Inflationsrate sinkt im Juni auf 3,1 Prozent
Hoffnung auf Zinssenkung

Die Inflation geht drastisch zurück. Unternehmen können die gestiegenen Kosten nicht mehr an ihre Kunden weitergeben. Jetzt kann die EZB handeln und die Zinsen senken, meinen Volkswirte.

HB FRANKFURT/M. Der Preisanstieg hat sich in Deutschland im Juni deutlich verlangsamt. Nach vorläufigen Daten aus sechs Bundesländern beträgt die Teuerungsrate nur noch 3,1 % nach 3,5 % im Mai. Nach Ansicht von Bankvolkswirten und Analysten dürfte die Inflation mit dem Siebeneinhalbjahreshoch im Mai ihren Höhepunkt überschritten haben. Für die Euro-Zone erwarten sie einen Rückgang von 3,4 % auf 3,1 %.

Eine deutlich gebremste Preisentwicklung lassen auch die Ergebnisse einer Handelsblatt-Umfrage bei deutschen Unternehmen erwarten. Viele Branchen spüren zwar starken Kostendruck durch teurere Energie und Rohstoffe. Allerdings sehen sie sich wegen des starken Wettbewerbs und der schwachen Nachfrage nicht in der Lage, ihre Verkaufspreise ausreichend zu erhöhen.

Dies gilt etwa für weite Teile der Chemie- und Autoindustrie. Bei ihnen drücken die höheren Kosten deswegen auf die Gewinnmargen. Selbst Branchen wie Papier und Ernährung, die stärkere Preiserhöhungen durchsetzen konnten, gehen für die nächste Zeit von einem konstanten Preisniveau aus.

Während es in den USA als sicher gilt, dass dort bereits am Mittwoch die Zinsen gesenkt werden, mehren sich nach Ansicht von Volkswirten nun auch die Anzeichen für einen Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB). "Es wurde von Fachleuten schon immer behauptet, dass die Inflation nur vorübergehend so hoch bleibt. Jetzt zeigt sich das auch in der Realität", sagte Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank. "Nun sollte die EZB auch die Zinsen senken und ich glaube, sie wird es tun", fordert der oberste Volkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich. Allerdings erwartet er von Europas Währungshütern, dass sie diesen Schritt besser begründen als im Mai. "Die EZB soll so mutig sein zu sagen, wir sehen keine Inflationsgefahr mehr und unterstützen deshalb unserem Mandat entsprechend die allgemeine Wirtschaftspolitik der EU."

Eckhard Schulte von Dresdner Kleinwort Wasserstein rechnet mit einer Zinssenkung noch im Juli. "Wir gehen aber davon aus, dass die EZB die Märkte diesmal besser auf eine Zinssenkung vorbereiten will und daher erst am 19. Juli die Zinsen senken wird. Am 5. Juli wird sie die Märkte erst darauf einstimmen."

Haupthindernis für rasche Zinssenkungen könnten hohe Lohnerhöhungen sein. Wirtschaftsminister Werner Müller forderte gestern die Tarifparteien zu moderaten Abschlüssen auf. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer wies dies zurück.

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