Informationen aus EU-Kreisen
Ecofin könnte Duisenberg um Amts-Verlängerung bitten

Die Mehrheit der Finanzminister der Europäischen Union könnte nach Informationen aus EU-Kreisen EZB-Präsident Wim Duisenberg darum bitten, länger als geplant im Amt zu bleiben.

rtr BRüSSEL. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass darüber auf dem nächsten Ecofin diskutiert wird. Nach meiner Einschätzung wollen sowohl das Europäische Parlament als auch die Mehrheit der Finanzminister, dass Herr Duisenberg länger bleibt", sagte ein hochrangiger EU-Vertreter am Montag. Ein EZB-Sprecher verwies auf die bereits von Duisenberg geäußerte Bereitschaft, nach dem 9. Juli noch im Amt zu bleiben und erklärte, bisher habe es kein offizielles Ersuchen darum gegeben.

Die Finanzminister tagen das nächste Mal gemeinsam mit den Notenbankchefs beim informellen Ecofin vom 4. bis 6. April auf Kreta. Grund für die Bitte der Finanzminister sind absehbare Verzögerungen im Zeitplan für den Amtswechsel. Denn über den Wunschkandidaten für Duisenbergs Nachfolge, den französischen Notenbankchef Jean-Claude Trichet, wird erst am 18. Juni und damit nur drei Wochen vor dem bisher anvisierten Termin ein Gerichtsurteil gefällt. Vergangene Woche hatte sich bereits Luxemburgs Finanzminister und Regierungschef Jean-Claude Juncker dafür ausgesprochen, dass Duisenberg übergangsweise länger bleiben solle.

Auf Kreta wollen die Finanzminister auch über die Nachfolge von EZB-Direktoriumsmitglied Sirkka Hämäläinen beraten, die turnusgemäß Ende Mai aus dem Amt scheidet. Als aussichtsreiche Kandidatin gilt die Vizepräsidentin der österreichischen Notenbank, Gertrude Tumpel-Gugerell. Die Minister müssen zu den Personalien eine Empfehlung aussprechen, das letzte Wort haben die EU-Staats- und Regierungschefs.

EZB-Chef Duisenberg wollte am 9. Juli, seinem 68. Geburtstag, aufhören, hatte jedoch erklärt, für einen reibungslosen Übergang länger zu bleiben. Trichet wird vorgeworfen, als Verantwortlicher für die Bankenaufsicht im Schatzamt vor gut zehn Jahren über umstrittene Bilanzierungspraktiken der ehemaligen Staatsbank Credit Lyonnais informiert gewesen zu sein. Nur wenn Trichet von allen Vorwürfen freigesprochen wird, kann er das höchste Amt der Zentralbank übernehmen. Regulär würde Duisenbergs Vertrag erst 2006 enden. Sein vorzeitiges Ausscheiden und die Festlegung auf einen Franzosen als Nachfolger geht auf eine Vereinbarung zurück, die der französische Staatspräsident Jacques Chirac 1998 kurz vor Beginn der Währungsunion erzwungen hatte.

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