Infokampagne der Europäischen Zentralbank kostet 80 Millionen Euro
Geld ausgeben mit dem Euro will gelernt sein

Der Countdown für die Einführung der Euro-Banknoten und-münzen läuft. Damit jeder Bürger sofort möglichst problemlos damit umgehen kann, hat die Europäische Zentralbank eine riesige Informationsaktion gestartet. 300 Millionen Bürger in12 Ländern müssen mit dem neuen Bargeld vertraut werden.

FRANKFURT/M. Welche Farbe hat der 100-Euro-Schein? Welches Motiv ist darauf abgebildet? Und woran kann ich erkennen, dass er echt ist? Solche Fragen beantworten ab September Fernsehspots und Zeitungsanzeigen in ganz Euroland. "Der Euro. Unser Geld" lautet das Motto. Die Informationskampagne der Europäischen Zentralbank (EZB) und der nationalen Zentralbanken der Eurozone läuft zeitgleich in den 12 Ländern und den jeweiligen Sprachen - ein gigantisches Aufklärungsvorhaben, das sich an 300 Millionen europäische Bürger richtet.

Bewusst verzichtet die EZB darauf, regelrecht Werbung für den Euro zu machen. Auch wenn viele Bürger der neuen Währung immer noch skeptisch gegenüberstehen, will sie nicht die Einstellungen der Bürger beeinflussen. "Das ist nicht unsere Aufgabe", meint João de Almeida, Projektmanager für die Euro-2002-Kampagne der EZB. Vielmehr wolle man die Bürger auf die Einführung der Euro-Banknoten und-Münzen am 1. Januar 2002 vorbereiten, damit sie das neue Geld leicht erkennen und somit möglichst problemlos einsetzen können.

"Wir messen den Erfolg der Informationskampagne am Ende danach, wie gut die Bürger mit den Euro-Banknoten und-münzen umgehen können. Wir fragen danach, wie viel sie darüber wissen und das ist unabhängig davon, ob sie den Euro befürworten oder nicht", unterstreicht auch Barbara Lutz von der zuständigen Werbeagentur Publicis den Informationscharakter der Kampagne.

Stimmung für den Euro zu machen, auch die Skeptiker von den Vorteilen der neuen Währung zu überzeugen - das ist Aufgabe der zwölf Landesregierungen der Eurozone. In allen Euro-Ländern läuft parallel zur EZB-Kampagne gesonderte Werbung für die Gemeinschaftswährung. In Deutschland steuert diese die Aktionsgemeinschaft Euro (siehe Kasten). In ihr haben sich Bundesregierung, EU-Kommission und EU-Parlament zusammengefunden. Deren Botschaft: Der Euro steht für Werte wie Gemeinschaft, Sicherheit, Leistung, Demokratie und Freiheit.

"Eine sinnvolle Aufgabenverteilung", findet de Almeida. So könne sich jeder entsprechend seiner Kompetenzen auf seine Rolle konzentrieren und die jeweiligen Botschaften sich sinnvoll ergänzen. Schließlich stehen EZB und Euro AG im regelmäßigem Kontakt über ihre einzelnen Kampagnen-Schritte. Sie stimmen sowohl Inhalte als auch den Zeitplan aufeinander ab.

Schaltstelle für die EZB-Kampagne ist das Eurobüro der Frankfurter Agentur Publicis. Die international tätige Werbegruppe hatte sich im November vergangenen Jahres den 80-Millionen-Euro schweren Etat der EZB-Kampagne sichern können; ihre Töchter in den 12 Ländern der Euro-Zone setzen sie um. Im Frankfurter Publicis Eurobüro arbeiten 27 Experten verschiedener Nationalitäten aus allen Disziplinen der Werbung zusammen - vom Webdesign über die klassische Kreation bis hin zur PR.

Unter der Leitung von Barbara Lutz, Publicis Frankfurt, und Raymond von Buuren, werden die Kampagnenelemente zunächst in Englisch - schließlich gehört Irland zur Eurozone - und dann in die übrigen zehn Sprachen der Mitgliedsländer übersetzt. Ein flexibles Team sei das Eurobüro, sagt Barbara Lutz. Je nach anfallenden Aufgaben zieht das Team weitere Fachleute hinzu. Das gesamte Projekt ist multinational: die Euro-Website (www.euro.ecb.int) hat schwerpunktmäßig Publicis London entwickelt. Die PR-Spezialisten kommen aus Frankreich, der kreative Part der Werbung aus Deutschland und den Niederlanden.

Zur Zeit läuft das "Partnerschaftsprogramm" auf Hochtouren - neben der Kampagne in den Massenmedien ein weiterer wichtiger Baustein der EZB-Aufklärungsoffensive. "Weil es eine sehr herausfordernde Aufgabe ist, 300 Millionen Bürger zu erreichen, haben wir uns bereits im Sommer vergangenen Jahres überlegt, öffentliche und private Organisationen und Unternehmen anzusprechen. Sie arbeiten mit uns zusammen, um die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bereit zu stellen und somit unsere Kräfte zu bündeln", sagt de Almeida. "Joining Forces" lautet denn auch das Motto des Partner-Programms.

Interessierte Unternehmen und Organisationen können als offizielle Partner des Euro auftreten und unter dieser Flagge Kunden und vor allem auch Angestellte über die praktischen Aspekte des Europa und der Währungsumstellung informieren. "Jedes Unternehmen, das interessiert ist, kann mitmachen", wirbt de Almeida für das Programm und scherzt: "Wir sind ein wirklich günstiger Club, denn wir erheben für die Teilnahme keine Gebühr." Die benötigen Informationen und das Bildmaterial können sich Mitglieder von der Website gebrauchsfertig herunterladen. Die Starwood Hotelkette zum Beispielspiel verteilt an ihre Kunden einen Folder, der zeigt, wie die neuen Euromünzen und Banknoten aussehen. Zudem listet er den Umtauschkurs zu wichtigen Währungen auf.

"Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil", begründet de Almeida, warum es für Unternehmen Sinn macht, am Partnerschaftsprogramm teilzunehmen. "Nicht nur weil die Unternehmen ihren Kunden jetzt schon einen zusätzlichen Service bieten können." Wenn die das neue Geld einmal da sei, werde der Kunde sehr genau merken, bei welchen Firmen die Einführung reibungslos über die Bühne gegangen ist und wo nicht.

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