Industrieverband will Firmen mit konzertierter Aktion neues Eigenkapital erschließen
BDI verlangt vom Mittelstand mehr Einsatz

Die Industrie will ihr gestörtes Verhältnis zur Bundesregierung verbessern, dabei aber auch künftig nicht auf Klartext verzichten. "Es gibt noch keine Funkstille, aber es funkt nicht richtig", sagte Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Er sei aber zuversichtlich, dass sich das Verhältnis zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wieder bessere.

dri BERLIN. "Gegen die Realität kann er auf Dauer nicht regieren", sagte Rogowski und forderte den Kanzler auf, mehr Distanz zu den Gewerkschaften zu wahren.

Wie Rogowski am Dienstag (10.) bei der Vorstellung einer Initiative für den Mittelstand sagte, strebe der BDI eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Unternehmern an, damit das größte Problem kleiner Unternehmen gelöst werden könne: der Mangel an Eigenkapital.

"Eine Mittelstandsbank reicht nicht aus", kommentierte er die Zusammenlegung der beiden staatlichen Förderbanken KfW und Deutsche Ausgleichsbank. Das Konzept für die Mittelstandsbank unter dem Dach der KfW gaben Bundesfinanzminister Hans Eichel und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (beide SPD) gestern bekannt. Die neue Bank soll alle Förderprogramme des Bundes für den Mittelstand unter einem Dach bündeln und transparenter gestalten. Mittelständler hatten oft über die Undurchschaubarkeit der Hilfen geklagt.

Das BDI-Positionspapier für den Mittelstand listet neben den bekannten Forderungen nach einer Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen und Kürzungen bei den Sozialkosten der Unternehmen zahlreiche praktische Forderungen auf, die nicht zwangsläufig die öffentlichen Haushalte belasten würden. Dazu zählen etwa Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung.

Die Hauptursache dafür, dass sich die Finanzprobleme im Mittelstand verschärfen, sieht Rogowski in dem Ertragsproblem, das die Banken wegen der vielen Unternehmenspleiten und dem Niedergang der New Economy haben. Sie sind daher wesentlich vorsichtiger bei der Kreditvergabe als früher. Mittelständlern bleibe wegen des Ausfalls von Fremdkapital nur die Stärkung der Eigenkapitalbasis. "Die schwache Eigenkapitalausstattung droht zu einer tickenden Zeitbombe zu werden" meinte auch der mittelstandspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Hartmut Schauerte.

Laut BDI-Präsident Rogowski zeigen die Unternehmen noch zu wenig Phantasie bei der Suche nach Eigenkapital. Neben der Beteiligungsfinanzierung würden auch die Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung viel zu wenig genutzt. "Abgesehen vom Finanzierungsbeitrag könnte die Mitarbeiterbeteiligung motivations- und leistungssteigernd und damit produktivitätssteigernd wirken", heißt es im BDI-Positionspapier. Gerade die Unternehmer müssten da auch ihre kulturelle Scheu überwinden, so Rogowski.

Grundsätzlich hält der BDI Aktienemissionen an der Börse für sinnvoll - wenn auch die Lage der Börse derzeit dagegen spricht. Zur Förderung kleiner Aktiengesellschaften müsse die Politik schnell internationale Standards an den Börsen einführen. Die Unternehmen wiederum müssten ihre Scheu vor fremden Anlegern ablegen und für Transparenz sorgen, fordert der BDI.

Die Eigenkapitalinitiative bezeichnete Rogowski als Ergänzung zum Hartz-Konzept und zum Bündnis für Arbeit: Der Mittelstand sei der Beschäftigungsmotor in Deutschland. Mit Clement sieht Rogowski durchaus Ansätze zur Zusammenarbeit. Zum Thema Bürokratieabbau habe Clement bereits bis Jahresende um konkrete Vorschläge gebeten. Auch der Vorschlag von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), Gesetze nur befristet zu erlassen, "wäre einen Versuch wert", sagte Rogowski.

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