Infineon gibt deutliche Kursgewinne wieder ab
Duisenberg drückt den Dax

EZB-Präsident Wim Duisenberg hat sich gestern nicht gerade als Freund der Aktienmärkte entpuppt. Bei einer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments hatte Duisenberg gesagt, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone werde auch Anfang 2002 noch schwach bleiben.

HB/rtr FRANKFURT/M. Die Voraussetzungen für eine Erholung im weiteren Verlauf des nächsten Jahres seien zwar gegeben. Die Euro-Zone sei bei einer möglichen Erholung jedoch auf sich alleine gestellt, da nicht angenommen werden könne, dass der Aufschwung von den USA angeführt werde. Zugleich warnte der Niederländer mit Blick auf die nationalen Regierungen der zwölf Euro-Länder, die Ziele des europäischen Stabilitätspakts dürften trotz der schwierigen Konjunkturlage nicht in Frage gestellt werden. Auf diese Äußerungen hätten die Terminmärkte umgehend mit nachgebenden Kursen reagiert und die Aktien mitgezogen, sagte ein Händler. Infineon-Aktien, die trotz der gescheiterten Kooperation des Unternehmens mit der japanischen Toshiba zeitweilig deutlich im Plus lagen, gaben ihre Gewinne wieder ab. Commerzbank-Papiere gaben ebenso nach.

Zum Handelsschluss lag der Deutsche Aktienindex (Dax) mit 0,6 % im Minus bei 5 040 Punkten. Der MDax für die mittelschweren Werte notierte dagegen 1,0 % fester bei 4 187 Zählern.

In Erwartung der Weihnachtsfeiertage seien die Umsätze insgesamt sehr dünn geblieben, sagte ein Broker. Alle warteten nur auf das Jahresende. Ein Fondsmanager verwies darauf, dass viele Marktteilnehmer ihre Bücher bereits geschlossen hätten. "Der Handel ist absolut lustlos", fügte ein anderer Aktienhändler hinzu.

Infineon waren im Tagesverlauf um bis zu 4,8 % gestiegen, lagen zum Handelsschluss aber mit 1,0 % im Minus. Der deutsche Chiphersteller und Toshiba hatten überraschend ihre Verhandlungen über eine Kooperation bei Speicherchips beendet. Keine der diskutierten Optionen sei für beide Seiten gleichermaßen zukunftsfähig gewesen, teilte Infineon mit. Während die Aktien von SAP ihre Gewinne größtenteils halten konnten, rutschten Siemens ebenfalls ins Minus.

SAP profitierten von der Nachricht, dass das Unternehmen über die spanische Mercedes-Tochter in den elektronischen Marktplatz von Daimler-Chrysler, Covisint, einsteigt. Bislang dominierten dort Produkte des Konkurrenten Oracle. Laut Händlerangaben wurden SAP außerdem von positiven Marktausblicken US-amerikanischer Konkurrenten gestützt. Daimler-Chrysler-Aktien stiegen leicht. Der Autobauer kündigte im Rahmen seines Sparprogramms die Streichung von fünf- bis sechstausend Stellen in Deutschland an, allerdings ohne Entlassungen. Die Sanierung der US-Sparte Chrysler verlaufe nach Plan.

Commerzbank-Titel verbilligten sich unterdessen um 4,3 %. David Scully, Leiter des Aktienhandels bei JP Morgan, zufolge gab es keine Nachrichten, die den Kurs der Commerzbank-Papiere belasteten. Allerdings befürchteten einige Anleger offenbar, das Commerzbank-Engagement beim angeschlagenen Energiehändler Enron, bei der Kirch-Gruppe und dem hoch verschuldeten Kabel-Betreiber NTL könne die Bank stärker belasten als bisher angenommen. Außerdem seien angesichts des bevorstehenden Jahreswechsels Portfolio-Umschichtungen zu verzeichnen.

Auf der Verliererseite standen auch die Versicherer Allianz und Münchner Rück. Die beiden Aktien litten unter einer Gewinnwarnung des französischen Axa-Konzerns.

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