Industrieproduktion weiter rückläufig – Energiepreise verhindern Preisauftrieb in den USA
Zinssenkung nach neuen US-Daten erwartet

Die jüngsten Konjunkturzahlen bestätigten Prognosen, dass vorerst nicht mit einem Wirtschaftsaufschwung in den USA zu rechnen ist. Gleichzeitig gibt es jedoch positive Indizien, die auf eine Verlangsamung des Abschwungs hindeuten. Da keine Inflationsgefahr besteht, rechnen Analysten mit einer erneuten Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed auf 1,75 %.

coh WASHINGTON. Der wichtigste Konjunkturindex, die Industrieproduktion, fiel im Oktober den 13. Monat in Folge auf den nunmehr tiefsten Stand seit Juli 1999. Die Produktion nahm nach-1 % im September zum Vormonat um weitere 1,1 % ab. Dies ist gleichzeitig der höchste Rückgang seit November 1990. Überraschend ist dies nach dem Rückgang des Einkaufsmanagerindex NAPM allerdings nicht.

Besonders schwer traf es den Automobilsektor, die 4,2 % weniger als im September und 10,3 % weniger als im Oktober 2000 produzierte. Die Hightech-Industrie drosselte ihre Produktion dagegen nur um 0,7 % in Monatsfrist, das Vorjahresniveau wird indes schon um 12,5 % unterschritten. Die Versorger konnten dagegen einen Monatszuwachs um 0,6 % vorweisen.

Die Kapazitätsauslastung in der gesamten Industrie sank von leicht nach oben revidierten 75,7 % im September auf 74,8 % und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni 1983. "Der Rückgang ist ein Bestätigung, dass die US-Wirtschaft in einer Rezession steckt", wertete Stan Shipley von Merrill Lynch die Zahlen der US-Notenbank Fed. Nach den Terroranschlägen am 11. September könnte es viel schlimmer sein, erklärte dagegen Ian Shepherdson, Chefvolkswirt von High Frequency Economics. "Insgesamt zeigt der Report ein düsteres Bild. Aber es sagt uns etwas über die Zukunft, und ich glaube der Aufschwung ist nicht zu weit entfernt", sagte er.

Erdgas- und Benzinpreise sanken überproportional



Die fallenden Energiepreise waren in erster Linie verantwortlich für die gesunkenen Lebenshaltungskosten im Oktober. Im Vergleich zum Vormonat gingen sie im Schnitt um 0,3 % zurück. Die Erdgas- und Benzinpreise sanken überproportional um 6,3 %. Die Gallone (3,785 l) Benzin kostet nur noch 1,18 Dollar und damit 34 Cents weniger als noch vor einem Jahr. Das Energieministerium kündigte an, dass die Heizkosten für den durchschnittlichen Haushalt bei 824 Dollar statt 1000 Dollar im vergangenen Winter liegen. Analysten hoffen, dass zumindest ein Teil der Differenz in den Konsum fließen wird.

Dagegen wurde vor allem die medizinische Versorgung teurer. Auch für Kleidung mussten die Amerikaner tiefer in die Tasche greifen. Der Kernindex - er klammert den Lebensmittelsektor und den Energiebereich wegen der starken Schwankungen aus - erhöhte sich wie im Vormonat um 0,2 % und wies damit eine unveränderte Jahresrate von 2,6 % auf. Nach Ansicht der Commerzbank, dürfte diese Entwicklung die aufgeflammte Deflations-Diskussion abebben lassen. Die Analysten sind sich zudem einig, dass es kein Inflationsproblem gibt, das gegen eine weitere Senkung der Leitzinsen durch die Fed am 11. Dezember spricht.

"Es gibt keinen Inflationsdruck. Die Politiker können also so viel Konjunkturhilfen geben, wie sie wollen", sagte Anthony Chan, Chefökonom von Bank One Investment. Bis spätestens Ende November will US-Präsident George W. Bush das Konjunkturpaket mit weitreichenden Steuervergünstigungen für Unternehmen verabschieden. Derzeit debattiert der Kongress noch über die Maßnahmen.

Schon der Philadelphia-Index zur Geschäftstätigkeit hat in der vergangenen Woche auf eine anhaltende Konjunkturschwäche hingedeutet. Er stieg zwar im November stärker als erwartet von-27,4 auf-20,2 Punkte, liegt aber nun schon den zwölften Monat in Folge im Minus. Kein Wunder, dass die Analysten auch im vierten Quartal eine schrumpfende Wirtschaftsleistung erwarten. Ihrer Ansicht nach sind vor allem das angeschlagene Verbrauchervertrauen und die steigende Arbeitslosigkeit für sinkende Konsumausgaben verantwortlich. Diese Entwicklung dämpfe wiederum die Produktion, da die Unternehmen keinen Anlass sähen, ihre Lagerbestände aufzustocken.

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