Industrievertreter nennen Vorschlag von Justizministerin Zypries „anachronistisch": Gehaltsobergrenze für Manager stößt auf Ablehnung

Industrievertreter nennen Vorschlag von Justizministerin Zypries „anachronistisch"
Gehaltsobergrenze für Manager stößt auf Ablehnung

Der Vorschlag von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, eine Höchstgrenze für Managergehälter festzulegen, ist bei der Opposition und in den Unternehmen auf Kritik gestoßen. Diese Idee sei "absurd" und widerspreche den Regeln der Sozialen Marktwirtschaft, sagte FDP-Vize Rainer Brüderle dem Handelsblatt.

gof/zel/po/lü BERLIN/DÜSSELDORF. Zu begrüßen sei jedoch der Versuch, über den Corporate-Governance-Kodex mehr Transparenz bei Vorstandsgehältern herzustellen. Natürlich sei dies eine Größe, an der die Aktionäre unmittelbares Interesse hätten, räumte Brüderle ein. Ansonsten sei die Höhe der Vergütung aber ausschließlich Sache des Marktes. Die effiziente Kontrolle und die notwendige Transparenz obliege dem Aufsichtsrat. "Der Gesetzgeber hat hier nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen", betonte der FDP-Politiker.

Auch der CDU-Experte Hartmut Schauerte hält nichts von staatlich reglementierten Managergehältern oder gar Obergrenzen. Die Hauptversammlung habe das Primat und solle zusammen mit dem Aufsichtsrat die wesentlichen Dinge für die Gesellschaft bestimmen, einschließlich der Vergütung ihrer Vorstände. Die Vermeidung von Fehlentwicklungen bei Gehältern und Aktienoptionen liege in der Verantwortung der Aufsichtsräte, betonte Schauerte. Wenn einem Anleger die Situation in einem Unternehmen nicht gefalle, brauche er dort auch nicht zu investieren. Die staatliche Regelung von Gehältern führe zu neuem bürokratischen Aufwand und sei vermutlich verfassungswidrig.

In deutschen Unternehmen findet Zypries? Vorstoß ebenfalls wenig Zustimmung. Man könne auf eine leistungsabhängige Bezahlung des Managements nicht verzichten, und bei zu niedriger Bezahlung drohe die Abwanderung qualifizierter Kräfte ins Ausland. Bei BMW wird die Diskussion über die Einführung einer Gehaltsgrenze für überflüssig gehalten. Der Autobauer hat nach Angaben eines Sprechers für seine Vorstände ein System eingeführt, bei dem rund vier Fünftel der Vergütung erfolgsabhängig sind. Da die Erfolgskomponente weder Aktienoptionen noch andere langfristige Komponenten enthalte, sei die Bezahlung überwiegend direkt an den Unternehmenserfolg gekoppelt. BMW sieht sich damit als Vorbild für die gesamte Industrie.

"Wir halten diese Diskussion nicht für sinnvoll", heißt es auch beim Sportwagenhersteller Porsche. Jede Obergrenze sei willkürlich. In einer freien Marktwirtschaft sollte es den Unternehmen überlassen bleiben, die Gehaltsgrenzen festzulegen. Klaus Fricke, Vorstandschef der deutschen Fiat AG, bezeichnete die Zypries-Idee als "anachronistische Forderung". Im Moment werde überall darüber diskutiert, wie der Einfluss des Staates zurückgeschraubt werden könne, und die Justizministerin schlage genau den entgegengesetzten Weg ein. Auf die Erfolgsbeteiligung könne nicht verzichtet werden, "die monetäre Partizipation gewährt die Motivation". Ein hochrangiger Daimler-Chrysler - Manager nannte den Vorschlag aus Berlin zynisch eine "tolle Idee".

Auch bei den Banken wird die Idee der Ministerin kritisch aufgenommen. Eine Obergrenze könne nur der Markt festlegen, hieß es in Frankfurter Bankenkreisen. Ein global ausgerichtetes Unternehmen brauche eine Bezahlung auf internationalem Niveau. Werde gegen dieses Prinzip verstoßen, drohe die Abwanderung qualifizierter Manager.

Sogar auf Seiten der Aktionärsschützer stößt die Ministerin auf Widerstand. "Wenn Manager gut arbeiten, sollen sie dies durchaus auch bei der Entlohnung spüren - im besten Falle auch nach oben unbegrenzt", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings sollte der variable Teil an langfristigen Erfolgskennzahlen und nicht an kurzfristig manipulierbaren Größen festgemacht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%