Informationen an die Presse waren falsch
Bank-Berlin stellt Strafanzeige wegen Verschwiegenheitsbruch

Nachdem vertrauliche Informationen aus dem Gremium in die Öffentlichkeit gedrungen seien, hat der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt angekündigt.Medien hatten über einen geschätzten Fehlbetrag für das laufende Geschäftsjahr berichtet. Der Bankvorstand räumte einen Verlust für 2001 ein, bezeichnete die veröffentlichten Zahlen jedoch als zu hoch.

Reuters BERLIN. Der Aufsichtsrat teilte am Freitag mit, das Gremium sei im Anschluss an seine Sitzung am Donnerstag vom Bankvorstand darüber informiert worden, dass Informationen aus der Sitzung unter Bruch der Verschwiegenheitspflicht an Presseorgane weitergereicht worden seien.

Die "Berliner Zeitung" hatte in ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet, die mehrheitlich landeseigene Bank werde das laufende Jahr voraussichtlich mit Wertberichtigungen von mehr als einer Milliarde Euro abschließen. Reuters hatte aus Kreisen des Aufsichtsrats der Bank erfahren, der Fehlbetrag im laufenden Geschäftsjahr werde auf rund 662 Mill. Euro geschätzt.

Der Aufsichtsrat teilte mit, die an die Presse weitergereichten Informationen seien inhaltlich unrichtig. Der Arbeitsausschuss des Gremiums werde eine Strafanzeige gegen Unbekannt veranlassen. Es sei das gemeinsame Interesse der Organe der Bank, aufzuklären, wer durch vorsätzlich unter Verletzung der Gesetze gestreute Informationen die Bemühungen des Großaktionärs und der Organe der Bank konterkariert, die Bank aus der derzeitigen Lage in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Das Land Berlin hält rund 81 % an der Bank.

In einer Pflichtveröffentlichtung der Bank hieß es: "Zwar ist das operative Bankgeschäft positiv, jedoch belasten Abschreibungen auf Aktien im eigenen Bestand sowie das negative operative Ergebnis der (Immobilien-) Tochtergesellschaft IBAG", teilte das Institut am Freitag in einer Pflichtmitteilung mit. Aus Altgeschäften der IBG befürchte die Bank eine Erhöhung der im Jahresabschluss 2000 berücksichtigten Bewertungsrisiken. Eine detaillierte Prüfung finde derzeit statt. Vom Land Berlin werde keine weitere Kapitalzuführung erwartet.

Wie Reuters aus Aufsichtsratskreisen erfahren hatte, rechnet die IBAG-Geschäftsführung mit Bewertungsrisiken von etwa 650 Mill. Euro. Ein Betrag von rund 250 Mill. Euro sei bereits in einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger ermittelt worden. Nun sei aber mit höheren Bewertungsrisiken von weiteren knapp 400 Mill. Euro zu rechnen. "Das hat natürlich Staub aufgewirbelt", hieß es in den Kreisen. Wie Reuters weiter aus den Kreisen erfahren hatte, handelt es sich um konservative Rechnungsmethoden und nicht um "verifizierte Zahlen". Vor allem wegen Verlusten im Immobiliengeschäft hatte die Bankgesellschaft im Jahr 2000 einen Jahresfehlbetrag von 1,65 Mrd. Euro. Insgesamt stellte das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) einen Kapitalbedarf von zwei Mrd. Euro fest, der inzwischen durch eine Kapitalerhöhung gedeckt wurde.

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