Infineon-Papier weiter unter Druck
Analysten zunehmend skeptisch bei Infineon

Nach der Gewinnwarnung des Halbleiter-Herstellers Infineon für das laufende Quartal äußern sich die Analysten zunehmend skeptisch über die künftigen Geschäftsaussichten des Münchener Konzerns. Zahlreiche Banken nahmen am Donnerstag ihre Kursziele für die Infineon-Aktien und die Gewinnschätzungen für das laufende und auch schon für das nächste Geschäftsjahr 2001/2002 (zum 30. September) zurück.

Reuters MÜNCHEN. Denn eine Erholung des Marktes für Speicherchips (DRAMs), in dem die Preise für die Halbleiter derzeit unter den Herstellungskosten liegen, erwarten die Experten erst für Mitte 2002. Matthias Schneck von der HypoVereinsbank rechnet daher auch für das Geschäftsjahr 2001/2002 mit einem Verlust bei Infineon.

Der Chipproduzent hatte am Mittwoch mit einer Gewinnwarnung die Finanzmärkte geschockt. Wegen der andauernden Schwäche auf dem Halbleitermarkt und Abschreibungen auf Lagerbestände rechnet Infineon im laufenden dritten Quartal (zum 30. Juni) mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern von 600 Mill. ?. Vorstandschef Ulrich Schumacher schloss auch für das gesamte Geschäftsjahr einen Verlust nicht aus. Der Aktienkurs ist seither um 18,5 % bis auf ein Rekordtief von 28,46 ? und damit deutlich unter den Ausgabekurs (35 ?) vom März 2000 gefallen.

Den Analysten zufolge werden die Infineon-Papiere auch vorläufig weiter unter Druck bleiben. Das liege nicht nur an den schwachen Märkten und an dem angekündigten Quartalsverlust, der deutlich höher als erwartet ausfallen werde. "Solange die geplante Kapitalerhöhung noch nicht durch ist, werden sich die Anleger zurückhalten", sagte Karsten Iltgen von der West LB. Infineon will noch in den nächsten drei Monaten bis zu 60 Mill. Aktien zusätzlich am Markt platzieren, was den Kurs noch weiter belasten werde. Das Zwölf-Monats-Kursziel nahm der Analyst auf 38 ? von zuvor 56 ? zurück.

Langfristig empfiehlt Iltgen die Infineon-Aktien aber weiter zum Kauf. Die Infineon AG, die im vergangenen Jahr noch 80 % des Konzernergebnisses mit Speicherchips erwirtschaftet hatte, sei besonders abhängig von dem zyklischen DRAM-Markt. Genauso, wie Infineon derzeit unter der Marktschwäche leide, werde der Konzern von einer Trendwende am Markt besonders profitieren.

Herabstufung durch die Hypo-Vereinsbank

Hypo-Vereinsbank-Analyst Schneck gab sich da pessimistischer. Er nahm seine Anlageempfehlung auf "Underperformer" von zuvor "Outperformer" herunter und senkte seine Gewinnschätzungen für das laufende und das nächste Geschäftsjahr. Er erwartet demnach für 2000/2001 ein negatives Ergebnis je Aktie von 0,9 ?, für 2001/2002 ebenfalls noch ein Minus von 0,07 ? je Aktie.

Zum einen werde Infineon von der für Mitte 2002 erwarteten Markterholung im nächsten Geschäftsjahr noch nicht sehr profitieren, begründete Schneck seine Einschätzung. Zum anderen würden die erwarteten Einsparungen bei der Chipproduktion durch die neue 300-Millimeter-Technologie erst dann voll zum Tragen kommen, wenn das neue Infineon-Chipwerk in Dresden seine volle Kapazität erreicht habe. Das wäre aber nicht schon bei der Eröffnung des Werkes im Herbst diesen Jahres, sondern erst im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 der Fall. Infineon erwartet von der Einführung der größeren 300-Millimeter Siliziumscheiben Kosteneinsparungen bei der Chipproduktion von bis zu 30 %.

Auch die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) nahm ihr Kursziel auf 44 von zuvor 55 ? zurück, behielt ihre Anlageempfehlung "Kaufen mit hohem Risiko" aber bei. UBS Warburg sieht den fairen Wert der Infineon-Aktien sogar nur bei 25 ? und stuft die Titel auf Halten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%