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Die 30-Minuten-Obama-Show

Sechs Tage vor der US-Präsidentenwahl hat sich der demokratische Kandidat Barack Obama dank Millionenspenden in einem 30-minütigen TV-Werbespot zur besten Sendezeit an die Wähler gewandt - eine anrührende Show.

WASHINGTON. 30 Minuten lang machte Barack Obama am Mittwochabend im US-Fernsehen Werbung in eigener Sache. Er zahlte dafür mehr als drei Millionen Dollar, kaufte sich zur besten Sendezeit vor einem wichtigen Baseballspiel bei CBS, Fox und NBC ein und machte sechs Tage vor dem Wahltag überdeutlich, wer das Rennen um die Spender schon lange gewonnen hat.

In der Sache hatte das Infocommercial nicht viel Neues zu bieten. Aber dafür transportierte die Werbeeinlage vor allem das Gefühl, bei einem Präsidenten Barack Obama bestens aufgehoben zu sein. Der 47-Jährige präsentierte sich in einem Arbeitszimmer, das neben Schreibtisch, US-Flagge und familiärer Bildergalerie bereits wie das Oval Office anmutete. Dann ließ Obama Geschichten aus dem Alltag vieler Amerikaner erzählen, die von den aktuellen Nöten geplagt sind: Ölpreis, Gesundheit, Finanz- und Immobilienkrise. Der Senator selbst fungierte dabei als entspannter Moderator. Dabei schwang stets die Botschaft mit, dass die Lage derzeit zwar schwierig sei, sich unter einer Obama-Präsidentschaft jedoch alles zum Besseren wenden werde. Die Sendung schloss mit einer Live-Schaltung zu einem Wahlkampfauftritt Obamas in Florida.

Letztmals hatte der Milliardär Ross Perot, der sich 1992 als unabhängiger Kandidat um die Präsidentschaft bewarb, mit einem vergleichbaren Mitteleinsatz um Stimmen geworben. Die Kampagne von Barack Obama verfügt indes über so viel Geld, dass sie die Sendezeit mühelos kaufen konnte. Allein im September hatte Obama 150 Mio. Dollar eingenommen. John McCain, der Gelder aus der öffentlichen Wahlkampffinanzierung erhält, fällt demgegenüber weit zurück. Obama hatte sich zunächst ebenfalls auf das öffentliche Finanzierungssystem verpflichtet. Als er jedoch erkannte, in welchen Dimensionen sich Spenden mobilisieren ließen, nahm er sein Versprechen zurück und stieg aus der öffentlichen Finanzierung aus.

Am Abend der Obama-Werbesendung kritisierte McCain in einer Talkshow auf CNN erneut den Wortbruch von Obama. Allerdings: In den meisten zurückliegenden US-Wahlkämpfen hatten die Republikaner beim Spendensammeln die Oberhand, da sie in der Regel viel mehr von institutionellen Gebern profitierten. Eine Konsequenz für zukünftige Wahlkämpfe zeichnet sich bereit jetzt ab. So dürfte jeder Kandidat, der Gelder aus dem öffentlichen System annimmt, als weniger zugkräftig und zweitrangig gelten. Viele Beobachter sehen deshalb das Ende des Dualismus bei der Wahlkampffinanzierung gekommen.

Nach Auswertungen des Werbeforschungsunternehmens Nielsen hat Obama bisher landesweit mehr als zweimal so viele Werbespots in Fernsehen und Radio untergebracht wie McCain. Alleine am Dienstag schaltete Obama in den USA 3160, McCain lediglich 1543 Commercials.

Der Wahlkampf 2008 wird mit Abstand als der teuerste in die Geschichte der USA eingehen. Nach Angaben des unabhängigen "Centers For Responsive Politics" werden sich einschließlich der Vor- und Kongresswahlen die Ausgaben aller Kandidaten zusammen auf über 5,3 Mrd. Dollar addieren. Im Vergleich zu 2004 hat sich dabei das Spendeaufkommen verdoppelt, im Vergleich zu 2000 sogar verdreifacht. Frappierend ist dabei die unterschiedliche Dynamik in beiden politischen Lagern. Während bei den Demokraten gegenüber 2004 der Spendeingang um 52 Prozent gewachsen ist, legten die Republikaner lediglich um zwei Prozent zu.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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