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Infineon plant Aktien-Angebot in den USA

Infineon habe bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Registrierungserklärung eingereicht, um ein öffentliches Angebot von Infineon-Aktien in den USA zu ermöglichen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Infineon-Aktie belastet

Reuters MÜNCHEN. Der mit dem schwachen Markt für Speicherchips kämpfende Halbleiterhersteller Infineon will sich durch eine Aktien-Platzierung in den USA Kapital für seine geplanten Investitionen oder die Tilgung von Schulden beschaffen. Über den genauen Verwendungszweck sei noch nicht entschieden worden, sagte eine Sprecherin Münchener Konzerns am Dienstag. Infineon habe zunächst eine Registrierungserklärung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, um ein öffentliches Angebot von Infineon-Aktien aus genehmigtem Kapital in den USA zu ermöglichen. Details über Höhe und Zeitpunkt der Platzierung wollte die Sprecherin nicht nennen. Die Infineon-Aktien brachen zeitweise um vier Prozent auf 38,52 ? ein.

Bei Analysten hieß es, Infineon eröffne sich angesichts der schwachen Nachfrage nach Speicherchips (DRAMs) und des negativen Cashflows eine alternative Finanzierungsmethode, um seine Investitionen zu sichern. "Dieser Schritt kommt nicht überraschend, wenn man sich die Preise für DRAMs anschaut", sagte Karsten Iltgen Technologie-Analyst bei WestLB Panmure. "Es ist gut, dass Infineon trotz der schwachen Marktlage aggressiv investieren will. Wenn der Markt sich wieder erholt, ist Infineon ganz vorne mit dabei", fügte er hinzu. Ein anderer Experte einer führenden europäischen Bank sagte, alles hänge davon ab, welchen Preis der Markt für die Aktien bezahlen werde. "Im Moment ist das Marktumfeld sehr, sehr schlecht", betonte er.

Infineon hat nach eigenen Angaben von der Hauptversammlung die Genehmigung, ihr Kapital um 60 Mill. Aktien zum Nennwert von je zwei Euro zu erhöhen. Ob diese voll ausgenutzt werde, wollte eine Sprecherin nicht sagen. Analysten sagten, bei Kreditlinien von 1,3 Mrd. ? sei eine Kapitalerhöhung ebenfalls in dieser Größenordnung wahrscheinlich. "Es macht nur Sinn, wenn es mindestens um eine Milliarde Euro geht", sagte ein Experte.

Unklar ist auch, ob die Kapitalerhöhung nur für den US-Markt bestimmt ist. Nach US-Börsenregeln muss ein Unternehmen einen solchen Schritt ankündigen. Bei einer Platzierung weiterer Aktien aus genehmigtem Kapital in Deutschland ist eine ähnliche Veröffentlichung nach Angaben einer Sprecherin der deutschen Börsenaufsicht BaWe nicht nötig. "Die Ankündigung hat schon zu einer Verunsicherung am Markt geführt", sagte HypoVereinsbank- Analyst Matthias Schneck. Das sei auch ein Grund für den fallenden Aktienkurs. Händlern zufolge verkaufte vor allem ein deutscher Fonds Infineon-Aktien.

Infineon hält sich auch die Verwendung der zufließenden Mittal offen: "Möglich sind Investitionen in künftige Akquisitionen, die Rückzahlung kurzfristiger Verbindlichkeiten und andere Investitionen", sagte die Sprecherin. Die SEC müsse den Antrag nun prüfen, was in der Regel mehrere Wochen dauere. Koordinator der Transaktion ist den Angaben zufolge die US-Investmentbank Goldman Sachs. Infineon-Chef Ulrich Schumacher hatte bereits bei der Hauptversammlung im April die Kürzung der Investitionen für das laufende Geschäftsjahr 2000/2001 (zum 30. September) auf 2,3 Mrd. ? von zuvor 2,8 Mrd. ? angekündigt. Die Investitionen in die Herstellung der zukunftsträchtigen 300-Millimeter Siliziumscheiben, die im Herbst in Dresden anlaufen soll, will Infineon aber unbedingt aufrechterhalten. Durch die neue Technologie, die die Chipproduktion erheblich verbilligt, erhofft sich Infineon einen Vorsprung vor der Konkurrenz.

Der Halbleiterhersteller hatte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres einen Gewinneinbruch verzeichnet, mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von zehn Mill. ? aber noch schwarze Zahlen geschrieben. Schumacher hält wegen der anhaltenden Marktschwäche inzwischen einen Verlust im dritten Quartal für wahrscheinlich.

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