichts der Entwicklung bei den Aktien- und Darlehensrenditen von France Telecom nicht einfach die Hände in den Schoß legen. Eine Wiederverstaatlichung wäre beim derzeitigem Aktienkurs der Platzierung einer Jumbo-Anleihe unter anderem wegen des geringeren finanziellen Aufwands vorzuziehen, schrieb die Zeitung.

"Die Gerüchte zur Wiederverstaatlichung haben einen fast halsbrecherischen Kursanstieg der Aktie ausgelöst, was zeigt, dass allein das Interesse des Staates an France Telecom Vertrauen in den Markt zurückgibt", sagte Fontaine im Interview mit dem Radiosender Europe 1. Sie bedauere die Gerüchte allerdings, da sie falsch seien.

Wiederverstaatlichung passt nicht ins Konzept

Die französische Regierung, die 55,5 Prozent an France Telecom hält, wird nach Fontaines Worten die Situation weiter aufmerksam verfolgen. Das Unternehmen sei eines der Juwelen der französischen Industrie. "Wir haben volles Vertrauen in Michel Bon", fügte Fontaine hinzu. Die France-Telecom-Aktien aus Staatsbesitz waren im Oktober 1997 für 27,75 Euro an Privatinvestoren abgegeben worden war.

Eine Wiederverstaatlichung würden den Grundsätzen der neuen Mitte-Rechts-Regierung in Paris zuwiderlaufen. Unter anderem wird gegenwärtig die Privatisierung des Stromversorgers Electricite de France (EdF) vorbereitet.

Ungeachtet der wiederholten Dementis der mit Haushaltsproblemen kämpfenden Regierung hoffen Investoren immer noch auf eine Intervention der Regierung, um dem Telekom-Konzern finanziell zu stützen. Analysten halten zumindest eine Kapitalerhöhung um zehn bis 15 Milliarden Euro unter anderem wegen milliardenschwerer latenter Verbindlichkeiten für unumgänglich. Davon müsste die Regierung ohne Verwässerung ihres Anteils mehr als die Hälfte zeichnen. Angesichts einer auf rund 13,5 Milliarden Euro gesunkenen Marktkapitalisierung könne eine Verstaatlichung günstiger als die notwendige Kapitalerhöhung sein, sagten Börsenexperten. Der Pariser Konzern habe "viel zu lange" mit einer Kapitalspritze gewartet, die wegen des eingebrochenen Börsenwerts nun einen stark verwässernden Effekt haben werde.

Fondsmanager: Erfolgreiche Strategie

Nach Ansicht des Fondsmanagers Jacques-Antoine Bretteil von International Capital Gestion ist die Regierung mit ihrer Strategie erfolgreich gewesen, Investoren wieder zum Kauf der Aktien zu ermuntern. "Die ganze Geschichte zielt klar darauf ab, die Hedge-Fonds zu Kauforders zu veranlassen. Es funktioniert und die Fonds kaufen, egal wie oft die Regierung (eine Wiederverstaatlichung) dementiert."

Wie bei dem ebenfalls unter einem abgestürzten Aktienkurs leidenden Konkurrenten Deutsche Telekom werden für den jüngsten Kursrutsch bei den Telekom-Werten vor allem Hedge-Fonds verantwortlich gemacht. Die Fonds erzielen unter anderem Spekulationsgewinne aus dem Verkauf geliehener Aktien, die später bei günstigeren Kursen zur Deckung der Position eingekauft werden. Dadurch kann ein Abwärtsdruck beim Aktienkurs in Gang gesetzt werden.

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