Infineon mit 11 Prozent Plus der Tagesgewinner
Dax-Sprung dank Zinssenkungsphantasien

Deutlich aufwärts ging es gestern mit den deutschen Aktienkursen. Am Nachmittag erhielten die Papiere zusätzlichen Auftrieb durch die Gewinne an den US-Börsen. Insbesondere Technologiewerte und Finanzaktien waren gefragt, da diese besonders von sinkenden Zinsen profitierten, hieß es.

FRANKFURT/M. Sollten die amerikanische und später in der Woche auch die europäische Notenbank die Zinsen senken, dürfte weiteres Kapital an die Börsen strömen und die Aktienkurse steigen lassen. Da an den Märkten allerdings Erwartungen gehandelt werden, reichten zum Wochenauftakt schon allein die Hoffnungen auf ein derartiges Szenario aus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) startete freundlich in den Handel und mehrte seine Gewinne im Tagesverlauf deutlich. Bis zum Handelsende legte das Börsenbarometer 3,8 % auf 4 755,11 Zähler zu.

Händler und Maklerhäuser sprachen noch von eher dünnen Umsätzen. "Die Stimmung der Marktteilnehmer scheint gut zu sein", bemerkte ein Händler eines Frankfurter Finanzdienstleisters. Allerdings spiegelten die derzeitigen Kursbewegungen noch nicht das Kaufverhalten aller Anleger wieder. Viele dürften sich erst dann betätigen, wenn die US-Notenbank Federal Reserve an diesem Dienstag tatsächlich die Leitzinsen zum zehnten Mal in diesem Jahr gesenkt hat und die Europäische Notenbank am Donnerstag ebenfalls die Zinsschraube lockere.

"Ohne die entsprechenden Umsätze wird der Dax zwischen 4 550 und 4 750 Zählern festhängen", prognostizierte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Auch wenn der Markt bereits damit beginne, die möglichen Zinssenkungen in die Kurse einzuarbeiten - bei 4 800 Punkten im Dax sei aus charttechnischer Sicht mit der Aufwärtsbewegung erst einmal Schluss, fügte ein weiterer Händler hinzu.

Investoren, die sich an den aktuell steigenden Kursen beteiligen wollten, setzten auf die Indexschwergewichte wie Münchener Rück, SAP, Siemens, Allianz oder Deutsche Bank, schilderte ein Marktteilnehmer seine Beobachtungen. Diese Werte gälten als Katalysatoren im Markt. Hinzu komme, dass Finanzwerte und Technologieaktien in erster Linie von weiter fallenden Zinsen profitieren dürften, fügte er hinzu.

Als wegweisend für die weitere Entwicklung der Technologiepapiere beschrieben Händler die Quartalszahlen des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco Systems. Diese wurden am späten Abend nach US-Börsenschluss erwartet. Investoren hofften im Vorfeld vor allem darauf, dass der Geschäftsausblick des Unternehmens darauf hinweise, dass die wirtschaftliche Talsohle erreicht sei und die Zeiten besser würden, hieß es im Markt.

Besonders gefragt waren zum Wochenbeginn SAP und Infineon. Infineon waren mit +11 % der Tagesgewinner. "Sollte sich die Konjunktur wie von allen erwartet tatsächlich im kommenden Jahr erholen, kommt das den Technologiewerten zuerst zugute", erklärte ein Commerzbank-Händler. SAP waren zudem von den Analysten des Investmenthauses Lehman Brothers in das Musterportfolio aufgenommen worden. MLP erholten sich von ihren Freitagsverlusten. Einige Anleger erwarteten wohl gute Zahlen für das dritte Geschäftsquartal und deckten sich nun vorsorglich mit dem Titel ein, vermutete ein Händler zur Erklärung. Die Kursgewinne der Post führten Marktteilnehmer auf die Milzbrand-Entwarnung zurück. Wegen des Verdachts erster Milzbrandfälle in deutschen Postsendungen war die Aktie noch am Freitag massiv unter Druck geraten, dieser hatte sich jedoch als unbegründet herausgestellt.

Auf der Verliererseite stand nur ein Dax-30-Wert. RWE präsentierten sich knapp gehalten.

Der M-Dax für die Werte der zweiten Reihe stieg mit plus 0,7 % auf 4 183,37 bei weitem nicht so stark wie der Dax-30. Gefragt waren hier Hugo Boss. Der Bekleidungshersteller hatte Neunmonatszahlen vorgelegt, die besser als von Analysten erwartet ausgefallen waren. Marktteilnehmer bewerteten auch den Ausblick des Unternehmens als gut. In Berlin, Stuttgart, Düsseldorf und Hannover legten die Kurse zu. In Bremen war die Tendenz leichter, in München unverändert und in Hamburg uneinheitlich.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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