Informationen der Geheimdienste
Wenn der Schüler zum Lehrer wird

Eigentlich sollte der Kampf gegen den internationalen Terror schon vor einer Dekade, nach dem Golfkrieg gegen den Irak, beginnen. Nun ist die CIA auf die Kooperation mit dem pakistanischen Geheimdienst angewiesen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und angesichts der Aggression Saddam Husseins und diverser, meist islamischer Gruppen wurde ein neues Bedrohungsszenario gezeichnet, dem der damalige US-Präsident George Bush seine "Neue Weltordnung" gegenüberstellte.

Sicher, die Identifizierung des Terrors als weltweite Gefahr war nicht gerade neu. Auf Grund der mehr und mehr verblassenden alten Feindbilder à la Sowjetunion rückte er aber verstärkt in den Fokus. Und spätestens nach den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 galt Osama bin Laden als dessen Galionsfigur. Zwar reagierte die US-Regierung damals mit klassischen militärischen Mitteln, mit Raketen auf den Sudan und Afghanistan. Die Wirkung war freilich gering. Folglich wuchs die Erkenntnis, dass dem Terror mit orthodoxen Mitteln kaum Paroli geboten werden kann. Nicht umsonst wurde nach den Attacken am 11. September im Weißen Haus schnell betont, dass die Antwort nicht nur militärisch ausfallen könne.

Eine Alternative, für deren Anwendung es mit Blick auf die Gräueltaten in Washington und New York allerdings zu spät ist, bietet die Prävention. Doch eine solche Strategie genoss bislang ganz offensichtlich keinen besonders hohen Stellenwert. So hatte z.B. die ägyptische Regierung, die selbst mit Gewalttaten islamischer Fundamentalisten konfrontiert ist, mehrfach und durchaus präzise vor von bin Laden geplanten neuen Anschlägen gewarnt. Und dies war sogar in Kairoer Zeitungen zu lesen. An Hinweisen, auch aus Saudi-Arabien oder selbst von Seiten der Uno, mangelte es also nicht. Diese wurden von den US-Geheimdiensten sicher auch mehr oder weniger akribisch aufgelistet. Versäumt wurde jedoch eine koordinierte Auswertung, die eine zwingende Schlussfolgerung erlaubt hätte. Dass in den USA nun eine Diskussion über eine Reform der Geheimdienste entbrannt ist, kommt nicht von ungefähr.

Wenn nun in Washington und beim engsten Verbündeten in London erklärt wird, man habe exakte Beweise dafür, dass bin Laden mit Unterstützung der in Afghanistan herrschenden Taliban Drahtzieher bei den Attentaten gewesen sei, so mag man dies durchaus glauben. Eine ohnehin zu späte Erfolgsstory können die Geheimdienste damit jedoch nicht abliefern. Denn unmittelbar nach Eintreffen der Schreckensmeldungen suchten die Amerikaner den Kontakt zu Pakistan, einem Land, das wegen seines bisherigen engen Schulterschlusses mit den Taliban seit mehr als zehn Jahren nicht mehr auf der Liste der Freunde zu finden war. Doch moralische Skrupel kann man sich nicht leisten. Die Pakistanis verfügen mit dem ISI nämlich über einen Geheimdienst, der zu den emsigsten und effektivsten auf diesem Globus gezählt wird. Folglich muss vermutet werden, dass die Erkenntnisse der Amerikaner und Briten überwiegend vom ISI geliefert, angesichts der Aufhebung der einst gegen Islamabad verhängten Sanktionen und der Wiederaufnahme der Wirtschaftshilfe sogar schlicht gekauft wurden. Und der ISI weiß natürlich noch viel mehr.

Wenn Pakistans Präsident Musharraf also erklärt, er könne die von den USA präsentierten Beweise gegen bin Laden akzeptieren, so klingt das fast wie Hohn, stammen sie doch überwiegend aus eigenen Quellen. Und für die USA ist es zudem ein Hohn, dass der ISI, der auch der massiven innenpolitischen Repression dient, nach dem Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan von der CIA aufgerüstet wurde. Der einstige Schüler ist heute der Lehrer.

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