Inflationsgefahren
Keine Zinssenkung bei EZB-Ratssitzung erwartet

Volkswirte rechnen einen Tag nach der Zinssenkung der US-Notenbank nicht mit einer Senkung der Leitzinsen, da sie weiterhin Inflationsgefahren für die Euro-Zone ausmachen.

rtr FRANKFURT. Einen Tag nach der Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) entscheidet am Donnerstag der Rat der Europäischen Zentralbank auf seiner turnusmäßigen Sitzung über die Zinsen in der Euro-Zone. Volkswirte rechnen trotz der US-Entscheidung nicht mit einer Senkung der Leitzinsen, da sie weiterhin Inflationsgefahren für die Euro-Zone ausmachen. Führende EZB-Vertreter hatten sich zudem wiederholt optimistisch zu den Wirtschaftsaussichten in Europa geäußert und betont, Zinssenkungen in den USA setzten die EZB nicht unter Druck. Volkswirte erwarten allerdings wegen der tendenziell rückläufigen Inflationsgefahr eine Zinssenkung der EZB in einigen Monaten und hoffen deshalb auf entsprechende Hinweise von EZB-Chef Wim Duisenberg auf der anschließenden Pressekonferenz (um 14.30 Uhr).

Die EZB wird ihre Entscheidung um 13.45 Uhr bekannt geben. Um die Inflation in der Euro-Zone in Schach zu halten, hatte sie von November 1999 bis Oktober 2000 die Zinsen sieben Mal erhöht und den Schlüsselzins insgesamt um 2,25 %punkte auf 4,75 % angehoben.

Abkühlung der US-Wirtschaft

Die Fed hatte am Mittwochabend wie von den Finanzmärkten erwartet die US-Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 5,50 % gesenkt und dies mit der starken Abkühlung der US-Wirtschaft begründet. Es war die zweite Zinssenkung in diesem Jahr, die allerdings anders als die erste Senkung von Anfang Januar von den Märkten erwartet worden war. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing und Bundesbank-Chef Ernst Welteke hatten zuletzt deutlich gemacht, dass die EZB sich nicht von der Fed unter Druck gesetzt fühlt. Alle 65 von Reuters befragten Volkswirte haben im Vorfeld unveränderte Zinsen prognostiziert. Allerdings erwarten 80 % der Analysten für die erste Jahreshälfte eine Zinssenkung.

Vor Beginn der Ratssitzung äußerte sich der österreichische Notenbankpräsident Klaus Liebscher und der belgische Finanzminister Didier Reynders optimistisch zu den Wachstumsaussichten der Euro-Zone. "Wir sind noch immer auf einem nicht so schlechten Pfad", sagte Liebscher am Donnerstag in Frankfurt vor der Ratsssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf eine entsprechende Frage. Reynders, der als Vorsitzender der Euro-Gruppe als Gast an der EZB-Ratssitzung teilnimmt, hofft nach eigenen Angaben sogar auf ein Wachstum von über 3 % in diesem Jahr.

Auch am Donnerstag veröffentlichte Umfragen unter Einkaufsmanagern signalisierten eine unerwartet robuste Wirtschaftslage in Deutschland und der Euro-Zone. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel im Januar auf 52,9 Punkte von 53,4 Punkten im Dezember. Analysten hatten jedoch einen Rückgang auf 52,6 Punkte erwartet.

"Wir erwarten von der EZB gar nichts", erklärte Lothar Hessler von HSBC Trinkhaus am Donnerstagmorgen. Es gebe keinen Grund für die EZB, jetzt schon zu handeln. Es sei klar, dass der nächste Zinsschritt der EZB nach unten gehe.

Preisstabilität

Oberstes Ziel der Währungshüter der Euro-Zone ist die Gewährleistung stabiler Preise. Für ihre Zinsentscheidungen zieht die EZB zum einen das Wachstum der Geldmenge und zum anderen die anhand einer Reihe weiterer Wirtschaftsdaten geschätzten Inflationsaussichten heran. Zinserhöhungen, sinkende Ölpreise und ein stärkerer Euro haben die Inflationsgefahr vermindert. Doch gleichzeitig hat sich die jahrelang boomende Konjunktur in den USA drastisch abgekühlt. Dies könnte nach Einschätzung von Analysten auch das Wachstum in der Euro-Zone dämpfen, das in diesem Jahr allen Prognosen zufolge ohnehin nicht mehr so kräftig ausfallen wird wie in 2000.

Der Euro stieg nach Veröffentlichung der Konjunkturdaten zeitweise auf Kurse um 0,9440 $.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%