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Infomatec erwägt Rückzug vom Neuen Markt

Reuters AUGSBURG. Die Augsburger Infomatec Integrated Systems AG prüft nach dem Rückzug ihrer Betreuer auch einen Rückzug vom Neuen Markt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt seit Ende'99 gegen Infomatec.

Nach der WestLB habe nun auch der zweite "Designated Sponsor", das Bankhaus Sal. Oppenheim, sein Mandat niedergelegt, bestätigte eine Infomatec-Sprecherin am Montag in Augsburg. Nun sei man dabei, die "Betreuerverhältnisse neu zu ordnen", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. In diesem Zusammenhang sei auch ein Wechsel in ein anderes Börsensegment möglich. Die Infomatec-Aktie brach nach den drastischen Kursverlusten der vergangenen Wochen am Montag bis zum Mittag erneut um mehr als 14 % auf 4,26 Euro ein.

Die WestLB hatte die Betreuung der Internet-Firma Anfang des Monates abgegeben und sich von Infomatec distanziert, nachdem das Unternehmen seine Umsatz- und Ergebnisprognosen massiv nach unten korrigiert und dabei falsche Angaben in Mitteilungen über Großaufträge eingeräumt hatte. Statt bisher 90 bis 100 Mill. Euro erwartet Infomatec für das laufende Jahr nun nur noch 50,1 Mill. Euro Umsatz. Nach einem auf 15,4 von 7,5 Mill. Euro gestiegen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den ersten sechs Monaten wird für das ganze Jahr mit einem negativen Ebitda von 25,9 Mill. Euro gerechnet. Die Infomatec-Aktie war im Juli 1998 zum Ausgabepreis von 53 DM (27,09 Euro) am Neuen Markt eingeführt worden.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hatte eine Strafanzeige gegen Infomatec wegen Betrugs und Insiderhandels angekündigt. Daneben prüft auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) wegen der falschen Angaben einen Verstoß gegen die Vorschriften für Pflichtmitteilungen.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt bereits seit Ende des vergangenen Jahres gegen die Infomatec AG, Augsburg, wegen des Verdachts unzutreffender Ad-hoc-Mitteilungen und Insidergeschäften. Der leitende Oberstaatsanwalt des Landgerichts Augsburg Reinhard Nemetz erklärte am Montag gegenüber vwd, die Ermittlungen seien aufgrund anonymer Anzeigen in Gang gekommen, wann mit einer Eröffnung des Hauptverfahrens zu rechnen sei, könne er nicht sagen. Zugleich bestätigte Nemetz den Eingang einer Strafanzeige der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK). Die SdK hatte Anzeige wegen Kursbetruges und Insiderhandels gestellt.

Eine Infomatic-Sprecherin sagte, das Unternehmen werde "in dieser oder in der nächsten Woche" auf einer Pressekonferenz in Frankfurt zu den Vorwürfen Stellung beziehen.

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